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„Goldene Victoria“: VDZ ehrt EU-Parlamentspräsident Martin Schulz und Journalist Can Dündar

Can Dündar, Ex-Chefredakteur der türkischen Tageszeitung Cumhuriyet, lebt in Deutschland im Exil
Can Dündar, Ex-Chefredakteur der türkischen Tageszeitung Cumhuriyet, lebt in Deutschland im Exil

Mit einer "Goldenen Victoria" hat der VDZ am Montagabend bei der Publishers' Night den SPD-Politiker Martin Schulz als "Europäer des Jahres" ausgezeichnet. Den Preis überreichte Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko an den Präsidenten des Europäischen Parlaments. In seiner Dankesrede kritisierte Schulz den türkischen Staatschef Erdogan und forderte ihn auf, die Verfolgung Oppositioneller zu beenden.

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Schulz appellierte an Erdogan zudem, das Verhältnis zum Westen nicht weiter zu belasten. „Kehren Sie um, rufe ich den Herrschenden in Ankara zu, und greifen Sie die ausgestreckte Hand Europas zum Dialog über die Stärkung unserer Demokratien“, sagte Schulz, ohne den türkischen Präsidenten persönlich zu nennen. Die Verleihung des Preises als „Europäer des Jahres“ hatte der Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger mit dem Engagement von Schulz für die Pressefreiheit begründet.

Schulz: „Wer die Axt an die Pressefreiheit legt, tötet die Demokratie“

Der SPD-Politiker betonte, Europa wolle gute Beziehungen zur Türkei und erkenne die „großartige Leistung“ des Landes bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise an. „Aber kein Terror und kein Konflikt rechtfertigen die offensichtliche Verfolgung von Kritikern im eigenen Land“, meinte Schulz. „Wer die Axt an die Pressefreiheit legt, der tötet die Demokratie. Und das, was sich derzeit in der Türkei abspielt, ist nicht nur besorgniserregend, sondern es ist völlig inakzeptabel.“ Die freie und unabhängige Presse, so Schulz, sei „das Rückgrat einer Demokratie“.

Auch VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer hob die Verdienste des EU-Präsidenten in der offiziellen Mitteilung zur Verleihung hervor: „Mit dem Brexit haben sich die wachsenden Widerstände der EU-Gegner manifestiert. Schulz setzt alles daran, mit den ihm gebotenen Instrumenten von der Notwendigkeit einer starken und breit verankerten Europäischen Union zu überzeugen.“ Der VDZ hatte in der Vergangenheit weitere prominente Politiker mit der „Goldenen Victoria“ geehrt, u.a. Roman Herzog, Shimon Peres, Hans-Dietrich Genscher, Henry Kissinger, Helmut Kohl sowie Joachim Gauck.

Neben Schulz wurde bei der Publishers‘ Night auch der frühere Chefredakteur der regierungskritischen türkischen Zeitung Cumhuriyet, Can Dündar, mit einem Preis geehrt. Dündar war in der Türkei zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt und lebt inzwischen in Deutschland. Dündar wurde nun genau für jene Berichterstattung über türkische Waffenlieferungen an syrische Extremisten ausgezeichnet, wegen der er in seiner Heimat wegen Geheimnisverrats schuldig befunden worden war. Die Strafanzeige hatte Recep Tayyip Erdogan persönlich erstattet. 92 Tage hatte Dündar in Untersuchungshaft gesessen. Nach dem Urteil (fünf Jahre und zehn Monate Gefängnis) hatte er sich nach Deutschland abgesetzt. Der Journalist war am Montag bereits von Bundespräsident Gauck in seinem Amtssitz Schloss Bellevue empfangen worden.

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Die Laudatio auf seinen Berufskollegen hielt Welt-Chefredakteur Stefan Aust. „So sehr Can Dündar den Preis für sein Eintreten für die Pressefreiheit verliehen bekommt“, so Aust, „so erhält er ihn auch stellvertretend für viele andere verfolgte Journalisten in der Türkei.“ Und der ehemalige Spiegel-Chef betonte auch: „Die Werte, für die Dündar einsteht, sind unsere Werte. Dass sie eingehalten werden, ist heute leider nicht mehr selbstverständlich.“ Der türkische Journalist wurde vom Publikum bei der Preisübergabe mit stehenden Ovationen gefeiert. Am Abend wurden weitere Auszeichnungen verliehen, u.a. an SAP als „Unternehmen des Jahres“ sowie an Hubert Burda (Ehrenpreis, MEEDIA berichtete).

