„Das ist jetzt nicht dein Ernst!!!???“: Welt am Sonntag druckt ein Til-Schweiger-Porträt mit den Anmerkungen von Til Schweiger

„Das ist jetzt nicht Dein Ernst!!!???“: Til Schweiger hat ein Til-Schweiger-Porträt in der Welt am Sonntag kommentiert.
"Das ist jetzt nicht Dein Ernst!!!???": Til Schweiger hat ein Til-Schweiger-Porträt in der Welt am Sonntag kommentiert.

Wer Til Schweiger zum Interview treffen möchte, muss dem Schauspieler vorab und vertraglich zusichern, alle Zitate absegnen zu lassen. So weit, so üblich im deutschen Journalismus. Unüblich: WamS-Autorin Kathrin Spoerr hat aus diesem Umstand nun eine spezielle Geschichte gestrickt – und ihr gesamtes Til-Schweiger-Porträt an Til Schweiger geschickt. Dem hat es "viel Spaß gemacht hat", ihren Text zu "redigieren"…

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„Til Schweiger ist kein einfacher Gesprächspartner“, hält die Autorin zu Beginn ihres Textes fest. Er würde sich gern mit Journalisten streiten. Offenbar auch mit Kathrin Spoerr, die den Schauspieler für ein Porträt in der Welt am Sonntag (Nr.49/2016, kostenpflichtig) getroffen – und ihr Streitgespräch nun auf etwas andere Art und Weise dokumentiert hat: Das Porträt wurde inklusive aller Anmerkungen von Til Schweiger gedruckt; seine Kommentare wurden gelb hinterlegt und hinter die entsprechenden Passagen gestellt.

Sorge um die Pressefreiheit muss man sich allerdings nicht machen: Dass der gesamte Text zum Kommentieren an Til Schweiger geschickt wurde, lässt sich als Stilmittel verstehen – ein Sprecher des Springer-Verlags hat gegenüber MEEDIA bestätigt, dass sich die Idee im Laufe des Gesprächs zwischen Schweiger und Spoerr entwickelt hat.

Und so hat Schweiger schon nach der ersten Zeile eine Anmerkung: „Es dauert ziemlich genau zehn Minuten, bis Til Schweiger aus der Haut fährt. [Ich dachte, der „Ausbruch“ ereignete sich erst nach ca. 15 Minuten.]“ Das kann man kleinlich nennen – oder als Verteidigungshaltung deuten. Wenige Zeilen später: „Wir machen dann einfach weiter mit Fragen und Antworten, beide bemüht, [Ich musste mich nicht bemühen, da ich meinen Ärger rauslasse und nicht in mich reinfresse, und danach geht es mir in der Regel wieder gut – ich dachte sogar während das Gespräch seinen weiteren Verlauf nahm, ob ich vielleicht ungerecht war.] die Stunde, die wir haben, irgendwie rumzukriegen und ihr vielleicht einen Schubs ins Positive zu geben.“ Immerhin ein Gefühl, das offenbar auf Gegenseitigkeit beruht hat: „Hat Til Schweiger recht? Will ich ihn in eine Ecke drängen, in die er nicht gehört? Ist er gut, und bin ich böse? [Als böse habe ich Dich nicht wahrgenommen.]

Danach versucht Spoerr – immerhin handelt es sich um ein Porträt – den Menschen Til Schweiger durch kleine Marotten und seinen Background nachzuzeichnen. Dabei hält sich auch Schweiger kurz und knapp: „Das Restaurant heißt „barefood“. Vermutlich auch, weil Inhaber Schweiger gern ohne Socken in seine Schuhe steigt. [Gut recherchiert!]“ – „Sein Pulli sieht sehr weich aus. Er selbst: erschöpft. Außerdem hat er eine Fahne. [Sorry, der Abend war lang und lustig!] Aha, denke ich und notiere innerlich: Nach Verhältnis zu Alkohol fragen.“ 

Bei einer alten Fehde holt Schweiger hingegen zu längeren Erklärungen aus – und unterstreicht damit einmal mehr, dass er und der Spiegel wohl keine Freunde mehr werden: „Er erzählt die Geschichte mit dem „Spiegel“-Reporter vor vier Jahren, den er richtig toll fand, weil er ein Buch über Schweigers Jugendhelden Arnold Schwarzenegger geschrieben hatte. ‚Ich dachte, wenn mal einer ein Buch über mich schreibt, dann der.‘ Der Journalist schrieb dann tatsächlich etwas über Schweiger: ein ‚Spiegel‘-Porträt, ein tolles Stück, [Das ist jetzt nicht dein Ernst!!!??? Bitte nicht wieder Ausrufezeichen zählen! Wer hat eigentlich mit diesem Schwachsinn angefangen, die Anzahl meiner Satzzeichen zu zählen? Ich kann euch nicht sagen, wie sehr ich mich darüber schon schlappgelacht habe.] ich hatte es am Morgen noch gelesen“

Nach dem Gespräch, im ihrem letzten Absatz ihres Textes kommt dann tatsächlich noch Gott ins Spiel: „Das hätte ihm sicher nicht gefallen, und wir beide hatten es schwer genug miteinander. Die Parallele zu Gott hingegen – die könnte ihm gefallen. Oder bin ich einfach zu böse? Und er zu gut? Keine Ahnung. Vielleicht weiß Til Schweiger die Antwort. [Au ja, Gott finde ich super, das gefällt mir, hahahaha … ein ehrliches Wort (Ich habe noch NIE geschleimt), deinen Artikel zu ‚redigieren‘ hat mir viel Spaß gemacht, jetzt habe ich dich wieder lieb, und wenn du das nächste Mal in Hamburg bist, lad ich dich gerne mit Kindern oder Freunden auf meine ‚Bolo‘ ein. Mittlerweile ist sie richtig gut!]

