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Hubert Burda zur VDZ-Wahl: „Was nützt uns ein Präsident, der plötzlich die Fronten wechselt?“

Scheidender VDZ-Präsident Hubert Burda (re.), Nachfolger Stephan Holthoff-Pförtner: Quo vadis, VDZ?
Scheidender VDZ-Präsident Hubert Burda (re.), Nachfolger Stephan Holthoff-Pförtner: Quo vadis, VDZ?

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) startet mit einem neuen Präsidenten in den Publishers' Summit in Berlin. Doch Stephan Holthoff-Pförtner hält sich einen Tag nach seiner Wahl vorerst im Hintergrund und schlug vor seinem ersten programmatischen Auftritt morgen moderate Töne an. Noch gehört die Bühne Hubert Burda, der die Wahl des umstrittenen Nachfolgers verteidigte und begründete.

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Der Sonntag war für Deutschlands Zeitschriftenverleger ein „historischer Tag“. Das musste Hubert Burda am Montag noch einmal betonen. Nach 20 Jahren hat er sein Amt als Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger niedergelegt und an seinen Nachfolger, den Funke-Gesellschafter Stephan Holthoff-Pförtner, übergeben. Beim derzeit in Berlin stattfindenden Publishers Summit hat Burda, den die Delegierten zum Ehrenpräsident ernannt haben, aber noch das erste Rederecht. Wie in den vergangenen Jahren auch hält der 76-Jährige am ersten Tag der VDZ-Veranstaltung die Präsidenten-Keynote, sein Nachfolger hält sich – wie man es bislang von ihm kennt – im Hintergrund.

Und weil dieses Wochenende, diese Wahl so historisch war, nutzte Burda die Gelegenheit, um vor den im Berliner Congress Center versammelten Verlegern die vergangenen 20 Jahre Revue passieren zu lassen. Kritik gab es dabei vor allem für die Politik. Ein Wink mit dem Zaunpfahl an Innenminister Wolfgang Schäuble, EU-Kommissar Günther Oettinger sowie FDP-Chef Christian Lindner, die als Gastredner auf der Veranstaltungsagenda vermerkt sind. Burda, der die Bedrohungen aber auch Chancen der Digitalisierung früh erkannt hatte, warf vor allem den Europapolitikern vor, dieses so wichtige Thema zu lange nicht ernsthaft genug behandelt zu haben.

Burda nutzte seine Ansprache aber auch, um auf seine Nachfolge einzugehen. So betonte er stolz – wie bereits sein Vorredner, VDZ-Geschäftsführer Stephan Scherzer, es getan hatte – die einstimmige Wahl Holthoff-Pförtners als neuen Verbands-Präsidenten und erklärte, welch wichtige Bedeutung die Funke Mediengruppe im Zeitschriften-Business mittlerweile einnehme. Mit dem Kauf der Springer-Zeitschriften im Jahr 2013 habe sich das Essener Verlagshaus eine Macht geschaffen, die bei der Wahl eines Präsidentschaftskandidaten durchaus eine wichtige Rolle gespielt habe, so Burda.

Er erklärte auch die Notwendigkeit, dass der Verband von einem Anteilseigner und nicht von einem angestellten Manager geführt werden müsse. Denn nur durch jemanden, der seinem Unternehmen wirklich verbunden ist, könne der VDZ langfristig geführt werden. „Was nützt uns ein Präsident, der plötzlich die Fronten wechselt?“. Damit reagierte Burda auf die vorab publik gewordene Kritik, die von den Verlagschefs der Häuser Zeit, Spiegel und Gruner + Jahr verbandsintern geübt worden war. Deren Vorstoß, die Abstimmung über einen neuen Präsidenten zu verschieben und zunächst die strategische Zukunftsausrichtung des VDZ zu diskutieren, blieb erfolglos, woraufhin sie dem Summit fern blieben. Burdas Statement war ein kluger Schachzug: Der Altmeister stellte damit zugleich klar, dass ein angestellter Manager, ja selbst ein CEO, für das VDZ-Spitzenamt nicht die notwendige Qualifikation mitbringt – eine den Apologeten monarchistischer Strukturen übrigens nicht ganz unähnliche Denkweise.

