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Donald Trump brandmarkt Google, Facebook und Twitter als „unehrliche Medien-Unternehmen“

Exzessiver Twitter-Nutzer: US-Präsident Donald Trump
Exzessiver Twitter-Nutzer: US-Präsident Donald Trump

Die Medienschelte gehört zum festen Repertoire von Donald Trump. Am Wochenende holte der republikanische Präsidentschaftsbewerber zum erneuten Verbalschlag auf Twitter gegen "unehrliche Medien-Unternehmen" aus, weil sie die FBI-Untersuchung gegen Hillary Clinton angeblich schnell wieder unter den Teppich kehren würde. Interessantes Detail: Trump adressierte seinen Vorwurf nicht an die traditionellen Medien, sondern gegen die Internet-Giganten Google und Facebook und gegen den 140-Zeichen-Dienst, auf dem Trump selbst aktiv ist.

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Donald Trump und die Medien – das ist die eigentliche Geschichte des historisch-verrückten US-Wahlkampfs Anno 2016.

Ohne die allgegenwärtige Präsenz in den US-Medien, die dem umstrittenen republikanischen Präsidentschaftsbewerber kostenlose Werbung in eigener Sache im Gegenwert von drei Milliarden Dollar beschert haben soll, würde Donald Trump die Endphase des Wahlkampfes heute auf dem Sofa eines seiner unzähligen Penthäuser verfolgen – als Zuschauer.

Trump gegen die Medien: Erst gegen die New York Times, dann gegen Saturday Night Live

Und doch sind die vermeintlich parteiischen US-Medien für Trump ein beständiger Prügelknabe im Wahlkampf: Die Trump-Rhetorik geht so: Die Medien sind parteiisch und versuchen die Wahl zu manipulieren.

Als Beleg dafür knüpfte sich Trump erst die New York Times vor, die im Oktober über Zudringlichkeiten Trumps gegenüber zwei Frauen berichtet hatte,  dann schoss er sich auf den Comedy-Klassiker Saturday Night Live ein, in dem Trump seit Wochen von Alec Baldwin böse parodiert wird.

Trump über Twitter, Google und Facebook: „Sehr unehrliche Medien!“

Doch dort endet der Rundumschlag natürlich nicht: Acht Tage vor der Wahl knöpft sich Trump auch die neuen Medien vor – in Gestalt der Internet-Giganten und Social Media-Pioniere. Trump twittert: „Wow,  Twitter, Google und Facebook beerdigen die FBI-Untersuchung gegen Clinton.  Sehr  unehrliche Medien!“

Hintergrund: Am vergangenen Freitag wurde bekannt, dass das FBI die Ermittlungen in der sogenannten „Email-Affäre“ wieder aufgenommen habe. Hillary Clinton hatte in ihrer Zeit als Außenministerin zwischen 2009 und 2013 unzählige Emails über einen  privaten Server verschickt – und 33.000 davon gelöscht, weil sie privat gewesen wären.

Donald Trump schlachtet das Politikum als beliebtestes Wahlkampf-Thema gegen Clinton aus und wirft nun Twitter, Google und Facebook vor, die möglicherweise neuen Ermittlungen in der Email-Affäre unter den Teppich kehren zu wollen.

Sind Twitter, Facebook und Google moderne Medien-Unternehmen?

Der Vorwurf dürfte schwer zu belegen sein, zumal die drei US-Internet-Unternehmen Tweets, Posts und Suchergebnisse nach Algorithmen ordnen – die Beiträge müssten also bewusst gefiltert worden sein.

Ganz nebenbei wirft Trump aber noch eine philosophische Frage auf, die seit Jahren diskutiert wird: Sind Twitter, Facebook und Google am Ende des Tages eigentlich als (moderne) Medien-Unternehmen zu verstehen?

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Alle Kommentare

  1. Wenn man beim FBI arbeitet und wohl wochenlang anscheinend dem Chef nix davon sagt, obwohl jeder wissen dürfte, das alle Hillary-Emails von Interesse sind, stellt die gute Presse eigentlich erst mal andere Fragen.

    Die Vorwürfe von Frauen und die Audio-Aufnahme wären auch besser im Vor-Wahlkampf untergebracht gewesen. Solche Publikations-Maßnahmen erodieren auch Demokratien.

