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„Tschiller spiegelt die Wut der AfD-Wähler wider“: eine Bilanz der Erfolgsreihe zur 1.000 „Tatort“-Folge

Til Schweiger als „Tatort“-Kommissar Nick Tschiller
Til Schweiger als "Tatort"-Kommissar Nick Tschiller

Der "Tatort" gehört zum deutschen Kulturgut: Am kommenden Sonntag wird die 1000. Folge im Ersten (20.15 Uhr) ausgestrahlt. Der Wiener Sozialphilosoph Alfred Pfabigan nahm das zum Anlass, die Geschichte der berühmten Krimiserie in seinem Buch "Mord zum Sonntag. Tatortphilosophie" Revue passieren zu lassen.

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Dabei sieht er in der Rolle von Til Schweigers Kommissar Nick Tschiller auch die Stimmung vieler Protestwähler abgebildet: „Er spiegelt die Wut wider, die viele Pegida- und AfD-Wähler haben.“ Ein Gespräch über die Unterschiede zu US-Ermittlern und die Rolle der Frauen im „Tatort“.

Sie vergleichen in Ihrem Buch die Super-Ermittler aus amerikanischen Krimiserien wie „CSI“ mit den „Tatort“-Ermittlern. Was sind denn die größten Unterschiede?
In Amerika ermitteln metrosexuelle Charismatiker, die keine festen Anstellungen haben und äußerst kompetitiv sind. Sie vertrauen ganz der Wissenschaft. Dort hat niemand dieses Bauchgefühl, dass etwa Lena Odenthal als Kommissarin in Ludwigshafen immer wieder hat.

In Deutschland ermitteln vielmehr durchschnittliche Beamte?
Ja, mit James Bond haben die deutschen Ermittler nichts gemeinsam. Sie genießen, dass sie Anti-James-Bond sind. Dass etwa der Münsteraner Kommissar Thiel nicht rennen kann, das ist ja auch so ein seltsamer Gag. Wie der arme rundliche Mann immer laufen muss, jungen durchtrainierten Menschen mit Migrationshintergrund hinterher, die ihre Tage im Fitnessstudio verbringen.

Eine Antithese ist aber Til Schweigers Rolle als Hamburger Ermittler Nick Tschiller?
Er ist eigentlich eine Ein-Mann-Bürgerwehr. Schweiger hat nicht diesen anarchischen Gestus, den Götz George als Horst Schimanski gehabt hat, aber er ist schon einer, der die Regeln bricht.

Sind in Tschillers Wut auch neuere politische Strömungen in der Gesellschaft zu finden?
Er verteidigt deutsches Territorium, sei es auch nur das Territorium der Unterwelt. Dieses ausländisch organisierte Verbrechen berührt nicht nur Deutschland, sondern auch seine eigene Familie. Er spiegelt die Wut wider, die viele Pegida- und AfD-Wähler haben. Eine Form der Wut, die man bei AfD und Pegida ohne einen Anlass sieht, legitimiert das „Tatort“-Drehbuch für Schweigers Figur.

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Wie links steht denn der „Tatort“ in seiner Ideologie heute?
Was ist heute links? Das ist die Frage. Der „Tatort“, in seiner Gesamtheit betrachtet, mag die wirtschaftsaktiven Subjekte nicht. Wenn das reicht, um links zu sein, dann ist der „Tatort“ links. Aber wenn links auch heißt: Freiheit der Bürger, eine Kommunikation auf Augenhöhe mit Justiz und Bürokratie, Freiheit in sexuellen Lebensgestaltung, dann ist der Tatort extrem konservativ. Wenn sexuelle Abweichungen sichtbar werden, ist der Mord in der Nähe.

Wie finden Sie, dass Frauen im „Tatort“ dargestellt werden?
Der „Tatort“ ist stolz auf seine Kommissarinnen. Er hat dazu aber keinen Grund, weil er vergleichsweise erst relativ spät weibliche Ermittler eingeführt hat. Ansonsten gibt es kein einheitliches Frauenbild: Es gibt die gesamte Breite weiblicher Schicksalsformen: Von der alleinerziehenden Mutter bis zur unerträglichen, überlasteten Chefin. Was mir allerdings wirklich immer sehr unangenehm war, waren die nackten weiblichen Leichen, die als Dekoration herumlagen.

