Anzeige

„Data died tonight“: Wie die US-Wahl zum Fiasko für die Umfrage-Industrie wurde

Endloses Duell: Hillary Clinton und Donald Trump
Endloses Duell: Hillary Clinton und Donald Trump

Donald Trump wird 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Ausgang dieser historischen Wahl überrascht, nicht zuletzt weil so ziemliche alle Umfragen keinen Zweifel daran ließen, dass Hillary Clinton ins weiße Haus einziehen würde. Doch Amerikas Meinungsforscher haben offensichtlich versagt und befeuern nach dem Brexit-Referendum erneut die Debatte über die Glaubwürdigkeit von Umfragen.

Anzeige
Anzeige

„30 Jahre lang habe ich Daten vertraut und sie sind in dieser Nacht gestorben“, twitterte Mike Murphy, Analyst beim Nachrichtensender NBC. Er habe bei dieser Wahl nicht weiter daneben liegen können. Der ehemalige politische Stratege für die Republikaner und Trump-Kritiker hatte – wie viele Beobachter – auf die Umfrageergebnisse vertraut, die durch die Bank weg auf einen – wenn auch knappen – Sieg für Hillary Clinton wetten ließen.

Bis zum Schluss lauteten nahezu alle Umfrageergebnisse ähnlich: Am Montag, also einen Tag vor der Wahl, sahen Umfragen, die von Bloomberg, CBS, ABC, USA Today (mit Suffolk), der Economist (mit YouGov) NBC (mit SM) oder auch der Washington Post, veröffentlicht worden waren, Clinton vor Trump. Eine zuletzt aktuelle Umfrage von Reuters und dem Marktforschungsinstitut Ipsos sah eine 90 prozentige Siegeswahrscheinlichkeit für Clinton, die demnach 303 Wahlmänner hinter sich versammeln sollte. Nur wenige sahen Trump vorne: So beispielsweise eine (Online-)Umfrage der University of Southern California mit der LA Times.

Real Clear Politics (RCL) verarbeitet viele Erhebungen im Vorfeld der US-Wahl und errechnet ihren Durchschnitt. In den vergangenen Wahljahren lagen die Prognosen des RCL dabei stets nah an dem endgültigen Ergebnis der Präsidentschaftswahl. Die erstellte Übersicht macht deutlich, wie daneben die Umfragen in diesem Jahr lagen. Dass das Wahlergebnis so eindeutig ausfallen würde (nach aktuellem Stand erreicht Trump 289 Wahlmänner, Clinton 218), sah niemand voraus.

„Diese Voraussagen sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen“, wetterte Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly in der Wahlnacht. „Die Meinungsforscher können einpacken.“ Auch ihr, den Republikanern nahe stehender Sender sah Clinton vorn. International erkennen Experten ein Versagen der Umfragen, das beispielsweise auch im Liveblog der New York Times diskutiert wurde. „Es scheint mir, als seien die öffentlichen Umfragen erneut – erneut – kollabiert“, hieß es dort unter anderem. Im Livestream von Spiegel Online stellte auch Auslandschef Mathieu von Rohr ein „klares Versagen der Umfragen“ fest.

Anzeige

„Für die Medien und Umfrageinstitute sollte Trumps Überraschungssieg auch bedeuten, mal die eigenen Fehler zu hinterfragen“, kommentierte am Mittwoch Kevin O’Brien, Chefredakteur der Global Edition des Handelsblatt. „Nicht zum ersten Mal lagen die Demoskopen völlig daneben.“ Es geht um die Glaubwürdigkeit der Meinungsforscher.

Dass diese international ein Problem haben, zeigte bereits das Brexit-Referendum im Juni dieses Jahres, als das Meinungsforschungsinstitut YouGov mit seiner letzten Umfrage vor der Abstimmung ordentlich daneben lag. „Schlecht für uns Meinungsforscher und (weniger bedeutend) peinlich für mich“, twitterte damals der ehemalige YouGov-Präsident Peter Kellner. Das Problem der Umfrage damals: Sie fand ausschließlich online statt. Doch auch bei vergangenen US-Wahlen lagen Umfragen bereits daneben. Demoskopen müssen nun auf die Suche gehen und klären, aus welchen Gründen Umfragen wie beispielsweise jene von der Southern California treffender waren als andere.

Wer vor Wahlen nach zuverlässigen Meinungsumfragen sucht, ist schnell verloren. Nach nahezu jedem Auftritt veröffentlichen zahlreiche Anbieter Blitzumfragen und -analysen, deren Methoden nur schwer zu durchschauen sind. Oftmals bleiben Zweifel an der Repräsentativität der Umfragen und oftmals werden Umfrageergebnisse gerne und ohne zu hinterfragen übernommen. Ganz einfach, weil Nutzer politische Umfragen konsumieren wie Wettervorhersagen, wie Guardians Datenjournalistin Mona Chalabi schreibt. So würden falsche Ergebnisse weiterverbreitet, weil sich die Medien der Versuchung hingäben, das menschliche Verhalten vorauszusagen.