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Diese aufgerissene Lücke wieder zu schließen, ist nun die Aufgabe des neuen Verbandspräsidenten Holthoff-Pförtner, der sich am Vormittag in einer Pressekonferenz äußerte. Auch er betonte das einstimmige Ergebnis für ihn und erinnerte, dass es bei der Kritik hauptsächlich um das Procedere und nicht um seine Person als solche gegangen sei. Er zeigte sich optimistisch, dass man mit den Kritikern zusammenfinden werde, sobald es wieder um Inhalte geht. Bei der Formulierung lieferte der neue Präsident zugleich ein Spitze „Ich rufe Julia Jäkel und Rainer Esser an – und wenn ich einen Termin erhalte, komme ich jederzeit überall hin“, so Holthoff-Pförtner – eine Anspielung darauf, dass die beiden angeblich wie vom VDZ kolportiert der wichtigen Verleger-Veranstaltung wegen Terminproblemen fernbleiben (was die Genannten übrigens bestreiten). Dabei denkt der Jurist offensichtlich langfristig. Denn er machte auch deutlich, auch bei der nächsten Wahl Mitte 2018 (dann wäre Hubert Burdas Amtszeit offiziell ausgelaufen) antreten zu wollen. Bis dahin habe er die Gelegenheit, für sich zu werben.

Dabei geht es für Holthoff-Pförtner wohl auch darum, sich als Publizist und unternehmerischer Denker zu profilieren. Operativ trat der Funke-Anteilseigner, dessen Minderheitsbeteiligung auf die Adoption durch Funke-Erbin Gisela Holthoff zurückzuführen ist, bislang nämlich nicht einschlägig in Erscheinung. So fehle ihm zwar diese Kompetenz, so Burda, allerdings profitiere der Verband dadurch, dass sein Nachfolger die „politische Dimension“ in Brüssel wie auch Berlin beherrsche. Holthoff-Pörtner gilt als Vertrauter von Helmut Kohl und bekleidet in der NRW-CDU als Schatzmeister ein Parteiamt, das er allerdings nicht über 2017 hinaus ausüben will.

Aus beiden Städten sprachen beziehungsweise sprechen beim Publishers Summit ebenfalls Vertreter. Am Vormittag war Bundesfinanzminister Schäuble angereist, um die politische Keynote zu halten. Er würdigte die Arbeit Burdas als VDZ-Präsident, betonte die Arbeit auf vor allem europapolitischer Ebene – man müsse ein „neues Verständnis von Wettbewerb in der globalisierten Welt entwickeln“ – und übte auch Medienkritik. So kritisierte Schäuble unter anderem einen „medialen Hochfrequenzhandel“, der das Verlangen nach Krisen maximiere, genauso wie die Neigung, in einer immer komplexer werdenden Welt, um jeden Preis herunterbrechen zu wollen. So sei es die Aufgabe von Journalisten, zu beobachten, Informationen zusammenzufassen, sie einzuordnen und zu bewerten. Allerdings machte der Finanzminister seinen Unmut darüber deutlich, die „Komplexitätsreduktion bis ins Unermessliche zu treiben“. 

Für den Nachmittag wird eine weitere Rede von Noch-EU-Digitalkommissar Guenther Oettinger erwartet, genauso wie eine Keynote des Vorsitzenden der Freien Demokraten, Christian Lindner.

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Alle Kommentare

  1. Vorbild und Trauzeuge Helmut Kohl hat sich auch gerne noch mal höhnisch geäußert, wenn er jemanden besiegt wähnte. Hat ja auch lange funktioniert, mit Bimbes und Druck von oben knapp mehr die Hälfte zusammenzuhalten und sich auf dem Thron festzusitzen.

    Nur bringt man so die Menschen nicht zusammen und die Sache nicht voran. Wem’s egal ist, der kann das so lange machen, bis irgendwann der Deckel vom Topf fliegt.

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