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Alle Kommentare

  1. Die Aussagen von „Tim Schwätzer“ spotten teilweise jeder Beschreibung… man muss es selbst lesen, um es zu glauben:
    ###Das Fitness-Center hält Schweiger für wichtig und bezieht sich auf Presseberichte zu Streitereien in Flüchtlingsunterkünften. „Menschen müssen sich abreagieren können. Ich würde gerne mal sehen, was passiert, wenn man 1000 Deutsche ohne Aufgabe auf engem Raum zusammensperrt.“###

    Genau!
    Die Deutschen Kriegsflüchtlinge, die nach dem 2.WK in Kellern hausten, Kartoffelschalen und Birkenrinde aßen, hatten bestimmt auch alle „Fitnessräume“! Sonst hätten die ja tagtäglich schwere Straftaten begangen, so wie die „Kriegsflüchtlinge“ von heute….

    1. Die Erkenntnis der tagtäglichen schweren Straftaten hat nur k.einer
      http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/bundeskriminalamt-statistik-straftaten-Asylbewerber

      Der Vergleich mit den Flüchtlingen im 2. WK ist ja super. Damals gab es für alle nichts zu essen. Nahrungsbeschaffung, überleben und versorgen der Familie war da mehr als tagfüllend. Schwer vorstellbar wenn man feist vor seinem prallen Kühlschrank hockt, nicht wahr?

      Aber es geht Ihnen ja nicht um Differenzierung sondern um vereinfachende Polemik. Fein gemacht.

      1. Ich empfehle, bei Twitter mal auf @zahlensammler ein bißchen Zeit zu verbringen. Schafft eventuell Klarheit.

  2. Til Schweig Er, will seine eigenen Kommentare kontrollieren damit ja genug Lobhudeleien über ihn vorkommen und seine Nuscheleien auch ordentlich Übersetzt werden.

      1. Nein, Sie haben es nicht kapiert: Autorisierung (hier absegnen genannt) ist Betrug am Leser! Merken Sie sich das endlich.

      2. Lassen Sie doch auch nochmal einen gegenlesen, so aus Selbstschutz.

        Schweiger und Welt, kleine nette Promostory, Restauranz beworben, launige Kommentare…..Das hat mit dem was Sie Autorisierung nennen garnichts zu tun 🙄

  3. Erst kürzlich hat die SZ einen „Seite 3“-Artikel zu Till Schweiger abgedruckt, der erstaunlich fair und unvoreingenommen war. Macht er seinen Frieden mit der Presse oder woran liegt das?

  4. Sich Zitate absegnen zu lassen ist gang und gäbe in der Presse. Den Journalisten steht es normalerweise frei, darauf einzugehen oder nicht (die vertragliche Zusicherung nicht berücksichtigt). Hier handelt es sich seitens Schweiger weniger um Korrekturen als vielmehr um Kommentieren bestimmter Passagen. Ein riesen Vertrauensbruch seitens der WamS, der so nie hätte gedruckt werden dürfen.

    1. Mag ja sein, dass ich es missverstehe, aber im 2. Absatz steht doch, dass Spoerr und Schweiger das so abgesprochen hatten. Er wusste also vorher schon, dass auch seine „Kommentare“ dann abgedruckt würden. Das ist, wenn es nicht eindeutig so kommuniziert wird, allenfalls Betrug am Leser. So was nennt sich dann vermutlich demnächst Reality-Interview.

    2. Sorge um die Pressefreiheit muss man sich allerdings nicht machen: Dass der gesamte Text zum Kommentieren an Til Schweiger geschickt wurde, lässt sich als Stilmittel verstehen – ein Sprecher des Springer-Verlags hat gegenüber MEEDIA bestätigt, dass sich die Idee im Laufe des Gesprächs zwischen Schweiger und Spoerr entwickelt hat.

      1. Die Zitate waren abgemacht. Im Gespräch haben sie dann beschlossen, den ganzen Text zu schicken. Es steht nichts davon da, dass vereinbart wurde, seine Kommentare zum Text zu veröffentlichen. Dass ist der Vertrauensbruch der WamS.

  5. Mich nerven die Befindlichkeits-Postings der Damen und Herren hier gewaltig. Wer – außer Boris – beschwert sich eigentlich über einen Vertrauensbruch der WamS? Und warum sollten Kommentare eines Interviewten micht mal mitgedruckt werden, wenn sie informativ und/oder unterhaltend sind?
    Das Übersenden eines Interview-Textes zur „Prüfung auf sachliche Richtigkeit“ gehörte übrigens mal zum journalistischen Handwerk und hat in wohlverstandener Koexistenz und kritischer Distanz in den meisten Fällen gut funktioniert. Das war aber zu Zeiten, als man noch an Ziel- oder Dialoggruppen, Leserinnen und Leser dachte und weniger daran, wie man sich hier am besten ausmähren kann.

    1. Der gemeine* Berliner sagt:

      Dummheit is ooch ne Jabe Jottes,
      aba man soll ihr nich missbrauchn.

      *in diesem Fall ist die eigentliche Bedeutung des Wortes gemeint.

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