Was reizt denn seit fast 50 Jahren mehrere Generationen jeden Sonntagabend den Fernseher einzuschalten?
Es ist eine etablierte Marke, der viel verziehen wird, so wie auch Volkswagen, dem deutschen Fußball und der Deutschen Bank. Die Kommissare sind immer irgendwie die Guten und am Morgen spricht dann die ganze Familie über den Fall.

Macht sich der „Tatort“ fit für die Zukunft?
Das Format experimentiert in den letzten drei Jahren ja eigentlich gewaltig. Zwischen den Stilen von Starregisseur Quentin Tarantino, Bruce Willis und französischen Polizeifilmen wird relativ wenig ausgelassen. Aber ob wir noch die 2000. Folge sehen werden, ist in Zeiten des großen Umbruchs im Medienbereich nicht prognostizierbar.

Interview: Sandra Walder

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Alle Kommentare

  1. Au weia!

    Tim Schwätzer mit Götz George zu vergleichen… der würde sich im Grabe umdrehen!

    Was ist heute „links“?
    Eine gute Frage. Links heißt heute „links-reaktionär“, die selben dummen Vorurteile, das selbe dumme Geschwätz von vor 20-30 Jahren… die haben sich nicht weiter entwickelt. „Bitte belästigen sie mich nicht mit der Realität, meine Meinung steht schon fest!“

    Das echte „links“ heißt heute „rechts-populistisch“.

    Darum ist „Tatort“ auch zumeist zum ab-schalten… permanente politische Manipulation, die Umerziehung der Zuschauer zu links-reaktionären islamophilen Gutmenschen… einfach nur zum Kotzen!

    1. k.Einer verdreht sich die Welt, wie sie ihm gefällt … Es ist schon ziemlich schräg, wie Sie hier links und rechts miteinander vertauschen, um dann am Ende doch wieder von „links-reaktionären, islamophilen Gutmenschen“ zu schwafeln. Merken Sie nicht, dass das völlig dämliche Kampfbegriffe sind, die weder der einen, noch der anderen Seite gerecht werden? Sie dienen nur dem einen Ziel: einen Keil durch unsere Gesellschaft zu treiben, der nur noch zu mehr Missverständnissen, Ausgrenzung und Hasstiraden führt.
      Hier nur mal ein Versuch einer sachlichen Einordnung: Viele der Leute hier in BW, die sich für eine vernünftige Integration von Asylanten engagieren, haben einen bürgerlichen Hintergrund, wählen traditionell eher schwarz, stehen dem Islam in seiner radikalen Form absolut ablehnend entgegen (wie wohl die allermeisten von uns) – aber sie stecken die Menschen aufgrund ihrer Herkunft nicht pauschal in eine Schublade. Diese Leute sind das Gegenteil von „links-reaktionär“ und „islamophil“, müssen sich aber von „Schlechtmenschen“ (so definieren Sie sich ja wohl selbst) wie Ihnen auf üble Weise beschimpfen lassen – das ist einfach nur zum kotzen!

      1. Etwas verzweifelte Replik sich die Mehrheit der Bürger zu eigen zu machen.
        Das System hat schon bei Trump und den Amerikanern nicht funktioniert. Politik für Minderheiten ergeben eben keine Mehrheit. Aber man könnte es mit Öttinger mit einer Zwangshomoehe für alle versuchen. Aber auch nur wenn 51 % dieser sexuell Bereicherten dann verzweifelt den Wahltag herbeisehnen um sich vor Merkels Gästen geschützt zu wissen. Die Frage ist nur, wenn man dann wählen will. Aber Merkel schafft es sicher Islamophile und Homophile unter einen Hut zu bringen. Zur Not eben mit der Nazikeule für die Abweichler.

      2. @Pipi: Astrid Lindgren würde sich bei Ihrer dämlich verschwurbelten Replik im Grabe herum drehen.

      3. Islam = rechts/Faschistisch
        islamunterstützer = Rechte/Nazis

        Ist doch ganz einfach!
        Es gibt übrigens auch sehr viele Ausländer, die die Invasion rassistischer, fremdenfeindlicher muslimischer Asylforderer total ablehnen.