 

(ms)

Mit Material von dpa

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Alle Kommentare

  1. Zoll sagt berechtigt in klaren Worten:
    »Die Preisverleihungen in diesem Land erinnern irgendwie an Hitler Deutschland und seine Ordensverleihungen.«

    Die prägnante Stellungsnahme bringt es auf den Punkt.
    Dazu zwei Kriterien:
    1.
    Zitat, »Schulz:
    „Wer die Axt an die Pressefreiheit legt, tötet die Demokratie“«

    Eine Heuchelei par excellence, aktuell siehe, Zeit Online:

    » Trotz der besorgniserregenden Entwicklungen in der Türkei will die EU an den Beitrittsverhandlungen festhalten. Ein Grund dafür dürfte der Flüchtlingsdeal sein.«
    goo.gl/lrqp47

    Die Schattenseiten Can Dündars sind auch zu thematisieren:
    Der innenpolitsche Konflikt der Türkei verlagert sich zusehend nach Deutschland, wird hier verfehlt ausgetragen.

    Politik und Medien lernen nicht aus Fehlern, höhlen das Demokratie- und
    Rechtsstaatsprinzip selbstgefällig aus, anstatt ausgewogen entsprechend allgemeinverbindlichen Formen und Normen zu informieren, siehe auch hier:

    Die Parlamentarische Versammlung des Europarates
    (Vertreter von 47 nationalen Parlamenten – Initiator der „Europäischen Menschenrechtskonvention“} sagt, FAZ, 29.01.2016:

    » Die Wahrheit und sonst nichts –
    Die Parlamentarische Versammlung des Europarats liest der deutschen Politik und den Medien die Leviten. Ihre Entschließung heißt:

    „Der Schutz von Frauen und die ehrliche Darstellung unbequemer Wahrheiten“. Das lässt aufhorchen. –

    ….Die Medien seien gehalten, die Fakten objektiv darzustellen und nicht aus etwaiger Rücksichtnahme auf politische Korrektheit
    die Wahrheit zu verschweigen. Alles andere begünstige Verschwörungstheorien und das Misstrauen in Staat und Medien
    und schüre Hass. Zugleich dürften Menschen nicht stigmatisiert werden.«
    http://goo.gl/fgPv8p

  2. Martin Schulz, der blutsauger wurde von den Chef blutsaugern zum besten Europäer 2016 gewählt, dieser Mann wird als vorzeige Europäer lanciert •lach•.
    Klitschko, der sich krumm gelacht hat als Mitglieder des ukrainisches Parlaments sich Gegenseitig schlugen im heiligsten Demokratie Tempel-im Parlament, das Schoßhündchen war auch dabei. Can dündar, der zurecht Wegen Hochverrat in der Türkei von der Staatsanwaltschaft gesucht wird durfte natürlich auch nicht fehlen.
    Alles in allem macht Europa keinen Spaß mehr, denn die Doppelmoral die hier an den Tag gelegt wird Ist nurnoch zum fremdschämen.
    Nächstes Jahr könnt wir ja noch den Fetullah Gülen und Sisi einladen und den besten putschisten demokratisch gewählter Regierungen wählen. Nichts überrascht mich mehr.

    1. Die Preisverleihungen in diesem Land erinnern irgendwie an Hitler Deutschland und seine Ordensverleihungen.

  3. Besser als DDR Satire ? Preis an Martin Schulz als „Europäer des Jahres“ ? überreicht von Konrad-Adenauer-Stiftung`s Puppe Vitali Klitschko 😀 Und das ist kein Jux ! ? Wir leben in einer kranken Welt, keine Figur ist zu peinlich .. aber irgendwie passt es zu dieser EU

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