Thermomix-Hefte: Vorwerk zwingt Falkemedia zur Umbenennung von MeinThermo

Mixx, Trixx und so weiter: Der Markt wird derzeit mit Thermomix-Heften überschwemmt. Nicht jedes gefällt Markeninhaber Vorwerk
Mixx, Trixx und so weiter: Der Markt wird derzeit mit Thermomix-Heften überschwemmt. Nicht jedes gefällt Markeninhaber Vorwerk

Die Verlagshäuser bringen derzeit Rezepthefte rund um das Volksprodukt Thermomix auf den Markt, wie einst Kopien des Heile-Welt-Heftes Landlust. Dem Hersteller der Küchenmaschine, Vorwerk, kann das eigentlich nur helfen. Allerdings schlossen die Küchenmaschinen-Profis gerade einen Print-Deal mit Gruner + Jahr (essen & trinken mit Thermomix). Also geht das Unternehmen nun gegen Verlage vor, die sich namentlich zu sehr an der Marke bewegen. Falkemedia muss sein Heft MeinThermo deshalb umbenennen.

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Für den kleinen Kieler Verlag war MeinThermo ein riesiger Erfolg: Drei Wochen nach dem Launch mit einer Startauflage von rund 100.000 Heften druckte Falkemedia 30.000 Exemplare nach. Doch schon ab Januar ist es wieder vorbei – zumindest unter dem bisherigen Namen. Vor vier Wochen rief das Unternehmen bei Facebook seine Fans dazu auf, sich einen neuen Titel zu überlegen. „Solange die Bestandteile ‚Thermo‘ und ‚Mix‘ in euren Vorschlägen nicht vorkommen, ist alles in Ordnung“, erklärte Geschäftsführer Kassian Goukassian.

Die nächste Ausgabe soll „MeinZaubertopf“ heißen, wie die Zeit in der vergangenen Woche berichtete. Der Grund: Der Thermomix-Hersteller Vorwerk geht gegen Verlage vor, deren Magazine sich namentlich zu nah an der Marke bewegen.

Der Magazinmarkt rund um das Küchengerät hat sich in den vergangenen Monaten rasant entwickelt. Seit dem Start von MeinThermo kommen fast monatlich neue Magazine hinzu, für das kommende Jahr werden noch zahlreiche weitere erwartet.

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Es geht um das Abschöpfen eines Marktes mit großem Potential. In Branchenkreisen wird mit weltweit rund 400.000 verkauften Thermomix der neuesten Generation gerechnet – pro Jahr. Ein Großteil davon soll in Frankreich und Deutschland abgesetzt werden. Jeder Käufer ist ein potentieller Leser. Das hat auch das Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr erkannt. Als einziger Verlag in Deutschland hat G+J eine exklusive Kooperation und gibt einen entsprechenden Ableger von Essen & Trinken heraus.

trixx-mixx-thermomix

Andere Verlage versuchen es ohne offizielle Zusammenarbeit mit Vorwerk. Die Hefte heißen dann MeinThermo, Mixx, Rezepte mit Herz oder Trixx und erscheinen ebenfalls in sechsstelliger Auflage. Der Name des Vorwerk-Produkts kommt meist im Untertitel vor. Wie es in der Branche heißt, habe noch niemand der Konkurrenten eine Abmahnung kassiert oder sei in sonstiger Weise ermahnt worden. Doch man sei alarmiert.

Wohl zurecht. Wie Hersteller Vorwerk auf Anfrage von MEEDIA bestätigte, achtet man sehr darauf, wer mit dem Markennamen Geschäfte machen will. Wie bereits gegenüber der Zeit betont eine Sprecherin, die exklusive Zusammenarbeit mit Gruner + Jahr und erklärt zwar, dass man sich „grundsätzlich immer“ über Publikationen freue, „die die Begeisterung am Thermomix widerspiegeln“.

Allerdings heißt es auch: „Leider lehnen sich inzwischen aber auch Publikationen, mit denen wir keine Kooperation haben, durch Namensgebung und Gesamteindruck so eng an die Markenzeichen von Vorwerk an, dass der Eindruck entsteht, es läge eine Kooperation mit Thermomix vor.“ Man wolle den Eindruck vermeiden, dass bei MeinThermo veröffentlichte Rezepte von Vorwerk stammen könnten. „Wir haben das Thema adressiert und uns mit Falkemedia verständigt.“ Auch der Verlag bestätigt die von Vorwerk geltend gemachten „Ansprüche wegen möglicher Markenrechts-Verletzungen“ und betont die „Ewartungshaltung, dass sämtliche Medienhäuser in allen wesentlichen Aspekten von Vorwerk gleich behandelt werden“. Darauf wolle man „besonders achten“.

Für das Vorgehen Vorwerks könnte auch starkes eigenes Interesse bedeutsam sein. Neben der Partnerschaft mit G+J gibt Vorwerk auch ein komplett eigenes Heft heraus. Das Thermomix-Magazin, das vor geraumer Zeit noch Finesse hieß. Endverbraucher, die sich einen Thermomix zulegen, bekommen gleich drei Ausgaben des Unternehmensheftes dazu.

