Anzeige

Überall Hass: Warum manche Journalisten und Richter in Sachen Hate-Speech nicht als Vorbilder taugen

Alan Posener, Thomas Fischer, Dunja Hayali, Markus Beckedahl
Alan Posener, Thomas Fischer, Dunja Hayali, Markus Beckedahl

Der Journalist Alan Posener und der Bundesrichter Thomas Fischer gehen unter die Hater. Dunja Hayali bekommt Applaus auf den Medientagen. Axel Springer blamiert sich beim Versuch, „Influencer“ Markus Beckedahl zu umgarnen und die Bild lässt Norbert Körzdörfer mal wieder dichten. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

Anzeige
Anzeige

Diese Woche ging die 30. Ausgabe der Medientage München über die Bühne. Die Kanzlerin war da und Mark Thompson von der New York Times und Jeff Jarvis und die ganze inländische Medienprominenz sowieso. Was den Machern noch fehlt, ist ein Video-Streaming der Vorträge und Panels. Aber dies nur am Rande. Am ersten Tag befand sich ZDF-Frau Dunja Hayali im Dauer-Moderationsstress. Besonderen Beifall fand im Social Web ihre Eröffnungs-Pointe, in der sie das „Lügenpresse“- und Hass-Gerede gewisser Kreise aufs Korn nahm.

Nun ist es einerseits recht einfach, mit solchen Statements Applaus auf einer Veranstaltung wie den Medientagen einzusammeln. Andererseits kann man das Frau Hayali auch mal gönnen, dass applaudiert wird, denn sie wird oft genug angepöbelt. An wem orientieren sich eigentlich Leute, die sich so hässlich ausdrücken, wie es Frau Hayali da skizzierte? Wen haben solche Hass-Redner als Vorbilder? Schaun wir mal: Die Journalistin Carolin Emcke hat den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gewonnen und dafür eine recht beachtete Dankesrede gehalten. Ich kenne Frau Emcke nicht persönlich, finde aber, dass sie ziemlich recht hat mit dem, was sie sagt. Aus der Ferne wirkt sie auf mich allerdings weder besonders originell noch unterhaltsam, eher ein bisschen verbissen und allzu ernsthaft. Aber das ist OK. Ich muss es nicht gut finden, wie sie sich präsentiert. Man muss auch nicht gut finden, dass sie diesen Preis bekommen hat. Aber muss man Frau Emcke, nur weil sie in ihrem Auftreten vielleicht ein bisschen sperrig ist, so bösartig verhöhnen, wie es Bundesrichter Thomas „der Kolumnist“ Fischer diese Woche bei Zeit Online tat? Zitat:

Nehmen wir einen Apfelbutzen: Abgegessen, teilweise bräunlich oxidiert, mit Spuren von Zahnfleischbluten. Charles Bukowski, ein unbekannter Dichter, hätte dazu gesagt: „Dein Schlüpfer, meine Seele: Auf beidem eine Spur von Scheiße.“ Der Preisträgerin würde so etwas nicht über die Lippen gehen. Sie hat persönlich ein Tempotaschentuch beweint. Wir lieben so was. Wir möchten unbedingt ebenfalls den Friedenspreis des deutschen Kuscheltuchhandels. Und spenden ihn dann an ein Waisenkind auf Haiti. Wir melden uns hiermit an auf der Warteliste der zehn verfolgtesten lesbischen Friedenskämpferinnen ohne eigene Meinung.

Ist das noch Meinung oder schon Hate-Speech mit kompliziertem Satzbau? Taugen Richter heutzutage eigentlich noch als Vorbilder? Wo wir gerade dabei sind: Diese Woche spießte ich in einem Text verbale Ausfälligkeiten des Welt-Autoren Alan Posener gegen die Süddeutsche Zeitung und deren Redakteur Johannes Boie auf. Weil Boie sich in einem Stück kritisch mit der Publizistin Liane Bednarz und ihrem Buch „Gefährliche Bürger“ (es geht darin um Verflechtungen der so genannten Neuen Rechten) auseinandersetzte, bezeichnete Posener Boie u.a. als „Pseudo-Investigativjournalisten“, dem er jede Gemeinheit zutraue und schrieb was von „Charakterschweinen“ bei der Süddeutschen Zeitung. Nach der Veröffentlichung in diesem kleinen Medienfuzzi-Dienst ihres Vertrauens, erhob sich sogleich Kritik, der Autor (ich) habe ja gar nicht „recherchiert“, niemanden gefragt usw.. Allerdings hatte ich auch nie behauptet, irgendetwas „recherchiert“ zu haben oder zu wissen, wer in dem Streit zwischen Frau Bednarz und ihrem Co-Autoren recht hat. Ich weiß auch nichts über die Quellen von Herrn Boie und das Zustandekommen seines Textes. Als Leser kann ich nur festhalten, dass Johannes Boie in seinem Text sauber darlegt, wen er alles angefragt hat und wer sich für den Text nicht äußern wollte. Dass Posener und andere meinen, Boie müsste die Quellen für seine Infos offenlegen, ist für einen Journalisten eine seltsame Haltung, um das Mindeste zu sagen. Quellenschutz – schon mal gehört?