Für die Unsicherheit der Umfragen sei in diesem Jahr die Vielzahl bis zum Schluss unentschlossenen Wähler verantwortlich. Vor allem die Unterstützung Trumps in der weißen Arbeiterklasse sei größer gewesen als vorgesehen, erklärt von Rohr in seiner Analyse. Ein weiterer unberechenbarer Faktor ist und wird die Aufrichtigkeit der Befragten bleiben. Zur US-Wahl ist vom so genannten „Shy-Trump-Effekt“ die Rede. Die Befragten verhalten sich demnach nicht aufrichtig und machen falsche Angaben in Umfragen. Hinzu kommt, dass vor allem die vorab unentschlossenen Wähler ihrer Meinung kurz vor dem Gang zur Urne dann doch noch einmal ändern.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Das ist wie die Jobs. Die Firmen stellen absichtlich kaum ein, damit Obama schlecht da steht oder die FED keine Zinsen erhöht weil man dann plötzlich kapitalistische Zinsen zahlen im sozialistischen Nullzins-Paradie zahlen müsste.

    Davon abgesehen haben die Medien versagt und Trump absichtlich schlecht geredet.
    Der eine bei Böhmermann war schlau und meinte ja, das er nix sagt weil Böhmermann nicht dran glaubt und er nicht durch den Kakao gezogen werden will…

    Zillionen kleine Arbeiter-Wähler wurden systematisch von der voreingenommenen bezahlten System-Presse ignoriert und schlecht geredet… Hoffentlich findet Trump einen Weg, diesen Sumpf trocken zu legen und deren Einnahmen zu minimalisieren…
    Harte Arbeit ist echte Abeit. Herumsitzen und nicht schwitzen können auch Computer. Und die 40jährigen kommen an die Macht. Die bringen Remakes wie Karate Kid und Ghostbusters und 80erJahreRevival-Shows von als sie Teenager waren. Aber die haben gelernt und erwarten das Computer vieles MACHEN statt nur Geld zu kosten und die Verwaltungs-Hierarchien krebs-artig (wie bisher oft wohl) wachsen zu lassen. Alle Jobs werden weniger. Dank Tesla aber auch dank Robotern und natürlich schlauerer endlich mal besser funktionierender Software und Kunden die darauf bestehen das die Jobs sinken und Software wirksam funktioniert.

    CNBC berichtete ständig von den PreVote-Gebieten wo man vorher wählen darf. Obama wählte ja auch vor ein paar Wochen schon.
    SEHR SEHR viele hätten davon Gebrauch gemacht. USA sind sehr groß und man kommt selten in die Stadt.
    Von daher müsste mal mal nach-rechnen ob die angeblichen Last-Minute-Wähler vielleicht nur Ausreden sind (so wie Brexit und Trump von Boni-Mismanagern gerne macsiga2
    als lahme Ausreden für eigene versagerische Geschäftszahlen und dicke Staatshilfen genutzt wird) und wie viel der Wahlstimmen am letzten Tag – insbesondere in den Pre-Vote-Gebieten – abgegeben wurden.
    Wegen der angeblichen New Jersey Sandy Spenden bzw. doch-nicht-Spenden hätten last-Minute-Wähler vermutlich eher gegen Trump gestimmt.

  2. Dass Umfragen nicht zutreffen, kann passieren.
    Warum? Dafür gibt es viele mögliche Gründe.
    Im Fall US-Demoskopie könnten auch unlautere/ verfälschende Forschungsmethoden eine Rolle spielen. Ein FLÄCHENDECKENDES Versagen kann man so aber so nicht erklären.

    In sehe nur eine mögliche Erklärung:
    Ein unter Marktforschern bekannter, starker Störfaktor ist das Konstrukt der „Sozialen Erwünschtheit von Antworten“.

    „Soziale Erwünschtheit“ sorgt dafür, dass Befragte so antworten, wie sie selbst es wünschen oder andere es erwarten. Die so gestörten Daten sind einfach unbrauchbar.
    Klassisches Beispiel ist die Frage nach der Koitusfrequenz – die Werte liegen immer zu hoch, KEINE Befragung kann hier tatsächliches Verhalten ermitteln.

    Fast alle Umfragen lagen im Fall Trump daneben.
    Gleichzeitig haben FAST ALLE Medien massiv gegen ihn Position bezogen.

    In einem solchen Meinungsumfeld haben sich wohl die Befragten ALLER Institute (die als Vertreter von Medien und Politik wahrgenommen werden!) dafür entschieden, ihrer Wahrheit (Einstellungen, Meinungen) keinen Ausdruck zu verleihen. Man antwortet dann alles mögliche, aber nicht, dass man evtl. oder sicher für Trump stimmt.

    Folgt man dieser Interpretation, bedeutet sie:
    Trumps Gegner haben durch ihren sozialen Druck die Umfragen beeinflusst und ihm letztlich wohl auch zum Sieg verholfen.

