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Kursrutsch nach Eklat bei Constantin Medien: Anleger wenden sich entsetzt ab

Constantin-Vorstandschef Fred Kogel
Constantin-Vorstandschef Fred Kogel

Es ist ein Sieg für Constantin Medien-Chef Fred Kogel. Die Hauptversammlung hat gestern seine Strategie gebilligt, den Konzern lediglich auf den Sport auszurichten. Möglich war dies aber nur, weil seine Kontrahenten bei wichtigen Abstimmungspunkten ausgeschlossen wurden. Jetzt droht der Krieg der verfeindeten Aktionärsgruppen vor den Gerichten und voraussichtlich eine neue Hauptversammlung. Die Anleger sind entsetzt. Die Börsennotierung bricht um mehr als zehn Prozent ein.

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„Filmriss“, „Schlammschlacht“, „Skandal“ – es ist schwer, geeignete Begriffe zu finden, um die Hauptversammlung der Constantin Medien AG zu beschreiben. Zwei Tage lang hatten zwei verfeindete Aktionärsgruppen unerbittlich um die Macht bei dem Münchener Medienhaus gekämpft.

Am Ende siegten der Vorstandschef Fred Kogel und eine Aktionärsgruppe um den Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Hahn. Sie errangen die notwendige Mehrheit bei den Abstimmungen, um den Konzern auf das Sportgeschäft zu konzentrieren und die Constantin Film AG zu verkaufen, die Kinostreifen wie „Der Schuh des Manitu“ oder „Fack ju Göhte“ produzierte. „Die Positionierung als Sport-only-Unternehmen ist nach unserer Einschätzung die langfristig beste und vielversprechendste Strategie für den Constantin Medien-Konzern“, erklärte Kogel.

Durchsetzen konnte sich der frühere Sat.1-Manager aber nur, weil die gegnerische Aktionärsgruppe um den früheren Firmenchef Bernhard Burgener bei entscheidenden Abstimmungen zur künftigen Ausrichtung vom Versammlungsleiter ausgeschlossen wurde – wegen einer falschen Mitteilung bei den Stimmrechten. Burgener, der sich gegen einen Verkauf der Constantin Film stemmt, ist empört. „Die Beschlüsse der HV sind null und nichtig. Niemand hat mir eine plausible rechtliche Begründung für meinen Ausschluss darlegen können – weil es keine gibt“, sagt der frühere Firmenchef. Er will sich dagegen wehren und in den kommenden Tagen eine Anfechtungsklage einreichen.

Ob der Constantin-Chef seine Strategie umsetzen kann, ist offen. „Der Vorstand der Constantin hat während der Hauptversammlung selbst mitgeteilt, dass die Umsetzung der neuen Strategie momentan nicht erfolgen kann, da man sich noch im Streit mit der Highlight in der Schweiz befindet. Solange dieser nicht gelöst ist, kann die Filmsparte nicht veräußert werden. Zudem stehen wohl neue gerichtliche Verfahren bevor, die dies nochmals verzögern könnten“, meint Rechtsanwalt Nikolaus F. X. Lutje, Vertreter der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), gegenüber MEEDIA.

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Damit droht aber jetzt eine weitere Auseinandersetzung vor den Gerichten, die den Konzern lähmen könnte. Möglich ist auch, dass eine neue Hauptversammlung stattfindet. Das zumindest meint Johannes Weber, Vertreter der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK). „Es droht eine neue Hauptversammlung. Da die gestrige wieder von Marionetten von Herrn Dr. Hahn gelenkt wurde“, meint der Kapitalanleger-Vertreter gegenüber MEEDIA. Er hofft, dass die neue Hauptversammlung von einem neutralen Versammlungsleiter geleitet wird und die „filmreife Komödie endlich ein Ende hat“.

Vom Tisch ist auch das von Hahn vorgeschlagene Shoot-Out. Es sah vor, dass sich die beiden verfeindeten Aktionärsgruppen gegenseitig die Aktienpakete abkaufen. Es hätte dafür gesorgt, dass eine Aktionärsgruppe die Mehrheit am Konzern besitzt, um ihre Interessen durchzusetzen. Nun ist bei künftigen Hauptversammlungen eine Anteilgruppe an Bord, die die weitere Arbeit des Firmenchefs behindern und sogar blockieren könnte. So können Anteilseigner, die über eine Schachtelbeteiligung von 25 Prozent verfügen, wichtige Beschlüsse auf kommenden Hauptversammlungen kippen und damit die Arbeit des Vorstandsvorsitzenden empfindlich stören.

Die Aktionäre jedenfalls sind geschockt. Die Börsennotierung bricht um mehr als zehn Prozent ein. Denn ein Ende des Machtkampfes und der Streitigkeiten ist nicht in Sicht.

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