„Runter mit den GEZ-Gebühren!“: Das sagen die Medien zum Olympia-Blackout von ARD und ZDF

Von SZ, über FAZ bis zu SpOn: Der Ausstieg aus den Olympia-Verhandlungen von ARD und ZDF wäre auch eine Chance.
Von SZ, über FAZ bis zu SpOn: Der Ausstieg aus den Olympia-Verhandlungen von ARD und ZDF wäre auch eine Chance.

Die Olympischen Spiele 2018 bis 2024 werden in Deutschland von Eurosport ausgestrahlt – ARD und ZDF sind aus den Verhandlungen ausgestiegen. Viele Sport- und Olympia-Fans bedauern den öffentlich-rechtlichen Blackout. Und fordern nun eine Senkung des Rundfunkbeitrags. Auch Sportbild-Chef Alfred Draxler schreibt: "Runter vom hohen Ross und runter mit den GEZ-Gebühren!" Während Medien wie SpOn, FAZ und SZ eine andere Chance sehen. Die Pressestimmen.

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Bei Spiegel Online kommentiert Peter Ahrens: „Der Ausstieg von ARD und ZDF aus dem Millionenpoker um Olympia ist nun eine gewaltige Chance. Die Sender sind jetzt ungebunden in ihrer Berichterstattung. Jetzt können sie ohne Zwänge das tun, wofür sie vom Gebührenzahler finanziert werden: Sie können genau und kritisch hinschauen, wenn Wintersportler zum Beispiel 2022 ihren Job in Peking zu tun haben, unter einem autoritären Regime und in einer Stadt, in der 2008 noch Sommerspiele stattgefunden hatten. Man kann frei von den Umständen dem Internationalen Olympischen Komitee noch viel strenger auf die Finger schauen. Man kann gänzlich unverstrickt darüber informieren, wie Olympiasieger gemacht werden, im Gewichtheben, im Ringen, in der Leichtathletik, im Schwimmen.“

Auf Stern.de hält Tim Sohr fest: „Über die Qualität der künftigen Olympia-Übertragungen müssen wir uns deshalb keine Sorgen machen – fachlich ist Eurosport, der ab sofort exklusiv sendende Spartenkanal, mit den Öffentlich-Rechtlichen mindestens auf Augenhöhe. Trotzdem könnte das Signal an den deutschen Sport nicht fataler sein, denn Olympia ohne ARD und ZDF bedeutet: weniger Aufmerksamkeit, weniger Sponsoreninteresse, weniger Geld für die Verbände. Und das vermutlich in einem Ausmaß, das sich im Moment nur Pessimisten vorstellen können.“

Sportbild-Chef Alfred Draxler fordert: „Schon immer ärgere ich mich zum Beispiel darüber, dass ARD und ZDF bei Olympischen Spielen beide in Mannschaftsstärke angerückt sind und sich täglich mit der Berichterstattung abwechselten. Ein Tag Arbeit, ein Tag frei! Das nenne ich Gebühren-Verschwendung! Runter vom hohen Ross und runter mit den GEZ-Gebühren wäre mal eine Maßnahme!“

Für die FAZ schreibt Reinhard Müller: „Wenn nun der Deutsche Olympische Sportbund bedauert, dass ARD und ZDF das Nachsehen haben, dann zeigt auch das: Die Zeit ist reif für einen Wechsel. Erbhöfe gibt es nicht. Der Zuschauer wird sich ein Bild machen; ganz im Sinne der ‚Demokratie-Abgabe‘, wie die Zwangsgebühr von den Öffentlich-Rechtlichen gern genannt wird. Zur Volksherrschaft gehört Wettbewerb. Und, dass das Volk überhaupt gefragt wird.“

Markus Völker kommentiert für die taz: „Kein Olympia bei ARD und ZDF von 2018 bis 2024. Ist das eine gute oder eine schlechte Nachricht? Ganz klar: eine gute. (…) Die Öffentlich-Rechtlichen sparen damit eine Menge Geld, etwa 250 Millionen Euro für die Übertragungsrechte und die Produktionskosten. (…) Die Anstalten könnten das Geld in ein Fernsehen investieren, das kein oberflächliches Unterhaltungs-TV ist. (…) Der olympische Endverbraucher auf dem Sofa muss sich also nicht groß umstellen, er muss nur einen anderen Kanal anwählen: Eurosport.“

