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Kritische Fragen gestrichen: Planet Interview geht aus Protest gegen Bild-Mann Blome offline

Bild-Mann Nikolaus Blome, Protestaktion von planet-interview.de
Bild-Mann Nikolaus Blome, Protestaktion von planet-interview.de

Ein ungewöhnlicher Schritt: Das Interview-Magazin planet-interview.de hat das eigene Angebot für zwei Tage vom Netz genommen, um gegen die Autorisierungs-Praxis des stellvertretenden Bild-Chefredakteurs Nikolaus Blome zu protestieren. Der hatte zahlreiche Fragen aus einem Interview mit planet-interview.de komplett herausgestrichen. Blome verteidigte gegenüber MEEDIA sein Vorgehen: Er habe ausdrücklich nur über sein Buch, nicht aber über seine Tätigkeit bei Bild sprechen wollen.

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So konfrontierte planet-interview.de Nikolaus Blome u.a. mit Schlagzeilen und Berichten der Bild, die nach Meinung des Fragestellers zu wachsenden Ressentiments gegenüber Flüchtlingen beitragen. Blome weist das in dem Gespräch zunächst mit demHinweis von sich, er höre „immer nur den gegenteiligen Vorwurf, nämlich dass die Bild blind, naiv, euphorisch über Flüchtlinge positiv berichtet hätte.“ Auf konkrete Beispiele will er dann aber lieber nicht eingehen.

Im Begleittext schreiben die planet-interview.de-Macher, dass Blome im Gespräch jede der gestellten Fragen beantwortet habe. Eine Antwort habe er „off the record“ gegeben, diese sei nicht in die schriftliche Autorisierung gegeben worden. Konkreter Anlass des Interviews war die Veröffentlichung des Buchs „Links oder rechts“ von Nikolaus Blome und Jakob Augstein. Die nachträgliche Streichung mehrerer Antworten begründete Blome laut planet-interview.de damit, dass er nur ein Interview zu seinem Buch habe geben wollte. Laut der Website hat er 41 Prozent der Antworten komplett gestrichen. In vielen der gestrichenen Fragen ging es um die Berichterstattung der Bild zur Flüchtlingsproblematik.

Planet-interview.de hat schon einmal mit einer ähnlichen Aktion den Missbrauch der Praxis des Autorisierens von Interviews angeprangert. Vor zehn Jahren ließ der damalige Chefredakteur der Bravo, Tom Junkersdorf, über 70 Prozent seiner Antworten streichen. Planet-interview.de veröffentlichte das verstümmelte Interview mit allen Fragen aber ohne die gestrichenen Antworten. Genauso haben es die Interviewer nun auch wieder im Fall des Blome-Interviews gemacht.

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Bekannt geworden ist auch der Fall, als der damalige Nationaltorhüter Oliver Kahn der Zeit die Autorisierung eines Interviews komplett verweigerte. Die Redaktion druckte dann einen langen Fließtext und streute die unbeantworteten Fragen ein.

Planet-Interview.de hat dem eigentlichen Interview noch eine kurze Aussage Nikolaus Blomes während einer Buchvorstellung in einer Buchhandlung vorangestellt. In der Passage äußert sich Blome auf die Frage eines Zuhörers, wie wichtig kritische Fragen für eine Demokratie seien: „Zum Glück ist die Antwort in diesem Land klar: Es ist essentieller Bestandteil. Damit machen wir uns jetzt nicht größer als Journalisten als wir sind, aber es ist schon ein wesentlicher Bestandteil im großen selbstmurmelnden Gespräch dieser Republik miteinander, und der Frage, wohin wir gehen wollen, wo wir sein wollen.“

Gegenüber MEEDIA erklärte Nikolaus Blome zu den Umständen des Interviews: „Es war mehrfach, mündlich wie schriftlich, mit Planet Interview besprochen, dass ich nur ein Interview zu dem Buch mit Jakob Augstein gebe und kein Interview zu Bild. Entsprechend habe ich meine Antworten autorisiert. Ich möchte sicherstellen, meine Rolle als Buchautor von meiner beruflichen Aufgabe bei Bild zu trennen.“

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Alle Kommentare

  1. Hallo, ich muss nun doch noch etwas klarstellen, ohne Groll und so sachlich wie möglich.

    Herr Blome erklärt hier, mit mir „mehrfach mündlich wie schriftlich“ eine Vereinbarung getroffen zu haben, dass wir bei unserem Interview NUR über sein Buch sprechen. Hierzu stelle ich nüchtern fest: Ich habe dafür keinen Beleg. Weder vor noch während des Interviews und weder schriftlich noch mündlich habe ich so einer Vereinbarung zugestimmt. (Der Autorisierungsvereinbarung habe ich zugestimmt.)

    Und sehr vieles spricht eben auch dagegen, dass so eine Vereinbarung getroffen wurde:

    1. Folgt man Herrn Blomes Darstellung, dann hätten sich hier zwei Journalisten über weite Strecken des Interviews über etwas unterhalten, worüber sie sich eigentlich gar nicht unterhalten wollten. Sie hätten die zuvor getroffene Vereinbarung permanent gebrochen. Sorry, aber das macht überhaupt keinen Sinn.

    2. Wenn es eine Vereinbarung gegeben hätte, nicht über BILD zu reden, warum hat Herr Blome dann einige seiner Antworten zu BILD überhaupt freigegeben?