Leute wie Alan Posener und Thomas Fischer sind intelligente Menschen, die sich in der Öffentlichkeit äußern. Ist es zu altmodisch gedacht oder zu viel verlangt, wenn man erwartet, dass sich solche Leute auch mal ein bisschen wie Vorbilder benehmen würden und in der öffentlichen Debatte nicht durch Verhöhnungen und Beleidigungen auffallen?

Anzeige

Ich könnte jetzt versuchen, eine bemühte Überleitung von Vorbildern zu dem schrecklichen Modewort „Influencer“ zu konstruieren, aber das wäre viel zu anstrengend. Hoppla, schon passiert! Markus Beckedahl jedenfalls, Macher von Netzpolitik.org, bekam elektrische Post, weil ein namhaftes Medienunternehmen in als „Influencer“ identifiziert hat. Beckedahl machte das fast rührend unbedarfte Massen-Anschreiben auf seiner Facebook-Seite öffentlich und veranstaltete ein lustiges Ratespiel, welches Medienhaus solch ranschmeißerische Methoden wohl nötig hat.

Die Auflösung besorgte der bloggende Berater Thomas Knüwer, der das Anschreiben ebenfalls erhielt: Der Springer-Konzern war es, genauer die Welt. Dort will man offenbar „Influencer“ gewinnen, die ein bisschen für das neue Bezahlmodell Welt+ die Werbetrommel rühren sollen und bedient sich dafür eher schlicht gehaltener Massenmails. Im Falle Beckedahls war man noch nicht einmal in der Lage den Namen des adressierten „Influencers“ korrekt zu schreiben. Für ein Medienhaus wie Springer, das sonst gerne den Eindruck erweckt, zu den digitalen Durchblickern zu gehören, ist das schon recht peinlich. Thomas Knüwer formuliert es natürlich noch etwas drastischer. Hier ein Auszug aus seiner Antwortmail an die bedauernswerte Person, die die „Influencer“-Massenmail im Auftrag der Welt verschickte:

Natürlich weiß ich, dass Sie hier die ärmste Sau sind. Ihre Chefs haben sich diese supidupi Influencer-Aktion ausgedacht ohne überhaupt zu wissen, was Influencer sind und wie man diese anspricht. Insofern: Bitte nehmen Sie diese Mail nicht persönlich, legen Sie diese aber gern Ihrem Vorgesetzten vor.

Manfred Krug ist gestorben! Bei der Bild war das ein Anlass, mal wieder Norbert Körzdörfer, der Mann, der sich früher David Blieswood nannte, zur Feder greifen zu lassen. Für einen Nachruf. Körzdörfer beginnt seinen Text mit folgendem Sprachbild: „Der Krug ist zerbrochen.“ Sie verstehen? Wegen diesem Sprichwort mit dem Krug, der so lange zum Wasser geht, bis er bricht. Und wenn er zerbricht, ist er kaputt. Der Krug. Also quasi tot. Wie der Manfred. Der Krug. Körzdörfer fand diesen sprachlichen Einfall so genial, dass er ihn am Ende gleich nochmal brachte: „Unser Krug ging zum Brunnen, bis er brach.“ Jaja, schon kapiert. Und dann zur Sicherheit noch ein drittes Mal als „PS“: „Sein Lieblings-Theaterstück: ‚Der zerbrochene Krug‘“. David Blieswood muss uns Leser schon für arg doof halten. Aber immerhin hat er niemanden beleidigt.

Freundliches Wochenende

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Wofür ist das Sternchen bei der Kommentarabgabe bei Name und Email?

    Ist es wie bei der Kommunikationswerbungsschaltung „…bis zu Sternchen ist nur Spass?“

  2. @Schwabenpfeil

    > die olle Ost-West-Konfrontation ad acta gelegt wird

    ich spekuliere darauf, daß der, der mich liest, versteht, daß es für mich kein „die“ (sind so und so) gibt wohl aber die lust daran, den anderen bis auf’s blut zu reizen, indem ich seine vereinfachungen tatsächlich nur spiegele.

    im übelsten nazidorf im osten wohnt ein paar, das da jedes jahr ein festival gegen die brut, die ihr dorf geentert hat, veranstaltet. das sind definitiv „meine leute“ und derer gibt es viele im osten. ich selbst habe freunde in dresden, meine (mittlere) tochter da ihren liebsten. auch wenn ich selbst nur einmal jenseits der „zonengrenze“ war, anfang 90 in erfurt – mir liegt halt mehr an luxembourg und frankreich, wenn ich mich schon mal auf den weg mache.

