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Paid Content bei Spiegel Online ein Flop? Verlag und Laterpay dementieren Medienbericht

Laterpay-CEO Cosmin Ene (l.), Spiegel Online-Chef Florian Harms: Kooperation geht weiter
Laterpay-CEO Cosmin Ene (l.), Spiegel Online-Chef Florian Harms: Kooperation geht weiter

Ein Bericht des Branchendienstes Horizont sorgte vergangene Woche in der medieninteressierten Öffentlichkeit für Erregung: Bei der Spiegel-Gruppe, so hieß es, könne Spiegel Online-Chef Florian Harms womöglich kurz vor der Ablösung stehen – Grund sei das schief gegangene Paid Content-Experiment Spiegel Plus, bei dem der Spiegel auf LaterPay als Dienstleister setzt. Gegenüber MEEDIA haben der Spiegel und Laterpay-CEO Cosmin Ene nun dementiert, dass das gemeinsame Projekt vor dem Aus stehe.

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Als „Spiegel Plus-Flop“ wurde die Paid-Content Kooperation zwischen Spiegel Online und Laterpay in der Dachzeile bei Horizont bezeichnet. Das Experiment mit Laterpay gelte als gescheitert. Im Text war dann nach einer Beschreibung eines kolportierten Streits zwischen Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer und Spiegel-Online-Chef Harms zu lesen: „Vielleicht ging es um den Beschluss, die von Harms eingefädelte Kooperation mit Laterpay zu beenden. Vielleicht lag es an der wieder aufgeflammten Debatte, was wichtiger ist: Paid Content oder die von Harms bevorzugte Reichweite?“ Später hieß es noch, man habe bei Spiegel Online „kaum nennenswerte Erlöse“ über Laterpay einsammeln können und auch die Hoffnung, aufschlussreiche Daten über die zahlbereiten Nutzer zu gewinnen, habe sich nicht erfüllt. Ergo: „Nun ist offen, wie es mit Paid Content bei „Spiegel-Plus“ weitergeht“. Der Text bewegt sich im Spekulativen, legt jedoch deutlich die Lesart nahe: Laterpay bei Spiegel Online ist ein Flop, ist gescheitert, wird beendet.

Ganz so ist es aber wohl nicht.

Gegenüber MEEDIA erklärte eine Spiegel-Sprecherin auf die Frage, ob die Zusammenarbeit mit Laterpay beendet wird: „Seit Mitte des Jahres bieten wir mit Spiegel Plus einzelne Artikel des Nachrichten-Magazins und der Nachrichten-Website auf Spiegel Online zum Verkauf an, der Micropayment-Anbieter LaterPay ist dafür ein sehr geeigneter Partner. Parallel arbeiten wir – wie angekündigt – daran, demnächst weitere Modelle anbieten zu können, zum Beispiel digitale Abo-Modelle. Dafür werden wir auch alternative Bezahlsysteme benötigen.“

Dass man beim Spiegel auch an weiteren Pay-Lösungen neben Laterpay arbeitet, ist nicht neu. Das wurde vom Verlag immer so kommuniziert. Im Gespräch mit MEEDIA wird Laterpay-CEO Cosmin Ene noch deutlicher, was die Kooperation seines Dienstes mit dem Spiegel betrifft. Es sei keine Rede davon, dass die Zusammenarbeit beendet werde, sagt er. Die bestehende Kooperation laufe unbefristet weiter.

Von einem „Flop“, wie bei Horizont zu lesen war, könne ebenfalls keine Rede sein. Cosmin Ene: „Es gibt eine hohe Anzahl an Kunden, die die Fünf-Euro-Hürde übersprungen haben, sich registrieren und auch zahlen.“ Laterpay ist ein Micro-Payment-System, bei dem Nutzer Artikel auch zu geringen Beträgen sofort lesen können. Erst wenn ein virtuelles Konto bis zu fünf Euro aufgefüllt ist, wird der Nutzer aufgefordert, sich zu registrieren und zu zahlen. Daher der Name Laterpay – später zahlen.

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Im Schnitt würden 83 Prozent der Nutzer, die diese 5-Euro-Hürde erreichen und sich registrierten, auch bezahlen, so Ene, bei Spiegel Plus liege die Konversionsrate sogar noch darüber. „Wenn jemand in den Artikeln einen Mehrwert sieht, dann wird er auch bezahlen. Die Zahl der Leute, die Laterpay umgehen, ist sehr gering“, so der Laterpay CEO. Dies ist ein weiterer, häufig gehörter Kritikpunkt an Laterpay: mit ein paar einfachen Tricks, lässt sich das System austricksen. Ene: „Man muss sich entscheiden, ob man maximale User-Freundlichkeit haben will oder maximalen Schutz vor Umgehung. Im Fall von Spiegel Plus wurde eine bewusste Entscheidung für die Userfreundlichkeit getroffen.“

Laterpay erwähnt diesen Aspekt sogar auf der eigenen Homepage: „LaterPay basiert auf dem Gedanken, dass Nutzer grundsätzlich für gute Inhalte bezahlen möchten, wenn es bequem und einfach ist, sie zu kaufen. Daher haben wir uns dafür entschieden, der Privatsphäre der Nutzer und einer einfachen Bedienung den Vorrang zu geben vor dem absoluten Schutz vor Betrug.“

Für den Horizont-Artikel habe man sich im Vorfeld der Veröffentlichung nicht mit ihm in Verbindung gesetzt, so der Laterpay-CEO. Auch später habe die Autorin keine Zahl nennen können, die die Behauptung, es handle sich bei Spiegel Plus um einen „Flop“ belege. Konkrete Zahlen würde Ene gerne nennen, sagt er, diese müssten aber vom jeweiligen Auftraggeber freigegeben werden. „Wenn sie ein innovatives Tool wie Laterpay einsetzen, müssen sie durch Performance überzeugen“, so Ene. Er selbst habe also auch gar kein Interesse an einer Kooperation, die nicht für beide Seiten funktioniere.

(swi/lip)

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Alle Kommentare

  1. ich nutze Laterpay. Es sind i.d.R. auch nur die großen Artikel, für die Geld verlangt wird und im Normalfall habe ich es bisher nicht bereut.

    Einzelfälle, in denen die Kolumnen sogar zahlungspflichtig wurden gehen aber gar nicht. Ich hoffe mal, solch ein Fauxpass wiederholt sich nicht.

    Schlimm ist eher, was aus SPON und den dort angeschlossenen Foren geworden ist. Dort treibt sich nur noch eine relativ krude Mischung aus AfD und Linken herum, die schon sauer werden, wenn man die Verschwörungstheorien von denen ins Lächerliche zieht. Als überzeugter Liberaler ist man dort schon eine wandelnde Provokation. Und in der Forenzensur haben die Spinner oft genug noch Verbündete sitzen.

  2. Die SPIEGEL-Probleme liegen tiefer. Immer weniger Leser sind bereit Kampagnenjournaille zu akzeptieren, geschweige dafür auch noch zu bezahlen. Hinzu kommen viele intellektuelle und handwerkliche Fehler in Spiegel-Inhalten und dessen Relaunch. Qualität zeigt sich im Sein – nicht im Schein und selbstgefälligen Annahmen und Betrachtungen. Der Kunde bezahlt die Rechnungen des publizierenden Organs, das viel schuldig bleibt. vor allem ausgewogener, seriöser Journalismus. Für Spiegel Online bezahle ich nicht . Das Abonnement des SPIEGELS wurde schon lange gekündigt

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