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Vor Treffen der Spiegel-Gesellschafter: Belegschaft hofft auf grünes Licht für neue Wachstumsprojekte

Extrablatt vom Nachrichtenmagazin Nummer eins zur Bundestagswahl: Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer
Extrablatt vom Nachrichtenmagazin Nummer eins zur Bundestagswahl: Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer

Eine elektronische Tageszeitung, Ausbau der englisch-sprachigen Webseite – die Spiegel-Mitarbeiter hoffen seit Längerem, dass Verlagschef Thomas Hass und Chefredakteur Klaus Brinkbäumer neue Wachstumsträger etablieren. Jetzt treffen sich am 1. Dezember die Spiegel-Gesellschafter. Möglich ist, dass die Anteilseigner endlich grünes Licht für ambitionierte Zukunftsprojekte geben. Es wäre überfällig.

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„Wachsen und sparen“ – so lautete die Devise, die der Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass 2015 ausgerufen hatte, als er die „Agenda 2018“ vorstellte. Gespart hat der ehemalige Chef des Vertriebsmarketings jedenfalls inzwischen – an den Personalkosten. Mehr als 110 Mitarbeiter haben freiwillig auf ihren Job gegen Zahlung einer Abfindung verzichtet. Jetzt soll noch 35 Mitarbeitern bis Ende 2017 betriebsbedingt gekündigt werden. Damit wäre das angekündigte Ziel erreicht, knapp 150 Stellen zu streichen.

Aber Wachstum? Bislang ist hier außer großen Versprechen der Führungsspitze wenig passiert. Die Spiegel-Chefredaktion hat zwar Spiegel plus eingeführt, um den Digitalumsatz zu treiben. Doch ein Mitte Februar gestarteter Regionalteil für Nordrhein-Westfalen im gedruckten Spiegel wurde bereits nach drei Monaten wieder kassiert. Es hätte nicht den „redaktionellen und drucktechnischen Aufwand für eine permanente NRW-Ausgabe im Spiegel gerechtfertigt“, hieß es damals. Immerhin wurde am heutigen Montag mit Spiegel Classic ein neues Magazin vorgestellt, das die Generation der Best Ager ansprechen soll und ab März erscheinen wird (siehe unten).

Dass etwas passiert, ist auch höchste Zeit. Jetzt sollen offenbar die großen Wachstumstreiber kommen – darauf zumindest hofft die Belegschaft. Am 1. Dezember treffen sich die Gesellschafter des Spiegel-Verlags, darunter die Mitarbeiter KG, die Erben des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein und das Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr. Möglich ist, dass die Anteilseigner endlich grünes Licht für zumindest ein Großprojekt geben, an dem der Verlag bereits seit Jahren arbeitet: der elektronischen Tageszeitung unter den Namen Daily. Seit 2013 ist Spiegel-Reporter Cordt Schnibben mit der Entwicklung der News-App beschäftigt, dessen Vorläufer den Namen „Der Abend“ trug. Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer nannte es ein „großartiges Produkt“. Doch außer seinen lobenden Worten ist bislang nichts geschehen. Immer wieder verzögerte sich der Start.

Auch ein anderes Wachstumsprojekt der „Agenda 2018“ liegt bislang auf Eis: der Ausbau der englisch-sprachigen Webseite. Gerade nach der Wahl des neuen US-Präsidenten Donald Trump und dem bevorstehenden Austreten Großbritanniens aus der EU ist der Zeitpunkt für das Hamburger Nachrichtenmagazin ideal, sich neben der New York Times und dem britischen Guardian als weitere internationale Stimme vom medialem Rang zu profilieren. Und auch ökonomisch macht das Projekt Sinn. Der Webdienst könnte mit Nachrichten und Analysen in Europa und vor allem jenseits des Atlantiks mehr Leser gewinnen – und damit zugleich gewichtige Anzeigenkunden aus Finanz-, Handels- und Dienstleistungsbranchen.

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Klar ist, der Spiegel-Verlag muss auf neuen Feldern wachsen. Denn das Unternehmen ist wirtschaftlich stark auf den gedruckten Spiegel fixiert. Und hier sind die Aussichten des „Blockbusters“ nicht gerade rosig. Seit Jahren sinkt die Auflage des Magazins – und Zuwächse sind hier nicht zu erwarten. „Selbst wenn wir das Heft weiter verbessern, wird es uns kaum gelingen, den Trend umzukehren und die Auflage zu erhöhen“, mahnt bereits eine Gruppe von Spiegel-Mitarbeitern 2015 im Innovationsreport, einer Art Bestandsaufnahme für die Geschäftsführung.

Nötig sind daher neue Produkte, die den jährlichen Umsatzverlust des Heftes kompensieren sollen. Doch das ist nicht leicht. Der Verlag, heißt es im Innovationsreport (übrigens seit einigen Tagen im Spiegel-eigenen Intranet abzurufen), müsste daher jedes Jahr fünf neue Produkte mit einem Jahresumsatz von 1 Millionen Euro auf den Markt bringen – ein schier unmögliches Unterfangen. Dennoch: sollten Hass und Brinkbäumer nicht schnell erfolgreiche Wachstumsprojekte präsentieren, schlägt der Spiegel-Verlag ökonomisch nur eine Richtung ein: steil bergab.

Die Erwartungen der Spiegel-Mitarbeiter an das Gesellschaftertreffen in wenigen Tagen sind daher hoch. Sie hätten mit dem Stellenabbau jedenfalls ihren Anteil an der Restrukturierung beigetragen, heißt es in der Belegschaft. Jetzt müsste die Geschäftsführung liefern und den Mitarbeitern endlich den Weg der Spiegel-Gruppe in eine wirtschaftlich rosigere Zukunft weisen. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte es für die Führungsspitze dauerhaft eng werden.

Ein erster Lichtschimmer am Spiegel-Himmel ist inzwischen aufgetaucht. Verlagschef Hass will im März nächsten Jahres ein Best-Ager-Magazin an die Kioske bringen. Doch der Titel muss sich nicht nur am hart umkämpften Markt zunächst behaupten. Der Spiegel-Geschäftsführer dürfte mit der Zeitschrift nicht so viel erlösen, dass er damit auf Dauer den Umsatzrückgang des Hauptprodukts ausgleicht. Hass muss schon deutlich mehr publizistische Beiboote dieser Art zu Wasser lassen, wenn die Spiegel-Gruppe nachhaltig wachsen soll.

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Alle Kommentare

  1. Vielleicht sollte der Spiegel mal wieder ein objektives und gutes Nachrichtenmagazin anstatt einer Propagandapostille veröffentlichen… Obwohl, verprellte Leser kommen erfahrungsgemäß nicht wieder.

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