    > Besorgten nicht kommentarlos wüten lassen

    das ist sinn und zweck der übung, „jeden tag einen troll trollen“, wie unlängst auch martin weigert in t3n forderte. bringt nicht so viel aufmerksamkeit wie wenn man es auf twitter oder facebook macht, aber wo das endet, hat ja gerade alvar freud in seinem letzten blogeintrag (ohne zu vestehen, daß er selbst dafür verantwortlich ist) beklagt.

    > Medienforum

    ich oute mich mal als „professional“ – ich erstelle ua. auch seit 20 jahren ein vierwöchentliches TV-programm für eine zeitung am bodensee, auch wenn ich selbst kaum noch TV gucke. das hier sollte wirklich ein ort sein, an dem sich an der sache interessierte austauschen können, aber … weil dieses forum sehr schlecht organisiert ist (es wird zb. nicht geprüft, ob kommentatoren mit verschiedenen namen von der selben IP-adresse aus posten, wie ich am wochenende hier – ich verrate nicht wo – durchexerziert habe) kann hier im grunde jeder tun und lassen, was er will.

    die redaktion liebt zynischerweise (hier ist das wort angebracht) wahrscheinlich die so entstehenden klicks und beachtet nicht, was sie vor einem jahr unter dem titel „Studie: Leserkommentare sind schlecht fürs Image der Medien (Hasskommentare besonders)“ im august selbst zum besten gab (ich setze keinen link, zwei links sind oft der tod eines kommentars, dafür gibt es ja google)

    dort habe ich einiges im rückblick auf die letzten 2 jahrzehnte zusammengefasst, was irgendwie auch nach einem jahr noch nicht so ganz verstanden worden zu sein scheint.

    ich habe btw. (nachdem ich zunächst die redaktion von meedia angeschrieben hatte mit der bitte, den ganzen kommentarbereich lieber komplett abzuklemmen, wenn sie schon nicht moderieren) die gestalter der seite unterdessen kontaktiert, da besteht eine freundschaftliche blogautoren-beziehung seit ein paar jahren, sie auf die bugs aufmerksam gemacht und wie weit man hier gehen kann.

    mal gucken, ob sich da was ändert.

    ansonsten: das hier sollte ein ort für den ernsthaften und themenbezogenen austausch sein. jeder, der sich hier wohlfühlt, sollte für ihn sein schärflein beitragen und … täglich einen troll trollen, bis er platzt.

    1. Comprende, volle Zustimmung. Dem Troll-Trollen schließe ich mich ja seit geraumer Zeit gerne an, wenn auch nicht täglich und mit schwankender Lust. Aber schweigend den dumpfen Ressentiment-Schleudern das Feld zu überlassen, kommt selbstverständlich gar nicht in die Tüte. Dafür sind mir unser Gemeinwohl, unsere Streitkultur und unser Beruftsstand viel zu schade.

  3. Ich warte mal auf den Moment, wo hardy ohne Beleidigungen, Diffamierungen und Beschimpfungen auskommt, mehr steht in seinen posts ja nicht drin, das Verrückte ist, das Thema ist völlig egal, hardy findet die Kurve, um nach rechts zu schwenken und los zu hetzen.
    Ich glaube, selbst bei einem Thema wie „Kaffequalität in Wiener Kaffehäusern“ würde er jeden niedermachen, der braunen Kaffee trinkt und diesen armen Menschen zu Nazi umdeklarieren.
    Ich warte mal weiter, vielleicht kommt doch nochmal irgendwann was aus der Kategorie, sachlich,fachlich.

    1. schreib einfach etwas ohne das übliche gehetze gegen die wirklichkeit, beschränk‘ dich auf sachliches, zeig, daß du von irgendeiner sache ahnung hast … und du wirst einen freundlichen gesprächspartner in mir finden. andere hier, die nicht zwanghaft von morgens bis abends ihr verstörungstechnisches geblubber entsorgen müssen, kennen eine andere seite von mir.

      auf islamophoben, bei KOPP und RTD „gelernten“ stuss, der nur den neid auf „das leben der anderen“ artikuliert oder von offensichtlich 14jährigen geposteten büffelmist reagiere ich allerdings allergisch.

      ganz einfache sache: benimm dich wie ein erwachsener und ich gehe respektvoll mit dir um. das musst du allerdings offensichtlich noch üben.

      > hetzen

      ist nicht mein ding. ich mache mich lustig und male dicke richtungspfeile, wenn der könig pudelnackisch durch die gegend läuft.

