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Angela Merkels drittes Solo bei „Anne Will“: Ist sie Teil der Lösung oder Teil des Problems?

Drittes Solo bei Anne: die Kanzlerin und Anne Will
Drittes Solo bei Anne: die Kanzlerin und Anne Will

Angela Merkel hat sich entschieden, kommendes Jahr ein viertes Mal für das Amt der Bundeskanzlerin zu kandidieren. Als Bühne, um ihre Entscheidung zu erläutern, suchte sie sich einmal mehr die ARD-Talkshow von Anne Will aus. Im Anschluss an das Kanzlerin-Interview wurde dann in großer Runde analysiert. Interessanter war aber natürlich der Teil mit Angela Merkel.

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Angela Merkel absolvierte nun schon ihr drittes Solo bei Anne. Zuletzt erklärte sie bei Anne Will zweimal (!) im Abstand von nur vier Monaten ihre Haltung zur Flüchtlings-Problematik. Nun also ihre erneute Kandidatur. Angela Merkel fühlt sich bei Anne Will offensichtlich wohl. Sie kommt gut mit der Art der Fragen zurecht. Anne Will fragt intelligent und kritisch, bleibt aber stets respektvoll. Die Kanzlerin kann sich bei ihr für ihre Verhältnisse locker präsentieren und auch Schwächen und Zweifel eingestehen, ohne Angst haben zu müssen, dafür verbal hart angegangen zu werden.

Das ist natürlich auch schon wieder ein bisschen bedenklich, dass sich die Kanzlerin einfach so das mediale Umfeld aussucht, das ihr am besten passt. Aber so ist das nun mal. Man kann von ihr auch schlecht verlangen, sich absichtlich in eine Talkshow zu begeben, von der sie weiß, dass sie dabei nicht gut aussehen wird. Und von Anne Will kann man auch nicht verlangen, dass sie das Angebot eines Exklusiv-Interviews mit Angela Merkel ablehnt. Das Kanzlerin-Interview ist im Medienbetrieb eine begehrte Ware.

Merkels Defizit

Man muss trotz solcher Bedenken festhalten, dass die Gespräche zwischen Anne Will und Angela Merkel zwar von gegenseitigem Respekt geprägt sind, aber keineswegs zu Kuschel-Veranstaltungen ausarten. Anne Will fragt hart und hakt immer wieder nach. Etwa wenn es darum geht, warum Merkel denkt, sie sei Teil der Lösung und nicht Teil des Problems. Und warum man sie nun zum vierten Mal wählen soll und was sie nun konkret anders machen wolle.

Hier offenbart sich das vielleicht größte Defizit der Angela Merkel. Sie ist keine Frau für große Visionen und keine Frau für konkrete Ankündigungen. Ihre Politik war und ist eine der kleinen Schritte, der Zurückhaltung, der Analyse. Das berühmt-berüchtigte Regieren auf Sicht. Merkel ist so eine Art Anti-Trump, was sie einerseits natürlich sympathisch und qualifiziert macht, in diesen Tagen der Dauer-Empörung andererseits aber auch manchmal der allzu feine Pinsel ist.

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Von Anne Will gefragt, was sie denn nun anders machen will, kommt allerhand Wolkiges und schließlich eine eher technische Aufzählung mehrerer Einzelmaßnahmen, wie etwa eine ominöse Verbesserung der Rentensituation für Menschen, die arbeitslos geworden sind. Als ob da jemand „Hurra!“ rufen würde. „Meine Politik passe ich der Wirklichkeit an“, sagt die Kanzlerin und merkt augenscheinlich nicht, dass solcherlei Stellschraubendrehen nicht die Antwort ist, die sich viele Bürger erhoffen. Anne Will fragte an einer Stelle dann auch fast entgeistert nach, ob sie das denn nun richtig verstanden habe, dass sie gar nichts ändern will und stieß damit auf Unverständnis. Denn die Kanzlerin ist ja sehr wohl der Meinung, dass sie ständig alles Mögliche ändert und anpasst. Es ist eine Art permanentes Missverständnis zwischen der Regierungschefin und den Regierten. Will Merkel noch einmal gewählt werden, muss dieses Problem adressiert werden.

