Zehn Jahre „Rote Rosen“ im Ersten: Ein TV-Erfolg zwischen Pionierarbeit und Pilgerfahrt

Seit zehn Jahren ist die Telenovela „Rote Rosen“ (ARD) ein TV-Erfolg – der sogar den Tourismus ankurbelt.
Seit zehn Jahren ist die Telenovela "Rote Rosen" (ARD) ein TV-Erfolg - der sogar den Tourismus ankurbelt.

Mehr als 1,6 Millionen Zuschauer schalten die Telenovela "Roten Rosen" auch zehn Jahre nach dem Start im Ersten ein – und viele Fans zieht es sogar an den Schauplatz nach Lüneburg. Die Serie ist zu einem touristischen Aushängeschild für die Hansestadt geworden, von der beide Seiten profitieren.

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Von Peer Körner

Zehn Jahre nach dem Start sind die „Roten Rosen“ aus Lüneburg kaum wegzudenken – und das betrifft nicht nur die Fans der Serie. Die ARD-Telenovela lebt auch von den in der romantischen Altstadt gedrehten Außenaufnahmen, die wiederum viele Anhänger an den Drehort locken. Manch einer kommt selbst aus Süddeutschland. Und auch in Österreich, Italien oder der Schweiz haben die Rosen viele Liebhaber.

Die erste Folge flimmerte am 6. November 2006 über die Schirme, seitdem ist Lüneburg an jedem Wochentag als Kulisse zu sehen. Das habe er damals nicht geahnt, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge. „Mittlerweile sind wir aber schon bei 2300 Folgen angekommen und noch immer lieben die Zuschauer die Serie“, meint das Stadtoberhaupt. „Und auch ich freue mich sehr über die Roten Rosen. Denn eine bessere Werbung können wir uns nicht vorstellen. Seitdem die Serie läuft, hat Lüneburg merklich an Wirtschaftskraft zugenommen“, betont der SPD-Politiker. „Aber wir schätzen die Serie auch, weil die Darsteller und das Team mittlerweile zur Stadt dazugehören, sie ein Teil von ihr geworden sind.“ Produzent Emmo Lempert spricht von einer symbiotischen Beziehung.

Schon einige Monate nach dem Start der Rosen seien die Übernachtungszahlen in der Stadt gestiegen, heißt es im Rathaus. Waren es 2006 noch rund 225 000 im Jahr, wurden 2015 fast 319 000 erfasst. „Von dieser Entwicklung profitieren auch Handel und Gastronomie in Lüneburg“, betont Stadtsprecherin Suzanne Moenck. Die Zahl der Themenführungen zur Serie habe sich von 35 im Jahr 2008 auf 105 verdreifacht. „Ein nicht zu vergessender Wirtschaftsfaktor sind auch die etwa 150 Jobs, die die Serienwerft Hamburg mit Hilfe der Serie für Lüneburg schuf.“ Die Innenaufnahmen entstehen in einer ehemaligen Fabrikhalle am Stadtrand. Von Montag bis Freitag wird dort unter Federführung des NDR eine Folge produziert.

In der Tourist-Info im Rathaus haben die „Rosen“-Devotionalien eine eigene Ecke. Am teuersten ist die Bettwäsche für 34,95 Euro, ein Beutel «Johanna’s Lieblingstee» ist für 60 Cent zu haben. Es gibt nicht nur Einkaufstaschen, Kugelschreiber und Becher, sondern auch das Buch zur Serie. Angeboten werden Handtücher, Kissen, Kochschürzen und ein Damenschal. Nur einen Euro kostet der Aufkleber: «Lüneburg – Die Stadt der Roten Rosen».

Am Rathaus starten auch die Rosen-Führungen. Wer keinen Platz mehr bekommen hat oder ohnehin lieber allein den Spuren seiner Lieblinge folgt, kann für zwei Euro einen Stadtplan erwerben, auf dem 30 Drehorte eingezeichnet sind. Besonders wichtig ist Punkt 20, das Hotel „Bergström“. Als Filmhotel „Drei Könige“ ist es ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt der kunstvoll verflochtenen Handlungsstränge.

Die meist weiblichen Teilnehmer der Touren sprechen über die Protagonisten, als wären es Familienmitglieder. Die Serie rückte als erste Telenovela eine Frau über 40 in den Mittelpunkt. Mit jeder Staffel wechselt die Hauptdarstellerin, und so gibt es immer neue Handlungsstränge voll Liebe und Intrigen, bevor sie ein neues Glück findet. Derzeit ist Cheryl Shepard (50) die Haupt-Rose. Zuvor waren es Anne Moll, Jenny Jürgens, Maike Bollow, Sandra Speichert, Elisabeth Lanz, Saskia Valencia, Mona Klare, Isabel Varell, Sabine Vitua und Annett Kruschke. Doch die erste war Angela Roy.

„Damals gab es nur eine riesige, leere Halle ohne Abtrennungen“, erinnert sich Roy. „In der Mitte stand ein Tapeziertisch mit einem Modell. Ich konnte mir zunächst gar nicht vorstellen, wie das wird“, sagt sie. „Wenn man zum ersten Mal eine erwachsene Frau über 40 in den Mittelpunkt rückt, kann man auch erwachsene Geschichten erzählen, dachte ich mir – das hat mich gereizt.“ An manchen Tagen seien es 17 Stunden Arbeit gewesen. „Am Ende der ersten Woche saß ich weinend in meiner Garderobe und dachte, ich schaffe es nicht. Aber schon am nächsten Tag hatte ich wieder Kraft und habe das tägliche Spielen genossen.“ Zunächst seien nur 100 Folgen geplant gewesen.

„Heute werden bei den Rosen viel mehr Stränge erzählt als am Anfang“, sagt Roy, die im November in vier Jubiläumsfolgen zu sehen sein wird. „Heute ist die Produktion ein gut geölter Laden, die Fehler der Anfangszeit sind zehn Jahre später ausgebügelt.“ Der Arbeitsdruck sei aber geblieben, 48 Minuten müssten jeden Tag gedreht werden. „Von Anfang an wurde auch auf der technischen Seite auf höchstes Niveau gesetzt – das muss sich vor vielen Fernsehspielen nicht verstecken.“

„Es war für mich eine sehr intensive, einmalige Erfahrung“, sagt Roy heute. „Ich würde heute keine Telenovela mehr drehen.“ Selbst die Jubiläumsfolgen habe sie erst nicht drehen und lieber als Ur-Rose in guter Erinnerung bleiben wollen. „Noch heute kommen fremde Menschen auf mich zu und flippen schier aus vor Freude – selbst in Italien. Dass sich die Menschen nach zehn Jahren noch an mich erinnern, finde ich so beeindruckend wie rätselhaft.“

Werktags schalten nach wie vor noch mehr als 1,6 Millionen Zuschauer ein, wenn die „Rosen“ laufen. „Die Staffeln 14 und 15 sind bereits in der Entwicklung“, heißt es beim NDR. Oberbürgermeister Mädge: „Wir hoffen auf noch viele weitere Jahre mit den Roten Rosen.“

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