    Es ist in der Verantwortung von Medien und Politik, ein gesellschaftliches Klima herzustellen, in dem auch abweichende Meinungen, und zwar ganz besonders diese, erwünscht sind.
    Wird sie nicht wahrgenommen, dann gute Nacht, Demokratie.

    Man schaue sich Herrn Gabriels heutigen Ton und an und frage sich, was der wohl in D mit Umfragen, mit politischem Diskurs und mit gesellschaftlichem Miteinander anrichtet:
    …Trump geht es…“um ein echtes Rollback in die alten schlechten Zeiten, in denen Frauen an den Herd oder ins Bett gehörten, Schwule in den Knast und Gewerkschaften höchstens an den Katzentisch.“

    Das ist nicht zu unterbieten – und zwar unabhängig davon, ob er recht hat oder nicht.

    1. Gute Ergänzung. Speziell bei Rechten Parteien ist das üblich, deren Wahl nicht zuzugeben weil man Angst vor Repressalien hat.

      ABER es kommt noch dazu, das Hillary angeblich Teile der Sanders-Befürworter wohl teilweise als „Kiffer die bei den Eltern im Keller leben“ verglichen hat.
      Trump hingegen hat wohl schwer gehabt, überhaupt einen Vize-Kandidaten zu finden und Leute fürs Wahl-Team.
      Offen wurde er sogar von vielen Senats-Republikanern abgelehnt. Auch jahrzehntelange Erz-Republikaner haben ihn offen abgelehnt.

      Der Wind und die Stimmung war überall gegen ihn. Um nach der Wahl nicht beschädigt zu wirken, hat halt kaum wer zugegeben, ihn wohl doch zu wählen… Jetzt stehen sie sicher Schlange um die Pöstchen und Pensionen…

      Allerdings war CNBC auch bei normalerweise demokratischen Kohle-Gebieten und da meinten einige soweit ich mich erinnere, das sie alle Trump wählen weil nur Trump und nicht System-Establishment-Hillary (oder ihre System-Presse) sich für ihre Jobs interessieren. „Ich kenne keinen der Hillary wählt“ oder so ähnlich waren ich glaube die Aussagen.

      Solch eine Presse soll uns vor der Zukunft schützen ?
      – Neuer Markt ?
      – Mauerfall ?
      – Trabbi-Aussterben
      – RöhrenTV-Aussterben ?
      – Benziner-Aussterben ?
      – Tankstellen-Sterben?
      – Strom-Abschaltungen weil die E-Autos die Leitungen leer saugen ?
      – Banking-Krise ?
      – Immobilien-Krise ?
      – Subventionierte und steuerlich geförderte Nullzins-Lebensversicherungen aber das Sparbuch welches die kleinen Firmen und Hauskäufe im Umkreis finanziert muss Steuern zahlen ?
      – Link-Verbot ?
      – Genfood-Schwemme dank CETA-TTIP ?
      – AR-15 auf den Straßen dank CETA-TTIP ?
      – Ihr seid nicht arm, ihr glaubt das nur.
      – 1-Euro-Jobs sind gut für alle.
      – Hartz4 wird das Volk retten.
      – Kein bezahlbares Breitband bundesweit… dank rot-grün und schwarz-gelb.
      – Es gibt keinen Klimawandel. EILMELDUNG: Tausende zugelaufener Keller und Überschwemmungs-Gebiete dank STARKREGENFÄLLEN. Getreide-Ernte wegen wochenlanger Trockenheit gefährdet. ES gibt keinen Klimawandel sondern blühende Landschaften und wir schwören es bei unseren Doktor-Titeln…
      – … was ich noch vergessen habe…

      Hat uns die Leistungs-Presse davor und was ich sonst noch vergessen habe gewarnt ? Da ist klar das die Funktion als weisses Blutkörperchen versagt und der Organismus zugrunde geht. Viele alte Leute (und kaum jüngere Leute) sterben an LUNGEN-Entzündung.

  3. Artikelzitat:
    »Für die Medien und Umfrageinstitute sollte Trumps Überraschungssieg auch bedeuten, mal die eigenen Fehler zu hinterfragen“, kommentierte am Mittwoch Kevin O’Brien, Chefredakteur der Global Edition des Handelsblatt. „Nicht zum ersten Mal lagen die Demoskopen völlig daneben.“ Es geht um die Glaubwürdigkeit der Meinungsforscher.«

    Es geht auch hier um Klarheit und Wirksamkeit medialer und politischer Organe, die sich weitgehend der Lächerlichkeit preisgeben und wenig Kontakt zur Wirklichkeit ausweisen..

    Große Teile der Zivilgesellschaft sind in der Meinungsbildung weiter.
    » Werte kann nur glaubhaft vertreten, wer sich selbst an
    sie hält und mit den eigenen Abweichungen hart ins
    Gericht geht. … «
    – Heinrich August Winkler, deutscher Autor und Historiker – vielfach ausgezeichnet, geboren 1938; Verfasser: »Geschichte des Westens«,
    4 Bände, C.H. Beck Verlag

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*