Gerechtigkeitslücke klafft wie eine Wunde

In der anschließenden Analyse des Kanzlerin-Interviews kritisierte der Psychotherapeut und Autor Hans-Joachim Maaz, den Merkel-Satz, dass sie ihre Politik der Wirklichkeit anpasse. Politik könne Wirklichkeit auch gestalten, sagte er und hatte damit nicht unrecht. Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo lobte Merkel zwar für ihre Beständigkeit und Unbestechlichkeit („.. würde nicht einmal eine Packung Tempo-Taschentücher annehmen ohne dafür zu zahlen …“) identifizierte aber völlig korrekt den Vertrauensverlust zu den so genannten Eliten als ein Grundproblem.

Merkel hatte die Eliten-Frage vorher recht beiläufig für nichtig erklärt, indem sie auf ihre eigene Biografie verwies und erklärte, dass sie selbst auch Teil des Volkes sei. Ihre inoffizielle Sprecherin, die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, stieß später ins gleiche Horn. Nach dem Motto: Selbst schuld, wenn du dich nicht einbringst. Jeder kann Elite sein. So einfach ist es aber eben nicht. Di Lorenzo verwies in dem Zusammenhang zum Beispiel auf die Gerechtigkeitslücke, die wie eine offene Wunde klafft, wenn Volkswagen 30.000 Stellen streicht und unter der Diesel-Affäre ächzt, die Bosse aber trotzdem ihre millionenschweren Erfolgs-Boni einkassieren. Der Zeit-Chef merkte auch an, dass nur noch Spezialisten die Unterschiede zwischen SPD und CDU erkennen können. Das sind so Punkte, die in der Merkel’schen Regierungs-Mechanik nicht vorkommen. Da sitzt der blinde Fleck der Kanzlerin.

Im Umgang mit den allenthalben stark gewordenen Populisten sind Forderungen laut geworden, man müsse auch die Stimme der Vernunft, der Freiheit, der europäischen Idee mit Emotionen erheben. Den negativen Vibrations der Trumps und Le Pens positive Gefühle entgegensetzen. Da ist was dran und genau dafür ist Angela Merkel natürlich die Falsche. Sie ist in der öffentlichen Debatte stets emotionslos, nüchtern, rational. Das Problem ist: Es ist auch außer ihr niemand in Sicht, der oder die eine solche positive Vision als Gegenbild zur Populisten-Apokalypse zeichnen könnte. Merkel kann nicht die Herzen der Menschen entzünden. Aber sie kann vielleicht wenigstens die Hirne der Leute noch erreichen. Im September nächstes Jahr sehen wir, ob das reicht.

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Alle Kommentare

    1. Noch ist Deutschland ja auch ein Land der Mehrheitlich weißen Menschen – auch Bevölkerung oder Deutsche genannt.

      Die anderen 1% sind nur in den Medien groß weil sie den Pass haben ansonsten aber unwichtig.

      Für jeden der nicht die deutsche Staatsangehörigkeit hat sind deutsche Bundeskanzler eh nicht zuständig.

  1. Merkel wirkte völlig übermüdet und angeschlagen. Sie sollte sich lieber zur Ruhe setzen.

    Ich wüßte nicht, wen ich wählen würde, wenn ich noch in Deutschland leben würde.
    Die AfD wäre mir zu konservativ, die FREIEN WÄHLER sind wohl weg vom Fenster. SONSTIGES ergibt bei einer 5% Sperrklausel auch keinen Sinn.
    ( Bei uns in den NL gibts ja gar keine Sperrklausel )

    Der nächste Ministerpräsident der Niederlande heißt dann hoffentlich Geert Wilders, er wird Bundeskanzlerin Merkel und den EU Bonzokraten zum Abschied freundlich winken. Wenn dann auch noch ÖST austritt kann D für die Pleitestaaten zahlen bis es selbst pleite ist.

