Anzeige

Der Weltuntergang nach Trump, der VDZ Qualitäts-Präsident und die Frisur von Philipp Welte

Frisuren der Macht: P.Welte, K-Kister, S.Holthoff-Pförtner, G.Oettinger
Frisuren der Macht: P.Welte, K-Kister, S.Holthoff-Pförtner, G.Oettinger

Man weiß ja gar nicht, wo man diese Woche hinschauen sollte: nach Berlin, wo der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger schon vorher wusste, dass Stephan Holthoff-Pförtner einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt wird. Oder nach Washington, wo anscheinend keiner wusste, dass Donald Trump zum neuen US-Präsidenten gewählt würde. Außerdem im Wochenrückblick: Philipp Welte hat die Haare schön und Günther Oettinger gratuliert einem gewissen Herbert Burda.

Anzeige
Anzeige

Ganz schön tricky, diese Demokratie. Vor allem, wenn ein Typ mit komischen Haaren und unschönen Manieren gewählt wird. Volks-Herrschaft gut und schön – aber doch bitte nicht so! Jetzt wird The Donald also der nächste Präsident der USA und es sieht ganz danach aus, als ob der prognostizierte Weltuntergang ebenso ausfällt, wie der prognostizierte Sieg von Hillary Clinton. Nicht nur hat DT plötzlich eimerweise Kreide gefressen und lobte seine besiegte Rivalin. Er zeigte sich gegenüber Noch-Präsident Obama auch als devoter Apprentice im Weißen Haus. Um mit den Briten zu sprechen: Keep calm und carry on. Das ist aber natürlich nicht der Medien-Style. Notorisch aufgekratzt wurde nach der Überraschungswahl analysiert bis der Arzt kommt, warum die Medien auf dem Trump’schen Auge blind waren und die Demoskopen doof und Hillarys Sieg sowieso eigentlich im Rückspiegel betrachtet total ausgeschlossen. Ruhig durchatmen! So schlecht, wie sie jetzt selbst tun, waren die Medien auch wieder nicht. Gerade US-Medien haben einen guten Job gemacht, indem sie die Schwächen und Fehltritte des Kandidaten Trump aufgedeckt haben. Und es gab durchaus auch schon vor der Wahl differenzierte und schlaue Analysen, wie diese aus der Zeit, die sich im August sehr kritisch mit der Arroganz der liberalen Eliten auseinandersetzte. Und der pechschwarze Spiegel-Kanalarbeiter Jan Fleischhauer hat die Möglichkeit eines Präsidenten Trump schon im Mai (!) für realistisch gehalten.

Letztlich war es ja auch wieder sehr knapp. US-Statistik-Guru Nate Silver rechnete vor, dass nur zwei Prozentpunkte mehr Stimmen für Hillary die Wahl komplett gedreht hätten. Die Mehrzahl der Stimmen hatte sie landesweit ja ohnehin. Dass Trump gewann, liegt im Mehrheitswahlrecht der USA begründet. Und wie hätten die Kommentare wohl ausgesehen, wenn Hillary Clinton nur diese paar Stimmen mehr gehabt hätte? Wäre das dann zum Sieg des Liberalismus ausgerufen worden, weil die USA nach einem Schwarzen nun erstmals eine Frau ins Präsidentenamt gewählt hätten? Nicht ganz unmöglich.

Sehr verwirrend. Da loben wir uns doch den guten alten Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Jaha, da wurde auch ein Präsident gewählt und im Gegensatz zur US-Wahl gab es keine unliebsamen Überraschungen beim Wahl-Ausgang. Funke-Mann Stephan Holthoff-Pförtner wurde programmgemäß einstimmig zum Nachfolger des – hüstel – Digital-“Visionärs“ Hubert Burda zum VDZ-Präsidenten gewählt. So sehr programmgemäß, dass der VDZ die Pressemeldung zur einstimmigen Wahl Holthoff-Pförtners schon zwei Tage vor der Wahl auf seiner Webseite veröffentlichte. Wahlen im Nordkorea-Style. So sind sie halt, unsere freiheitsliebenden, in die Demokratie vernarrten Verleger. Der frisch gekürte Zeitschriften-Präsident sagte dem Reporter vom Mediendienst turi2 dann ins Mikrofon, dass er für „das Produkt“ steht. Er sei der Meinung, dass „wir journalistisch gut sein müssen“, um eine „freie Gesellschaft“ mitzugestalten undsoweiterundsofort. Nur mal zur Erinnerung: Der Mann ist Mit-Eigentümer der Funke Mediengruppe. Das ist jener Verlag, der just diese Woche in seinem Top-Qualitätsprodukt „Das Goldene Blatt“ eine Mega-Ente über Prinz Harry auf dem Titel brachte. Und der sich gerade vor dem Hamburger Landgericht wegen anderer dubioser „Enthüllungsgeschichten“ über das Fürstenhaus von Monaco zwei Klatschen holte. Sind das diese Medien-„Produkte“, die Holthoff-Pförtner meint, wenn er von „journalistischer Qualität“ redet?