  4. @deutschsuckse

    > wenn man jemanden beneidet der noch nicht so verblödet ist

    wir nehmen mal folgendes zur kenntnis: es hat einen braindrain aus dem osten in richtung westen gegeben, die gut gebildeten sind abgewandert, übrig geblieben sind nur die immer noch in fellen gekleideten schulabrecher, die – obwohl es bei ihnen kaum mitbürger mit migrationshintergrund gibt (sieht man mal von der verseuchung des totoitschen blutes durch slawische immigranten ab) – sich in eine hysterie hineingesteigert haben, die man nur durch den vermehrten einsatz von chemtrails behandeln kann, in die jetzt verstärkt intelligenzsteigernde mittel gemicht werden sollen, wie ich von kundiger seite („schall und rauch“, „kopp“ und „rtd“) höre. das dürfte bei ihnen, da die mittel eine gewisse zeit brauchen, bis sie wirken, leider ein bißchen zu spät kommen dürften.

    spaß haben wir übrigens in rauen mengen: auf ihre kosten. so viel debilität kann man ja nicht simulieren, da ist so ein knackiger ossi wie sie, dem das testosteron schon aus allen körperöffnungen tropft, ein wirklich gefundenes fressen, um den „typischen“ ossi in seinem reservat in freier wildbahn beobachten zu dürfen. danke für das anschauungsmaterial.

  5. Das ist ein Hasskommentar: Ich hasse das ganze BRD Gelumpe westlich der Zonengrenze, welches wie Parasiten von der produktiven Arbeit einer Minderheit lebt.

    1. Das ist ein Hasskommentar: Ich hasse das ganze DDR Gelumpe östlich der Zonengrenze, welches wie Parasiten von der produktiven Arbeit der BRDler lebt und den ganzen Tag nur jammert und nölt.

  6. Ich bin für Leute wie BGH-Richter Fischer dankbar, dass sie argumentativ Anstoß nehmen. Die Friedensapostelpolemik einer Emcke ist doch recht billig. Denn: Die größten Kritiker der Elche (Hassredner) sind selber welche. Wer verachtet und beschimpft hier eigentlich wen?

    1. > Die Friedensapostelpolemik einer Emcke ist doch recht billig

      schröcklich, immer diese „gutmenschen“, die einen daran erinnern, daß man sich wie ein assi aufführt, schon klar …

      sie ist nicht „billig“; sie ist so ziemlich das präziseste, was man zum thema seit langer zeit zu hören bekam. klar, daß die getroffenen hunde nun jaulen.

    2. @Maxim K. (unkluges pseudonym) Dass BGH Richter Fischer in der „Zeit“ (noch) ernst genommen wird, dass dort seine vulgären Sotissen durchgehen, ist peinlich genug. Noch peinlicher aber ist, dass dies seine Standeskollegen (öffentlich) kommentarlos durchgehen lassen, ergo: quittieren. Die deutsche Justiz ist in ernster Gefahr.
      @ M.K. 2: sollte ich aus Ihrer Häme herauslesen, dass Sie C.Emcke wegen ihrer offen und geradezu charmant bekundeten Sexuliatät indignieren – sie wäre einfach nur peinlich.

  7. Die „Medientage München“ kann man doch auch nur, wie all die anderen „Medien-Konferenzen“, als inzestuöser Kaffeeklatsch bezeichnen, bei dem immer die selben Gestalten sich gegenseitg zujubeln, sich mit dem selben „pseudo-tiefsinnig-intellektuellen“ Geschwafel das „Ohr abkauen“ und irgendwer bekommt dann auch einen „Preis“ überreicht … und alle klatschen dann artig.

    Und dazu Dunja Hayali, die selbstverliebt „moderiert“ …. ein wahres Horrorerlebnis!

  8. > Ich kenne Frau Emcke nicht persönlich, finde aber, dass
    > sie ziemlich recht hat mit dem, was sie sagt.

    werter stefan winterbauer, falls sie wirklich mal so leichtsinnig sein sollten, hier herein zu lesen: ich lege ihnen das gespräch, das sie auf der blauen couch gab, an’s ohr

    Sind Sie eine besorgte Bürgerin, Carolin Emcke?

    die frau hat den preis wirklich verdient und … naja, ich weiss nicht, wie ich mich fühlen würde, wenn mein professor (habermas) und die ganzen „großkopferten“ der republik unten im publikum sitzen würden.

    ungemütlich?

    aber es kommt ja auch nicht darauf an, wie man in so einer situation wirkt, es kommt auf den inhalt an – und dem, was sie sagt, ist ja in gänze eigentlich nicht sonderlich hinzuzufügen.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*