Testbericht.de: Auch Portale wie SpOn, Bild.de, FAZ.net & Co. verbreiten Fake-News – und zwar über unseriöse Werbe-Anzeigen

Große Online-Nachrichtenportale wie Stern und Focus haben mit Fake-News zu kämpfen.
Große Online-Nachrichtenportale wie Stern und Focus haben mit Fake-News zu kämpfen.

In einem groß angelegten Test hat testbericht.de 100 Nachrichtenportale und Webseiten mit Nachrichtenbereich daraufhin überprüft, ob sie Werbe-Anzeigen für Fake-Nachrichtenseiten veröffentlichen. Das Ergebnis ist erschreckend: In 72 von 100 Fällen sind entsprechende Anzeigen gefunden worden – etwa auf Spiegel Online, stern.de und faz.net.

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Facebook hat ein Fake-News-Problem. Aber nicht nur: Auch seriöse Online-Nachrichtenportale wie Spiegel Online, stern.de und FAZ.net sorgen für die Verbreitung von Falschmeldungen, und zwar in Form von Werbeanzeigen. In welchem großen Stil diese Masche mittlerweile betrieben wird, hat nun testbericht.de untersucht: Das unabhängige Verbrauchertestportal hat insgesamt 100 Nachrichtenportale oder Webseiten mit Nachrichtenbereich auf Anzeigen für Fake-Nachrichtenseiten überprüft. Dabei waren die Testbedingungen klar definiert: testbericht.de hat die Nachrichtenportale mit der laut Statista größten Netto-Reichweite im Juli 2016 unter die Lupe genommen, dabei sowohl mit dem Desktop-Browser (mit und ohne AdBlocker) und am Smartphone, je Website eine Verweildauer von fünf Minuten angesetzt und ist von Ende Juni bis Mitte November 2016 auf die Suche gegangen.

Die Ergebnisse sind erschreckend.

Bei 72 von 100 überprüften Webseiten hat testbericht.de Anzeigen für Fake-Nachrichtenseiten gefunden. Bei den 15 größten deutschen Nachrichtenseiten (u.a. Bild, SpOn, Zeit – laut Statista, Stand Juli 2016) wurden sogar nur auf einer Seite (N24) keine Anzeigen gefunden, die auf Fake-Nachrichtenseiten führen. Die meisten Anzeigen wurden auf news.de entdeckt, das laut eigenem Pressebereich zum „Unister-Geschäftsbereich Ventures“ gehört. Die zahlreichen Funde hat testbericht.de mit Screenshots von Desktop-Anzeigen und Smartphone-Anzeigen dokumentiert.

Die Anzeigen haben testbericht.de zu einer Reihe von verschiedenen Fake-Nachrichtenseiten geführt – teilweise seien diese schon nicht mehr erreichbar, im Zweifel „durch unsere Anfragen bei den Werbenetzwerken“. Auch hier liefert testbericht.de eine detaillierte Liste der  gesammelten Domains In einigen Fällen seien die die Domains sogar nur über die Anzeige erreichbar und nicht durch direktes Ansteuern der URL.

Nach dem Test habe man jene Unternehmen angesprochen, über deren Server dementsprechende Anzeigen ausgespielt und Nutzer über deren Trackinglinks zu den Fake-Nachrichtenseiten geleitet wurden. Von neun Unternehmen haben zwei offiziell Stellung bezogen. Das Ergebnis ist eher ernüchternd, wie beispielsweise das Statement der plista GmbH zeigt.

Vielen lieben Dank für Ihre Anfrage. Aus datenschutzrechtlichen Gründen können wir keine Informationen zu Firmen und Agenturen sowie zu laufenden Kampagne an Dritte herausgeben. Weitere Informationen dazu finden Sie in unseren AGBs.

Was für ein Problem diese als Nachrichten getarnten Werbeanzeigen für Nachrichtenportale darstellen, offenbaren die Statements der Verlage bzw. Portale, die testbericht.de im Anschluss angefragt hat. Es entsteht der Eindruck: Die Anzeigen werden nicht hinreichend geprüft – oder lassen sich nicht hinreichend prüfen.

So schreibt etwa Johannes Vogel, Geschäftsführer Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH:

Dies ist jedoch ein Katz- und Mausspiel und lässt sich nicht immer zu 100 % vermeiden. So auch in diesem von Ihnen vorgelegten Fall, welchen wir noch versuchen, genau nachzuvollziehen. Jedem Hinweis wird jedoch sofort nachgegangen und entsprechend die Blacklist erweitert.

Beim Spiegel habe man umgehend auf den Hinweis reagiert, wie André Pätzold, Leiter des Vermarkters Spiegel QC, schreibt.

Wir danken Ihnen für den Hinweis auf die entsprechende Anzeige und die dahinterliegende Website. Der Schutz unserer Leserinnen und Leser vor betrügerischen Webseiten ist uns sehr wichtig. Wir gehen daher Hinweisen auf eventuellen Missbrauch stets gemeinsam mit dem ausliefernden Werbenetzwerk nach. Im vorliegenden Fall haben wir die Anzeige mit dem Werbenetzwerk überprüft und sie aufgrund eines Verstoßes gegen formale Kriterien gestoppt.

Trotzdem: Obwohl testbericht.de besagte Anbieter, die Fake-News ausspielen, angesprochen hat – darunter auch Google Ads – habe man nach zwei Wochen immer noch Werbung für Fake-Nachrichtenseiten (etwa bei stern.de) entdeckt. Diese automatisiert eingespielten Anzeigen sind ganz offenkundig hoch problematisch und die Medien haben bislang keinen Weg gefunden, hier effektiv zu kontrollieren, was auf ihren Seiten veröffentlicht wird.

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Alle Kommentare

  1. Also ein Grund mehr für die Nutzung von AdBlockern. Oder aber die genannten Seiten der Qualitätsmedien von vornherein gar nicht erst aufrufen.

    1. Was für ein Unsinn. Gerade über die Werbenetzwerke, welche hinter einigen Adblockern stehen, werden diese Anzeigen billig eingekauft. So ist z.B. Taboola, Outbrain und Co. bei AdBlockPlus whitelisted. Da hilft nur ein kostenpflichtiges Ad-free-abo.

      1. Soso. Und „… ein kostenpflichtiges Ad-free-abo …“ ist Ihrer Meinung nach kein AdBlocker? Wer hätte das gedacht!

  2. Nach meinen Erkenntnissen ist z.B. die Huftingpost der schlimmste Vertreter um mit Fake-News den Leser auf Werbeanzeigen zu locken oder vom Gleis weg zu führen. Interessant aber ist, dass sehr viele Online Medien eine Verlinkung zur Huftingpost unter vermeintlich „Interessante“ Beiträge führen – wenn man aber den Mist anklickt muss man lachen was unten und nebenan steht.
    Die gleiche Mache ist mit der Verlinkung von Artikeln zu „weather.com“. Auch so eine Falle – die nichts mit Wetter zu tun hat.

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