    3. Herr Blome spricht im Buch auch als BILD-Redakteur. Das ist eine Tatsache und sie steht auf Seite 136, Zitat „BILD kann, als Massen- und Leitmedium, in einer speziellen Situation wahrscheinlich einen Bankrun auslösen. Darüber denken Sie besser drei Mal nach.“

    Herr Blome sagt hier: „Ich möchte sicherstellen, meine Rolle als Buchautor von meiner beruflichen Aufgabe bei Bild zu trennen.“ Im Buch ist diese Trennung nicht geschehen und in unserem Interview auch nicht, denn wir haben nun mal auch über Herrn Blomes Aufgabe bei BILD gesprochen. Im BILD-Büro.

    Und es ist ja auch nicht so, dass ich als Journalist jemanden zwingen kann, etwas zu beantworten, wozu er nichts sagen will. Bestes Beispiel Andreas Englisch: Der langjährige BILD-Autor weigerte sich in unserem Interview grundsätzlich, Fragen zur BILD zu beantworten. Das ist sein gutes Recht. Und es ist soo seltsam.

    Mir ist schon klar, dass es Menschen gibt, die über das, womit sie ihr täglich Brot verdienen, nicht in der Öffentlichkeit reden wollen. Drogendealer zum Beispiel, Waffenbauer. Aber Journalisten?

    Und da komme ich nun zu dem, was ich Herrn Winterbauer von meedia auf Anfrage gemailt habe, was aber in dem obigen Text (vermutlich aus Platzgründen) nicht steht:

    Ich hoffe, dass die BILD bzw. ein BILD-Redakteur imstande ist, anders als mit dem Rotstift auf Kritik zu reagieren. Es geht hier ja auch nicht um meine persönliche Kritik, ich habe im Gespräch mit Herrn Blome lediglich formuliert was viele andere Menschen auch schon an der
    BILD-Berichterstattung kritisiert haben. Doch selbst eine ‚Kritik‘ wie die des ehemaligen BILD-Autors Karasek ist offenbar tabu.

    Herr Blome sagt im Interview (freigegeben): „Da wir uns als Journalisten im öffentlichen Raum bewegen, ist es OK, wenn auf uns mindestens auch kritisch geschaut wird, auf das, was wir so tun.“
    Nichts Anderes habe ich getan. Ich vermute auch, dass der BILD ein offener Umgang mit Kritik gut tun würde (nicht nur in journalistischer, auch in wirtschaftlicher Hinsicht). Bislang findet so ein offener Umgang aber nur selten bis gar nicht statt. Oder habe ich etwas übersehen?

    Ich persönlich freue mich über Kritik, her damit!

  2. Wer will schon irgend etwas über Blome oder sein Buch wissen. Ein völlig uninteressanter Mensch.
    Und die Bild-Linie in Sachen Flüchtlinge ist simpel: Friede Springer ist Merkel-Freundin, Döpfner ist Friede-Freund und -Profiteur, Blome einer seiner Lakaien.
    Gähn.

  3. Es ist doch schon lange kein Geheimnis mehr, dass Bild getreu dem Wunsch der Kanzlerin zur Fluechtlingsfrage keine kritischen Berichte mehr verfasst. Die Aussagen dazu: wir wollen keine zusaetzlichen Vorbehalte gegenueber Fluechtlingen schueren. Damit verraet sich aber Bild auch am Willen des Volkes. Das Volk hat den Verrat von Merkel schon lange bemerkt, Bild leider noch nicht.
    Bild wird es merken, wenn Moslime in Deutschland aufgrund ihrer reichen Kindersegens. Durchschnittlich haben Muslime 8 Kinder und die Maedchen fangen mit 14 Jahren im Sinne Allahs zu „produzieren“ die demokratische Mehrheit in Deutschland haben. Dann heisst es: Islamischer Statt Deutschland !

    1. Von welchem Volk sprechen Sie? Von den 12% AfD Wählern? Und die Behauptung BILD würde nur positiv über Flüchtlinge berichten ist echt totaler Blödsinn. Gerade BILD hetzt gegen Minderheiten und Ausländer. Ob Griechen, Flüchtlinge, Migranten, alles russische, Briten, Schiiten, Aleviten, Palästinenser, Korpulente, Beamte, Rentner, Arbeitslose usw. Heilig ist der BILD nur unsere Kanzlerin, Rocker, Wrestler, Rotlicht Luden jeder Art, Freiherr zu Gutenberg, Frau van der Vart, die US-Streitkräfte und ihr eigenes arrogantes Ego.

      1. Wieder so ein Typ, der meint er wäre der Sprecher des „Volkes“, selbsternannter besserer Deutscher und wahrer Patriot, der es nicht mal schafft seine Verschwörungstheorien in seiner eigenen Muttersprache fehlerfrei zu artikulieren? Einer von denen, die nicht bemerken, dass die Populisten der AfD sein Leben nicht verbessern, sondern verschlechtern werden, aber willig einen Sündenbock akzeptiert, auf den er die Verantwortung für seine eigene Miesere abwälzen kann?
        P.S. Wer hindert denn die deutsche Frau daran mehr als 1,4 Kinder (im Durchschnitt) zu bekommen? Sind es die Muslime? Nein, es ist ihre eigene, freie Wahl.

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