rbb-Intendantin Patricia Schlesinger trennt sich von Programmchefin Claudia Nothelle

RBB-Chefin Patricia Schlesinger sieht sich mit einer Verlegerklage konfrontiert
RBB-Chefin Patricia Schlesinger sieht sich mit einer Verlegerklage konfrontiert

Überraschender Abgang beim Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb): Programmdirektorin Claudia Nothelle verlässt den Sender zum Ende des Jahres – nach offizieller Lesart auf eigenen Wunsch. Nach einem Bericht der Madsack-Mantelredaktion RND stand die 52-Jährige wegen angeblicher Entscheidungs- und Führungsschwäche intern in der Kritik. Wer ihren Posten übernehmen wird, ist derzeit noch unklar.

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„Der rbb ist heute ein sehr gut aufgestellter multimedialer Sender. Dieser lange Prozess war eine große Herausforderung innerhalb der ARD, und ich bin froh, dass ich ihn zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen im rbb erfolgreich voranbringen konnte. Diese wertvollen Erfahrungen kann ich nun an anderer Stelle einbringen“, begründet Nothelle laut einer Pressemitteilung des Senders ihre Entscheidung. „Mit dem neuen Programmschema für das rbb Fernsehen haben wir zudem gerade einen wichtigen Veränderungsprozess auf den Weg gebracht. Ich hatte Intendantin Patricia Schlesinger nach ihrer Wahl über meine Zukunftspläne informiert und ihr zugleich angeboten, die anstehenden Reformen mit auf den Weg zu bringen. Das ist nun erfolgreich geschehen, darüber bin ich froh. Jetzt nutze ich die Möglichkeit, mich neu zu orientieren.“

Mit der wortreichen Begründung und gegenseitigen Respektsbekundungen reagierten Nothelle und rbb offenbar auf einen Artikel der Medienjournalistin Ulrike Simon, die vermeldet hatte, dass der Aufhebungsvertrag bereits vor Wochen unterzeichnet worden sei. Die Programmchefin hatte sich 2015 auf die Nachfolge der damaligen Intendantin Dagmar Reim beworben, war von der Findungskommission aber nicht einmal angehört worden. Statt dessen setzte sich unter den Kandidaten die NDR-Journalistin Patricia Schlesinger durch.

Schlesinger sagte zum Ausscheiden von Nothelle, sie respektiere und bedauere die Entscheidung der Programmdirektorin: „Claudia Nothelle hat als erste für Fernsehen, Radio und Internet insgesamt zuständige Programmdirektorin eines ARD-Hauses mit Vollprogramm nicht nur im rbb, sondern auch im Senderverbund Neuland betreten und seitdem überzeugend gezeigt, wie medienübergreifendes Arbeiten gelingen kann. Gemeinsam mit ihren Redaktionen und Programmbereichen setzte Claudia Nothelle hier Maßstäbe. Sie hat mit Kreativität und Kompetenz großartige öffentlich-rechtliche Angebote für alle Ausspielwege ermöglicht“, sagte Schlesinger. „Wir verdanken ihrer Arbeit zahlreiche inhaltliche und strukturelle Weichenstellungen, die uns künftige Reformen im Programm und im Sender erst ermöglichen.“ Den genauen Zeitpunkt des Abschieds werde der rbb noch bekanntgeben.

Claudia Nothelle wurde in Unna/Westfalen geboren und wuchs in Köln auf. Ihr Studium der Katholischen Theologie und Germanistik schloss sie 1988 ab. 1993 promovierte sie über das Weltbild von Jugendzeitschriften an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Ihr journalistisches Handwerk lernte sie als Stipendiatin des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses in München und bei regionalen Zeitungen in Köln, Dortmund, Frankfurt sowie für das Studio Konstanz des damaligen Südwestfunks und für die Viola Film in Ottobrunn bei München.

Von 1992 bis 2006 arbeitete Claudia Nothelle im Fernsehen des Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) – zunächst bis 1995 im Landesfunkhaus Thüringen, danach in der Redaktion Inland, u. a. beim politischen Magazin „Fakt“. 1998 wechselte sie in die ARD-aktuell-Redaktion in Dresden und Leipzig, war regelmäßig im ARD Studio Neu-Delhi sowie als Reisekorrespondentin in Pakistan und Afghanistan tätig. Zwischen 2003 und 2006 sandte sie der MDR als Korrespondentin ins ARD-Hauptstadtstudio in Berlin, 2006 begann sie ihre Arbeit beim rbb als Chefredakteurin des Fernsehens. Am 1. Mai 2009 übernahm sie die neu strukturierte multimediale Programmdirektion des rbb.

Zu ihrem Verantwortungsbereich gehören seitdem sechs Radioprogramme – Antenne Brandenburg, der erfolgreichste Radiosender in Berlin und Brandenburg, sowie radioBerlin 88,8, Fritz, Inforadio, Radioeins und Kulturradio – das Dritte Fernsehprogramm rbb Fernsehen mit dem eigenen Videotext-Dienst rbbtext und die digitale Informationsmarke rbb24.

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