        O-Ton: Seit ihr Deutschen den alle blöd, schmeißt das Pack raus. In unserem Land würden wir die alle….

        Wer ein offenes demokratisches multikulturelles Deutschland/Europa will, der muss die Islam-Nazis raus schmeißen.
        Keine Toleranz der Intoleranz.
        Islam ist die gelebte Intoleranz.

        Nicht ich habe eine rechts/links Schwäche, sondern sie. Hören sie doch auf, den Lügen der Systempresse zu glauben, dann fällt es ihnen vielleicht selber auf!

      4. @k.Einer: Das ist mal wieder volle Kanne pauschalisiert und volle Kanne daneben. Islam= eine der Weltreligionen, wie Christentum und Judentum auch. Seine radikalen Strömungen (Isis) sind extrem übel und rückständig, ihn als Ganzes als rechts oder gar faschistisch einzustufen, ist einfach nur dumm und zeugt von totaler Unwissenheit. Das ist eine Unverschämtheit gegenüber den seit drei Generationen hier lebenden und überwiegend friedliebenden Moslems und wird auch dem Großteil der neuen Einwanderer nicht gerecht. Was die anderen betrifft, die sich hier als Gäste grob daneben benehmen und gegenüber unseren Werten und Lebensvorstellungen intollerant sind, brauchen wir uns gar nicht zu streiten – die gehören auch meiner Meinung ausgewiesen, so schnell das in einem Rechtsstaat eben möglich ist. Hier müssen Gesetzgeber, Justiz und Polizei nachbessern und Verfahren beschleunigen, solche Leute hält keine Gesellschaft in größerer Zahl und auf Dauer aus.
        Ich speise meine Meinung übrigens nicht aus irgendeiner Systempresse, sondern aus selbst Erlebtem und aus gesundem Menschenverstand. Ihr Geschrei halte ich für gelebte Intoleranz, Ihre Gleichung „Islamuntertützer (worum es ja gar nicht geht)=Rechte/Nazis“ ist an politischem Schwachsinn kaum zu übertreffen.

      5. Statistik lügt nicht:
        http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Panorama/d/796192/viele-tuerken-wollen-keine-juden-oder-christen-als-nachbarn.html

        Vier von zehn Türken wollen keinen Juden als Nachbarn, jeder Dritte lehnt es ab, neben einem Christen zu wohnen: Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Umfrage, die mit Unterstützung der EU von der jüdischen Gemeinde in der Türkei vorgenommen worden ist.

        Das passt auch sehr gut zu dem ins Bild, was Reisende berichten:
        „Wir Moslems lieben Adolf Hilter, denn der hat die Juden umgebracht!“

        Aber sie dürfen gerne weiterhin „Toleranz“ gegenüber Antisemiten üben… ist ja ein freies Land…

      6. @k.Einer: „Statistik lügt nicht“ – der war gut. Gehören Sie nicht zufällig auch zu denen, die jeglicher Statistik misstrauen, die nicht ins eigene Weltbild passt und auch noch von deutschen Mainstream-Medien veröffentlicht wird?
        Und nun zu den Zahlen: Diese beziehen sich auf Türken in der Türkei, einem Land, das sich zusehends radikalisiert und von einem demokratisch gewählten, aber immer stärker antidemokratisch regierenden Despoten gelenkt wird. Er säht Zwietracht zwischen den Religionen und Bevölkerungsgruppen, wo es nur geht und bringt die Presse mehr und mehr auf seine Linie. Da wundern Sie sich über solchen Zahlen? Da ist es ja fast noch erfreulich, dass im Umkehrschluss immerhin 66 Prozent der Türken kein Problem damit haben, neben Christen zu wohnen. Die würden sogar Sie als Nachbarn aufnehmen und nicht so herumproleten, wie Sie es umgekehrt tun.
        Und nochmals, weil Sie es einfach nicht begreifen: Ich übe KEINE Toleranz gegenüber Antisemiten, weder gegenüber denen mit muslimischem Hintergrund, noch gegenüber denen mit deutscher Herkunft, fehlenden christlichen Werten und neuem, verbrämt-braunem Anstrich.

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