    Und der Artikel ist (wie bei Internet-Themen) recht unklar.
    Voreingenommen,… aber dann plötzlich „filter“ ? Von Tweets gibts doch Screenshots.

    „unter den Teppich kehren zu wollen.

    Der Vorwurf dürfte schwer zu belegen sein, zumal die drei US-Internet-Unternehmen Tweets, Posts und Suchergebnisse nach Algorithmen ordnen“

    Das geht ganz einfach:
    Punkt 1) Findet man alle Tweets und Webseiten oder fehlt was ?
    Punkt 2) Sortierung. Da könnte natürlich sein, das es weniger hoch steht als Trump behauptet. Dann wäre aber eher nichts heraus-gefiltert worden sondern die User hätten lieber andere News angeklickt.

    „die Beiträge müssten also bewusst gefiltert worden sein.“
    Also man hat entweder Tweets und Webseiten herausgefiltert ODER sie nach unten sortiert. Ist hier nicht diese 1000-Flies-Analyse einmal pro Monat ? Als Test (Bundestagswahl, Landtagswahl,…) könnte man die doch mal Trumps Aussagen analysieren lassen. Die Zahl der (Mit)Teilungen/Shares bei den relevanten Artikeln und Medien vergleichen und sehen ob z.b. „Katze rettet Hund“ 100 mal geteilt wurde, aber „Hillary neue Emails evtl aufgedeckt“ 10.000 mal geteilt wurde, aber „seltsamerweise“ bei Google News erst auf der dritten Seite weit hinter „Katze rettet Hund“ zu finden ist. Das ist keine exakte Wissenschaft, aber Sensations-Interessierte Personen dürften es wohl recht häufig geteilt haben oder eben nicht, weil es langweilig ist.

    Allerdings spricht er schon seit einem Jahr über Hillary und die Emails und das nervt leider langsam. Da wären andere Argumente auch ganz schön.

    Wikileaks wollte auch einiges veröffentlichen, ich glaube wegen 10tem Geburtstag der Plattform. So richtig viel war es aber wohl leider bisher nicht.
    Will man jemanden regieren haben, der so wie Hillary mit ihren Maßnahmen bzw. denen ihres Wahlteams den Gegenkandidaten Sanders ausgebootet hat ? Solches – leider erfolgreiches und von der Presse vielleicht nicht nennenswert kritisiertes – Verhalten legt man ja nicht plötzlich ab.

    http://www.washingtonpost.com/news/the-fix/wp/2016/10/19/the-final-trump-clinton-debate-transcript-annotated/ Man suche “ raid „.
    SOOO argumentiert man aber auch nicht. Sie schaut zu, wie das Militär eine Aktion durchzieht, während er eine von Millionen geschaute Sendung moderiert.
    Die Frage ist also, ob Hillary wirklich besser ist und wer wirklich mehr fürs Volk tut. Das er seine Immobilien fertig stellt (hint hint an Flughafen Berlin) und fast vollständig erfolgreich ohne Probleme verkauft! sollte ihn sofort hier zum Bau-Minister qualifizieren.
    Hillary weiss ja nicht mal, was sie alles falsch gemacht hat und warum das System immer weiter auf Grund läuft und die Rezession kommt ja erst noch. Genau wie rot-grün, gelb, Schwarz und praktisch alle Establishment-Parteien oder die DDR-Chefs wohl bis kurz vor dem Fall der Mauer. Die Elektro-Smart-Cars kosten hier viele Jobs – was sogar die Auto-Chefs langsam und indirekt teilweise wohl ankündigen – und Erdöl-Staaten gehen vielleicht pleite und mal sehen wer dann dort gewählt wird. Die 5-10 Machtwechsel in Nordafrika und Arabischen Ländern oder Ukraine waren ja schon so erfolgreich…

  2. Laut dem ZDF-heute von gestern Abend um 19.00 Uhr sollen bereits 26.000.000 US-Bürger gewählt haben, davon 2/3 für Clinton gestimmt haben. Die haben demnach alle vor den „neuen“ E-Mail Enthüllungen gewählt.

    Trotzdem sollte Trump gewinnen. Ich möchte zu gerne erleben wie die deutschen Medien „heulen“.

    1. „… Medien heulen sehen“. Derlei Ansagen sind an Naivität ja wohl kaum noch zu überbieten. Ein typischer „Trump“ würde ich sagen

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