  2. Frau Merkel weist erschreckende Parallelen zu Frau Clinton auf, wenngleich zumindest bis jetzt die entsprechenden Beweise für ihre Fremdsteuerung durch Vertreter der Wallstreet fehlen. Allerdings verwundert es sehr, dass sie in ihrer Flüchtlingspolitik genau der Agenda des von Herrn Soros gesteuerten NGOs folgte und sich nicht mit den Volksvertretern beriet. Dies lässt auf eine absolute Verachtung des Volkes schließen. Dann haben in NRW SPD-Grüne und CDU-FDP beschlossen, aus dem Amtseid die Verpflichtung zum „Wohl des deutschen Volkes“zu streichen. Offensichtlich besteht hier eine ganz große Koalition der „Anständigen“ über deren tatsächlichen Ziele Unklarheit besteht, die aber in ihrer Zielsetzung sehr stark an die von der Wallstreet und den Saudis finanzierte Frau Clinton erinnern, die dazu noch Kriegsdrohungen zumindest indirekt aussprach. Lediglich die AfD und die Linken sind zumindest bisher hier unverdächtig. Deutschland hat also praktisch ebenfalls die Wahl zwischen Trump und Clinton. Im Gegensatz zu den Amerikanern kann man zumindest bis zur Wahl sehen, wie es mit dem „populistischen“ Präsidenten Trump in den USA funktioniert.

  3. Merkels inhaltlich erschreckend schwacher Auftritt und ihre erneut zur Schau getragene Arroganz der Macht wird der AfD weitere Prozentpunkte bringen. Mutti konnte nicht mal auf direkte Nachfrage formulieren, was sie ändern will. So macht man noch mehr Wähler unzufrieden. Aber was solls. Rechnerisch wird die GroKo 2017 bestehen bleiben und macht einfach „weiter so“. Das wiederum verdankt sie der AfD, die durch ihre Stärke Rot-Rot-Grün rechnerisch verhindern wird.
    WV 2021…

  4. Frau Merkel hätte mal erklären sollen wo die christlich/soziale Konstante der CDU/CSU ist, um dieses Land nach ihren Auffassungen für alle Menschen zum Vorteil in die nächsten vier Jahre weiter zu bringen?
    Das kann sie gar nicht. Ihre „Digitalisierung/Industrie 4.0“ – Debatte kommt beim Bürger, vor allem den vielen einfachen Arbeitnehmern, eher als „Agenda2030“ an. Merkels CDU steht parallel für eine Verschiebung der Renten-Anwartschaft – nun wohl bis 70 – doch merkt sie nicht selbst, dass es eigentlich eine freche Renteneinsparung ist? Frau Merkel verschweigt auch, dass sie einen Auftrag hat: Sie muss gemäß den Forderungen des IWF folgen(!!). Somit kann man die nächste Drift zwischen Arm und Reich als neues Leitziel erkennen. Das Versagen Merkels in Sachen Einwanderungsgesetze und Schutz unserer Bürger vor den Folgen der Inklusion rechtfertigt eher einen Rücktritt als eine neue Kandidatur. Sie verkörpert die nächst Stufe der sozialen Wegelagerei und betont ja selbst: Kein Zurück „Vor“ der Globalisierung und jeder könnte „Elite“ sein. Soll wohl heißen, wer sozial Pech hat und auf der Strecke bleibt hat Pech? Mit ihren hinterhältigen Visionen wird sie den Klassenkampf verstärken und eine Polarisierung nach ganz-rechts oder extrem-links provozieren. Sie unterlässt auch eine Klarstellung, dass durch bundespolitische Akteure der Eindruck erweckt wird, es geht stramm in Richtung islamische Gesellschaft. Die nächsten vier Jahre vermuten nichts Gutes. Aber sie hat gelernt – sie wird nicht mehr sagen, dass WIR da unten, den Gürtel noch enger schnallen müssen.

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