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„Grundlegende Unterschiede“: Gruner + Jahr, Spiegel, Zeit und Medweth kündigen VDZ-Austritt an

Verlags-Manager Rainer Esser (Zeit, re.), Thomas Hass (Spiegel, mi. re.), Julia Jäkel (G+J) und der neue VDZ-Präsident Stephan Holthoff-Pfoertner
Verlags-Manager Rainer Esser (Zeit, re.), Thomas Hass (Spiegel, mi. re.), Julia Jäkel (G+J) und der neue VDZ-Präsident Stephan Holthoff-Pfoertner

Die Querelen um die Art der Nominierung von Funke-Gesellschafter Stephan Holthoff-Pförtner zum designierten VDZ-Präsidenten und Nachfolger von Hubert Burda haben eine neuen Höhepunkt erreicht. Nach Information von MEEDIA wollen die Verlagshäuser Gruner + Jahr, Zeit, Medweth und der Spiegel zum 1. Juli nächsten Jahres aus dem Fachverband des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) ausscheiden. Damit ist der Streit um die Wahl des neuen VDZ-Präsidenten offen eskaliert.

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Stephan Holthoff-Pförtner erlebt als frisch gewählter Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) seine erste große Niederlage. Nach Information von MEEDIA wollen das Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr, der Spiegel, sowie die Zeit aus dem Fachverband Publikumszeitschriften beim VDZ austreten. Dies erfuhr MEEDIA aus Verbandskreisen. Dabei hatte Holthoff-Pförtner noch versucht, die Wogen bei den verärgerten Medienhäusern zu glätten.

Wie ein Sprecher des VDZ inzwischen auf Meedia-Anfrage bestätigt, wird der Austritt aus dem Fachverband zum 1. Juli nächsten Jahres wirksam. Gruner + Jahr, Spiegel, Zeit und Medweth sind weiterhin über die Landesverbände im VDZ vertreten. Zu den Gründen wollte sich der VDZ-Sprecher nicht äußern. Durch das Ausscheren der Verlage wird sich dem Vermehmen nach die Arbeit im Fachverband deutlich erschweren.

„Die Ereignisse um die Wahl des neuen Präsidenten haben grundlegende Interessens- und Auffassungsunterschiede über Ausrichtung, Ziele und das Miteinander im Verband sichtbar gemacht. Die vier Verlage bedauern, dass dieser Schritt notwendig geworden ist“, begründen Gruner + Jahr, die Media Group Medweth, der Spiegel- und der Zeit-Verlag ihre Entscheidung. Die Verlage wollen nun „ausgewählte Diskursplattformen mit Businesspartnern und Politik schaffen“. Details hierzu sollen nun „ausgearbeitet und zu gegebener Zeit der Öffentlichkeit vorgestellt“ werden, heißt es.

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Die Hamburger Verlagschefs sowie der Verleger der Medweth Mediengruppe hatten vor einigen Wochen in einem Brief an das VDZ-Präsidium und die Delegierten die Umstände des Wechsels an der Verbandsspitze kritisiert und von einer Entscheidung durch „Hinterzimmerbünde“ gesprochen. Ihr Vorstoß, die Abstimmung über einen neuen Präsidenten zu verschieben und zunächst die strategische Zukunftsausrichtung zu diskutieren, hatte allerdings keinen Erfolg. Stephan Holthoff-Pförtner war einstimmig zum Nachfolger von Hubert Burda gewählt worden.

Der Funke-Miteigner Holthoff-Pförtner hatte sich anschließend bemüht, das Gespräch mit den verärgerten Verlagshäusern zu suchen, die aus Protest demonstrativ der VDZ Publishers‘ vergangene Woche ferngeblieben waren. Offenbar vergebens: Der VDZ-Präsident konnte die Mitglieder nicht von ihrem Entschluss abhalten, aus dem Fachverband auszutreten.

Am späten Nachmittag reagierte der VDZ auf die Bad News mit einer nüchternen Stellungnahme: „Der Fachverband bedauert diese Entscheidung, begrüßt aber, dass die Verlage in den Landesverbänden verbleiben.“ Weiter heißt es: „Durch das Fortbestehen ihrer Mitgliedschaft in den Landesverbänden sind die Verlage im VDZ Mitglied und können somit die fachverbandsübergreifenden Themen in der Medienpolitik sowie der Tarif- und Steuerpolitik mitgestalten.“

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Alle Kommentare

  1. Da haben wohl auch einige ihre Felle davon schwimmen sehen und so mancher Verleger sieht sich in seinen Ambitionen übergangen. Stimmt es, dass die Wahl einstimmig war, hat Stephan Holthoff-Pfoertner wohl doch auch einen klaren Auftrag, der demokratisch gefasst wurde. Das sieht dann nicht mehr so gut aus, wenn die angesprochenen Verlage die Tür hinter sich zuknallen. Für Medweth war das ohnehin ein denkbar kurzer Aufenthalt im VDZ.

  2. Wer alles allein bestimmen will, steht am Ende auch so da.

    Dem großen Holthoff-Pförtner-Paten Bimbes-Helmut geht’s ja genau so.

    Eigentlich schade. Aber wenn man nach nachdrücklicher Kritik immer noch mit Gewalt durchzieht, kommt irgendwann die rote Karte.

    Hoffentlich schließen sich nun endlich alle Zeitungs- und Zeitschriftenverlage zusammen, nötig genug ist es.

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