(Anmerkung: Der VDZ hat erklärt, es seien drei verschiedene Versionen der Pressemitteilung zur Wahl des neuen VDZ-Präsidenten vorbereitet worden. Die Pressemitteilung mit der einstimmigen Wahl Holthoff Pförtners seit erst nach der Wahl am 6. November veröffentlicht worden. Durch einen „technischen Fehler“ sei aber versehentlich das Datum der Erstellung der Pressemitteilung veröffentlicht worden.)

Apropos VDZ und Qualität: Die Laudatio auf den scheidenden Präsidenten Hubert Burda, der noch einen Preis mit auf den Weg bekam, hielt unser Lieblings-EU-Kommissario Günther Oettinger. Und selbst so eine Preisrede schaffte der Oetti nicht, ohne einen kräftigen Fettnapftritt bei Twitter:

Dieser Herbert Burda. Ein toller Typ! Wobei man gar nicht so recht weiß, was einen mehr irritiert: Dass Oetti bzw. seine Twitter-Fachkräfte Herbert statt Hubert schreiben, oder die Wurschtigkeit, den blöden Fauxpas frei von der Läber weg einfach tagelang stehen zu lassen, obwohl man darauf hingewiesen wurde. Isch ja bloß des Netz.

Sonder-Info für SZ-Abonnenten: CEO bei Hubert Burda Media ist nicht Philipp Welte, wie SZ-Chefredakteur Kurt Kister glaubt, sondern Paul-Bernhard Kallen. Sie haben das bestimmt mitbekommen, dass der Kister den Welte in seinem E-Mail-Newsletter an SZ-Abonnenten als „Hubsis Gelmann“ und „ADHS-Manager“ und „Burda-CEO“ bezeichnet hat. Tja, was macht man da, wenn man so angegangen wird und souverän wirken will? Man könnte einfach gar nix sagen. Oder man haut ein knalliges Konter-Zitat raus und lässt über die Pressestelle ein neues, offizielles Foto von sich versenden, das bitteschön ab sofort bei jeder Gelegenheit verwendet werden soll und auf dem die Frisur nicht mehr so doll schillert. Nun raten Sie mal, für welche Möglichkeit sich der Herr Welte entschieden hat.

Schönes Wochenende!

PS: Schauen Sie wie ruhig, besonnen und ganz und gar nicht alarmistisch, der Spiegel auf die Trump-Wahl reagiert:

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Zum SPIEGEL Cover: hab Verständnis Stefan, da werden jetzt viele „in die Bewerbungsphase“ eintreten was die Finanzierung von Hipsterbutze, Applemüll und „gutem Rotwein“ schwierig macht.

    Es lebe der Minimalismus !

    Macht ein voll crazy und so aye Feature draus, am besten auf Droge und ner STD – wenn es nach Strich stinkt wird VICE es kaufen. Malte-Ole Maria und Nele Sophia stehen drauf. Sofern sie nicht noch im Safespace flennen und Daumen nuckeln wegen Trump

    Sante!

      1. Spiegel als ich in noch las, vor besagter Unperson Mascolo. Man kann oder besser MUSS als Journalist den Tatsachen ins Auge sehen können und das auch wollen. Und ementsprechend berichten. Aber wozu sage ich das, wenn 75% grünlinke Ideen verfolgen.

        http://www.spiegel.de/politik/deutschland/muenchen-deutsches-arschloch-deutsches-schwein-a-530048.html

        Wer wundert sich denn bitte noch darüber, dass Auflagen schwinden? Ich nicht. Sicher ist es so, dass eben diese 75% nicht in der Lage sind, ihren Irrflug zu erkennen. Das kann man auch nicht umerziehen, das ist eben so. Vielleicht besinnt sich mal ein renomiertes Blatt darauf, Journalisten zusammen zu sammeln, die noch ihr Handwerk verstehen und lassen diese anderen 75% links liegen. Wünschenswert were es. Als ich bei Maischberger diesen Online Chef von Bild hören musste – meine Herren, was für ein Depp – und sowas ist Chef. Kein Wunder…………

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*