Nach Austritt von Gruner + Jahr & Co.: VDZ drohen finanzielle Einschnitte

VDZ-Chef Stephan Holthoff-Pfoertner
VDZ-Chef Stephan Holthoff-Pfoertner

Der frisch gewählte Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Stephan Holthoff-Pförtner, hat bereits wenigen Wochen nach seinem Amtseintritt ein ernstes Problem. Denn der Lobbyvereinigung drohen durch den Austritt von Gruner + Jahr, Spiegel, Zeit und der Medweth-Gruppe, erhebliche Beitragseinnahmen wegzubrechen. Holthoff-Pförtner muss nun dringend neue Einnahmequellen suchen. Schafft er es nicht, könnte der VDZ am Ende mit dem kapitalstärkeren Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger BDZV fusionieren.

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Es war ein Paukenschlag. Nach den Querelen um die Nominierung des Präsidenten beim Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) haben die vier Verlage Gruner + Jahr, Spiegel, Zeit und die Medweth-Gruppe das Register gezogen. Sie treten Mitte nächsten Jahres aus dem Fachverband Publikumszeitschriften beim VDZ aus.

Damit droht dem Zeitschriftenverband aber ein tiefer finanzieller Einschnitt. Denn nach MEEDIA-Informationen fehlen dem VDZ hierdurch jährlich Beitragseinnahmen von rund 300.000 Euro. Davon entfällt der Löwenanteil auf das Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr. Der VDZ erzielt rund 60 Prozent seiner Einnahmen aus Beiträgen der Verlage seiner Landes- und Fachverbände. Der Rest stammt unter anderem aus Einnahmen für Fachveranstaltungen. Ein VDZ-Sprecher wollte sich hierzu auf MEEDIA-Anfrage nicht äußern.

Für den VDZ ist der drohende Beitragsrückgang empfindlich. Präsident Holthoff-Pförtner muss sich nun nach alternativen Einnahmequellen umschauen, um das Einnahmeloch zu stopfen. Dies ist nicht leicht: Er könnte zwar zusätzliche Angebote – beispielsweise von Fachtagungen – anbieten. Ob er hierfür genügend zahlende Teilnehmer findet, ist fraglich. Bereits jetzt leidet die Branche an einem Überangebot von Veranstaltungen und Fachtagungen.

Eine weitere Option wäre, dass der Verband seine Beitragseinnahmen erhöht. Doch auch dies ist schwierig: Das Branchenfeld ist hart umkämpft, die Verlage sparen an allen Ecken und Kanten. Zudem ist eine Beitragserhöhung den Mitgliedern schwer zu vermitteln. Denn viele der Mitgliedsunternehmen könnten sich dagegen stemmen, weil sie sich für die Auseinandersetzung im Vorfeld der Wahl zum VDZ-Präsidenten nicht verantwortlich fühlen. Gruner + Jahr, Spiegel, Zeit und die Medweth-Gruppe hatten sich daran gestört, dass die Normierung des neuen VDZ-Präsidenten nicht transparent war. Von „Hinterzimmerbünden“ war deshalb die Rede. Holthoff-Pförtner hatte sich gleich nach der Wahl bemüht, auf die Streithähne zuzugehen. Doch vergeblich. Er könnte sie nicht von ihrem Entschluss abhalten.

Nun steht der VDZ-Präsident vor dem finanziellen Dilemma. Schafft er es nicht, den Einnahmerückgang auszugleichen, könnte es am Ende zu einer Fusion mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) kommen, der mit dem Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner an seiner Spitze deutlich kapitalstärker als der VDZ ist. Eine Zusammenlegung beider Verbände birgt zudem Vorteile. Die Organisation und Arbeit eines neuen Superverbandes wäre kostengünstiger und effizienter. Zudem findet eine vereinte Lobbyvereinigung mehr Gehör bei politischen Entscheidungsträgern in Berlin und Brüssel.

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