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Alle Kommentare

  1. Mein Rezeptbuch
    Meine besten Rezepte
    Meine Rezeptwelt
    Meine Welt der Rezepte
    Mein Buch der Rezepte
    Mein Cook-Buch

  2. Ich finde es sehr gut, dass Sie an die Öffentlichkeit gingen! Ihr hervorragendes Heft ist eine ordentliche Konkurrenz zum Vorwerkblättchen!
    Ich besitze den TM 5 seit Oktober 2014 und hatte/ habe immer wieder Probleme, Geräte- und Materialfehler im Gegensatz zu TM 31, der mich 10 Jahre lang täglich erfreute und der in einer anderen Familie immer noch einwandfrei läuft. Wenn der TM 5 funktioniert, dann ist er sicherlich ein hervorragendes Gerät! Der Schrift- und Telefonverkehr von Vorwerk könnte Aussage relevanter und kundenfreundlicher sein! Bisher hatte ich Gewährleistung und es wurde viel ausgetauscht und repariert! Ab jetzt zahle ich für Geräte- und Materialfehler! Im Netz findet man TM 5 Besitzer mit ähnlichen Erfahrungen. Vielleicht könnte Ihre Redaktion den Sachverhalt „Probleme mit dem TM 5 und der Fa Vorwerk“ im Auge behalten!? Vielleicht könnte man in Ihren künftigen neuen Heften mal darüber schreiben?
    Auf jeden Fall freue ich mich, dass es das Heft weiterhin geben wird, egal wie es dann heißt! Alles Gute weiterhin!
    Marie-Luise Döller

  3. Bei Aldi und Lidl und ich glaube auch bei Thomas Philips habe ich in den letzten Wochen „Küchenmaschinen mit Kochfunktion“ stehen sehen.
    Von daher ist die Fokussierung auf den vermutlichen Marktführer gar nicht mal mehr so wichtig.
    Was kostet ein Thermomix. Das wäre im Zusammenhang mit den Stückzahlen nette Info gewesen.
    Weil Journalismus doch langsam dazulernt, was seine Fehler sind ist das auch ein Beispiel: Die Meldung enthält nur die Stückzahlen weil sie für 800-Wort-Artikel (siehe Jarvis Interview letzte Woche) ist. Wir kleinen Leser müssen also ständig alles selber ausrechnen oder gar in der Apple-Quartals-Bilanz selber nach-schauen.
    FALSCH. Aufgabe der Presse wäre also jetzt gewesen – die für Print platzbeschränkte (800 Worte 800 Worte 800 Worte) – Meldung vollständig zu machen. So wie man bei Essen nachwürzt oder überhaupt erst würzt falls die Grundlage (Kartoffeln, Nudeln,…) keine Gewürze enthält…
    D.h. also: Preis dazuschreiben und bei Amazon und Ebay überprüfen, Jahres-Umsatz (=Stückzahlen*Preis) dazuschreiben. Und auf Dauer bei den Agenturen „nerven“, die Platzbegrenzten Meldungen um Vollständige Meldungen für Online zu ergänzen wo alles ausgerechnet und in Relation in Prozenten und Absolut zum Vorjahr und Vor-Quartal und Vorherschau aufs nächste Quartal anhand des Vorjahres und Absolut und Relativ und in Euro und Yen und Dollar und Rubeln usw. (wie ich es schon seit einem Jahr fordere). Viele Kekse im Supermarkt gibts inzwischen auch als „Vollkorn“ oder Toast auch Normal(schnee-weiss) und „Vollkorn“.
    Letztes Jahr wurde ich ignoriert. Jetzt fordern es die Professoren selber…

    @Ana: Leckeres Essen dank programmierter Kochmaschinen finde ich nicht soo schlecht. Bei mir sieht es nie so aus wie auf den Fotos der Verpackung. Dann kann es wenigstens lecker schmecken.
    Mein 40-Euro-Induktions-Herd hat auch Temperatur-Angaben was oft recht nützlich ist um z.b. 100 Grad einzustellen statt mit den Watt-Zahlen herumzuspielen. Leider sind die Anleitungen oft „mittlere Hitze“ usw. Schade das Produkt-Wiki aus
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Wikipedia-Gruender-Zehn-Dinge-die-frei-sein-muessen-120873.html
    dank Abmahnungen und Software-Patenten und Des-Interesse software-freundlicher Volks-Regierungen immer noch nicht realisiert werden kann. Dann würde es zu jedem Lebensmittel auch „längere“ Anleitungen geben z.b. mit Temperaturen oder Gar-Zeiten für verschiedene Microwellen-Stärken (600,800,1000 Watt) und weiteren Hinweisen. Hinten ist halt kaum Platz für sowas.

    Man hat keine Lust ständig am Kochtopf herumzustehen und wenn man sich umdreht ist das Zeug angebrannt… Da machen diese Display-Kühlschränke mit „TV“(Prime, Netflix, Telenovelas, Daily Soaps,…) schon Sinn um das Volk in der Küche zu halten.
    Thanksgiving muss man ja für alle Verwandten kochen und Weihnachten und Ostern usw…

  4. Zu bedauern sind jene, die für solche Thermokäseblätter arbeiten müssen, weil sie keine berufliche Alternative haben.

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