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Thriller oder Schmieren-Komödie: Geht heute das Drama um Constantin Medien zu Ende?

Constantin-Vorstandschef Fred Kogel
Constantin-Vorstandschef Fred Kogel

Wie erwartet endete gestern die Hauptversammlung der Constantin Medien AG turbulent. Die beiden verfeindeten Aktionärsgruppen überzogen sich mit gegenseitigen Vorwürfen. Heute nun geht es endlich um die Strategie und damit um die Zukunft des Medienkonzerns. Im Raum steht dabei auch ein Angebot des Aufsichtsratschefs Dieter Hahn, sich gegenseitig die Aktienpakete abzukaufen.

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Bernhard Burgener, ehemaliger Vorstandschef der Constantin Medien AG, lässt sich nicht beirren. Er ist weiterhin überzeugt, dass das Münchener Medienunternehmen auf mehrere Standbeine stehen sollte. Deshalb dürfe die Constantin Film AG partout nicht verkauft werden, die bekannte Filme wie „Das Parfüm“, „Fack ju Göthe“ und „Der Untergang“ produzierte. „Allein nur auf Sportrechte zu setzen, das ist das alte Modell, das war die Kirch‐Gruppe. Das funktioniert heute nicht mehr. Schauen Sie sich die erfolgreichen Player dieser Branche an, die setzen Entertainment‐Angebote in Film, Sport und Musik. Diese Inhalte vermarkten sie dann auf vielen Kanälen“, erklärt der frühere Firmenchef gestern vor Aktionären.

Strategisch würde die Gesellschaft durch einen Verkauf der Constantin Film, die die Kinolegende Bernd Eichinger aufgebaut hat, in schweres Fahrwasser geraten. „Wenn Sie die (Constantin: Anmerkung der Redaktion) Film verkaufen und nur noch auf ein Standbein setzen, das volatile, kostenintensive und risikoreiche Sportrechtegeschäft, dann gefährden sie die Zukunft des Unternehmens. Schauen Sie sich das Beispiel Samsung an, was passieren kann, wenn man in eine Krise gerät. Man legt nie alle Eier in den gleichen Korb“, mahnt Burgener.

Weiterhin unnachgiebig stemmen sich damit der Ex-Constantin-Chef und eine Gruppe von Anteilseignern gegen die Strategie des amtierenden Vorstandschefs Fred Kogel. Der ehemalige ZDF- und Sat.1-Manager, der Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Hahn sowie eine Gruppe von Aktionären wollen die Filmsparte abstoßen, um sich ganz auf das Sport- und Eventgeschäft zu konzentrieren. Gestern warf Hahn, Burgener und seiner Aktiengruppe vor, sich finanziell am Unternehmen zu bereichern – unter anderem durch überzogene Gehälter. Die Redebeiträge arteten zeitweise zu einer Schlammschlacht aus. Beide Gruppen halten jeweils 30 Prozent an der Constantin Medien-Gruppe.

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Um endlich die dauernden Streitigkeiten zu beenden, macht Hahn seinem Kontrahenten ein Angebot. Er schlägt vor, dass sich Burgener und Hahn an einem vorbestimmten Termin bei einem Notar treffen, um „jeweils ein Angebot für das Aktienpaket des anderen“ zu machen. Wer das höchste Gebot abgibt, übernimmt das Paket. Der Käufer verfügt damit über die Mehrheit der Gesellschaft und kann den künftigen Unternehmenskurs bestimmen. Bislang hat Burgener hierauf nicht reagiert. Fraglich ist ohnehin, ob der ehemalige Firmenchef und seine Investorengruppe über genügend Kapital verfügen, um das Paket zu erwerben. An der Börse ist das 30%ige Paket nur 55 Millionen Euro wert. Doch nach einer Due Dilligence dürften die Anteile um ein Vielfaches teurer sein, heißt es. Denn allein Constantin Film, Teil des Constantin Medien-Konzerns, wollen Hahn & Co. für zwischen 160 bis 220 Millionen Euro verscherbeln.

Börsenkenner gehen davon aus, dass ein solcher Aktiendeal kaum im Rahmen der laufenden Hauptversammlung entschieden wird. Ob die anstehende Vorstandsbeschlüsse des Unternehmenslenkers Kogel heute abgenickt werden, die Constantin Film AG zu verkaufen, ist daher mehr als fraglich. Das Krimi um das Film- und Kinoreich aus München geht weiter – Ende offen.

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Alle Kommentare

  1. „Die Redebeiträge“
    Da wäre schön (auch bei Volkswagen) wenn man alles digital per Second-Screen-Tablett konstruktiv und legal mit-diskurieren und an jeden Satz, Aussage, Wort + oder ‚-‚ oder ‚?‘ dranmachen könnte.
    Sowas ist schnell programmiert und ich würde es kostenlos machen und public source stellen. Leider kenne ich kein Land wo man nicht mit hohen Rechtskosten rechnen muss. Vielleicht erlauben ja Investoren aus Dubai oder so die Programmierung…
    Für die kommende Rezession werden viele Kleinanleger – aber auch die Pensions-Fonds mit VW-Aktien – sich diese Software wünschen wollen…

    Wenn die Tesla-Smart-Cars kommen sind Benziner und „Dumb-Cars“ dem Untergang geweiht wie die „Dumb-Phones“ durch die Smart-Phones vernichtet wurden oder die Pferde-Industrie mit hunderttausenden Arbeitern durch die Autos ersetzt wurde…
    Dann werden solche partizipativen wirksammen effizienten nützlichen optimierenden Diskussions-Systeme noch wichtiger als die üblichen Reden wo man viel Zeit belegt damit der Gegner weniger Zeit hat und alle Müde werden und Fehler machen. Bald geht es um Millionen Jobs. Ist wohl nicht so wichtig.
    Auch Reporter könnten damit Fragen stellen.

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