Hans Hoff schreibt bei der Süddeutschen Zeitung: „Vor allem aber ist die neue Situation eine Chance für ARD und ZDF. (…) Sie müssen das vorhandene Personal sinnvoll anderweitig einsetzen, müssen den Sportbereich möglicherweise in die Überlegungen für den ohnehin geplanten Stellenabbau miteinbeziehen. Sie müssen zudem Ersatzprogramm für all die vielen Olympiastunden herstellen. Sie müssen beweisen, dass sie auch ohne Olympische Spiele sehenswert sind. Schaffen sie das nicht, stellen sie sich rasch das Zeugnis der eigenen Überflüssigkeit aus und geben all jenen Kritikern recht, die nur zu gerne von Zwangsgebühr und ähnlichen Kampfbegriffen schwafeln.“

Volker Herres, Programmdirektor des Ersten, kommentiert in den ARD-„Tagesthemen“: „Jeden Preis können und wollen wir nicht zahlen.“

Für WeltN24 hält Sven Flohr fest: „Der Rückzug der Öffentlich-Rechtlichen ist zum einen eine krachende Niederlage, zum anderen aber auch ein wichtiges Signal: ARD und ZDF sind offenbar nicht mehr bereit, Geld völlig wahllos zu verpulvern. (…) Die Frage bleibt, was daraus folgt. (…) Kommendes Jahr beginnen die Verhandlungen über die Champions League. Für das wöchentliche Fußballspiel zahlt das ZDF bislang geschätzte 54 Millionen Euro pro Saison. Konkurrierende Privatsender ärgern sich seit Jahren über den Deal, da es dem Sender nur um die Quote, nicht aber um die Grundversorgung gehe. Mit der Olympia-Entscheidung darf man davon ausgehen, dass sie auch in Zukunft jammern werden.“

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Alle Kommentare

  1. Es ist an der Zeit die Vermarktung des gesamten Sports und ihrer Funktionäre zu überdenken. Ein IOC Präsident mit Diplomatenpass ist schon was besonderes. Eine Formel1 in analoger Fernsehqualität – 1/4 HD- Auflösung- in HD nur gegen Mehrkosten und Jahresverträge zu erleben ist im Rahmen des Staatsvertrags mit den Privatsendern sicher überarbeitungswert. So wird es nun auch mit Eurosport sein. HD Vermarktung ist ein Riesengeschäft. Warum schalten die kostenfreien Privatsender dann überhaupt nicht ganz zurück auf Schwarz-Weiß und nur bei Werbung auf Farbe? Ich finde es gut, wenn ARD und ZDF der Preispokerschraube ein Ende setzen.

  2. Nein, nicht runter mit den Gebühren, sondern WEG MIT DEN GEBÜHREN! Weg mit den Gebühren für ein ARD und ZDF, das oft mehr der Aktuellen Kamera und dem Schwarzen Kanal gleicht, denn einem neutralen Medium.

  3. Die Spiegel-Kollegen… das ganz große Verschwörungrad.
    Hauptsache man pinkelt in Berlin dem teutschen Minister für Sport ! nicht ans Bein. Der hat ja sicher seine demokratische Daseinsberechtigung mit all seinen Beamtenstühlen.

  4. Beitrag senken ist doch nur eine Ablenkung. Das Konstrukt öffentlich rechtlicher Rundfunk verstößt neben den grundlegendsten Grund- und Menschenrechten auch gegen so gut wie alle gängigen Rechtsnormen und Gepflogenheiten und gehört daher in einem Rechtsstaat abgeschafft.
    Privatautonomie, Missbrauch von Hoheitsrechten, Verwaltungsakte ohne Verwaltung zu sein, Unterschriftenerfordernis für Einzelfallentscheidungen, nichtiger öffentlicher Vertrag, Unabhängigkeit und Staatsferne nicht gegeben, da die Politik über die Geldmittel entscheidet und diese auch gegen geltendes Recht eintreibt (siehe AO ab § 249 oder das Tübinger Urteil) usw. usw. Finanzämter, Stadtkassen, Innenminister, Richter, alle spielen mit obwohl jeder der lesen kann sieht, dass in den Gesetzen etwas völlig anderes schwarz auf weiß geschrieben steht.

    1. Hallo Fabian, sehr gut erkannt die Misere, ich kann Ihnen nur voll zustimmen. Insgesamt eine unverantwortliche Geldverschwendungsmaschinerie auf Kosten der Bürger. Erst recht fragwürdig werden die Beiträge, wenn überschüssige Gelder aus den Beiträgen von Länderanstalten bei Investmentbanken im Risikobereich angelegt wurden. Im Zusammenhang mit der Lehman Brothers Pleite sind auch schon Millionen in den Sand gesetzt worden.

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