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„Hinterzimmerbünde“: Protest gegen „intransparente“ Nomininierung von Holthoff-Pförtner als VDZ-Präsident

VDZ-Präsident Hubert Burda will sein Amt abgeben – über die Bestimmung des möglichen Nachfolgers Stephan Holthoff-Pfoertner wird gestritten
VDZ-Präsident Hubert Burda will sein Amt abgeben – über die Bestimmung des möglichen Nachfolgers Stephan Holthoff-Pfoertner wird gestritten

Dunkle Wolken über dem im November steigenden Publishers' Summit: Hinter den Kulissen kracht es gewaltig beim Zeitschriftenverleger-Verband VDZ. Grund ist der kurz vorher bekannt gewordene Rückzug von Präsident Hubert Burda und die offenbar im kleinen Kreis beschlossene Festlegung auf Funke-Manager Stephan Holthoff-Pförtner als Nachfolger. Etliche Verlage fühlen sich übergangen und protestieren.

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Nachdem der Mediendienst Horizont am Montag ein vertrauliches Schreiben an Vorstand und Delegierte publik machte, könnte die Situation vor der Jahresversammlung am 6. November eskalieren. Unterzeichnet ist das zweiseitige Schriftstück, das auch MEEDIA vorliegt, von den Chefs der Hamburger Verlagshäuser Zeit, Gruner + Jahr und Spiegel sowie von Christian Medweth als Verleger der Medweth- Mediengruppe (u.a. Madame, Jolie, Popcorn), die inzwischen von G+J vermarktet wird. Darin heißt es mit Blick auf die Nominierung von Holthoff-Pförtner wörtlich:  „Wir möchten Sie wissen lassen, dass dieser Vorschlag ohne Beteiligung vieler wichtiger Mitgliedsunternehmen des VDZ (…) und in einem für diese Mitglieder höchst intransparenten Procedere entstanden ist. Wir halten das für nicht angemessen für einen modernen Verband im Jahr 2016 und möchten Sie über das bisherige Verfahren informieren.“

Die Verärgerung der Verlagsoberen über das Vorgehen der operativen VDZ-Führung in dieser Angelegenheit ist vor dem Hintergrund der geschilderten Umstände durchaus nachvollziehbar. So heißt es über eine Zusammenkunft vor wenigen Wochen: „Selbst als einer der Unterzeichner dieses Schreibens, Herr Dr. Esser, gegen Ende der letzten PZ-Vorstandsitzung (VDZ-Sektion Publikumszeitschriften, die Red.) am 21. September in München vortrug, er habe gehört, dass Herr Burda sich mit dem Gedanken trage, aufzuhören, wurde der anwesende PZ-Vorstand vom Vorsitzenden Herrn Braun im Unklaren gelassen. Eine intensive Diskussion fand nicht statt, und auch weitere Gesprächsanlässe blieben ungenutzt. Unmittelbar darauf jedoch wurde die Präsidiumssitzung einberufen. Auch von dieser haben wir erst erfahren, nachdem sie stattgefunden hatte.“

Fazit der Verfasser des Beschwerdebriefes: „Eine sehr kleine Gruppe bestimmt, wer den VDZ repräsentiert; ein bedeutender Teil – nicht nur die Unterzeichner dieses Briefes – wird nicht informiert und vor vollendete Tatsachen gestellt: Erinnert Sie das nicht auch an Hinterzimmerbünde, die so vielen Menschen die Freude an politischer Beteiligung genommen haben? Dass das Ganze durch die Gremien dann legitimiert wird, ist übrigens kein Widerspruch. Leider haben einige wenige den Verband und uns alle damit in eine äußerst unangenehme Lage gebracht. Wir halten es zunächst für nötig, diese Situation innerhalb des Verbandes transparent zu machen, um dann gemeinsam überlegen zu können, welche Lösungen sich finden lassen.“

Die Ansage ist damit klar: Die einflussreichen Hamburger Verlagsgrößen sind offenbar nicht bereit, ohne Weiteres zur Tagesordnung überzugehen. Nach Informationen von MEEDIA wurden offenbar weitere im VDZ organisierter Verlage von der vergangenen Woche bekannt gewordenen Personalie überrascht und reagieren dementsprechend verwundert. Es brodelt an der Basis der PZ-Sparte, und so recht kann sich niemand einen Reim darauf machen, warum die Wachablösung nach zwei Jahrzehnten Regentschaft von Hubert Burda so gehetzt über die Bühne gehen soll. Eine Antwort darauf könnten die Präsidiumsmitglieder Manfred Braun (Funke), Philipp Welte (Burda) sowie Lars Rose (Klambt) geben. Doch die halten sich bislang bedeckt.

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Die Hamburger Verlagschefs sehen den VDZ in der Zukunft besonders gefordert: „Unserer Überzeugung nach sollte der VDZ in den kommenden Jahren verstärkt ein modernes, digitales, kreatives und business-unterstützendes Antlitz haben.“ Und weiter: „Damit das gelingt, brauchen wir einen Verband, der die Branche als so zukunftszugewandt wie möglich präsentiert, für unser gedrucktes Geschäft wie für unsere Digitalaktivitäten. Marktpartner müssen sich gern mit ihm einlassen, weil sie spüren, dass hier Leitmedien des Landes gebündelt werden, an deren Expertise in Sachen Digitalisierung und Medienwandel alle gern partizipieren. Was für eine Chance für den VDZ! Die aber setzt voraus, dass an der Spitze eine Person steht, die das verkörpert: Modernität, Digitalität, Kreativität – verbunden mit der Glaubwürdigkeit desjenigen, der den Wandel tagtäglich im Business spürt, der als aktiver Gestalter an der Modernisierung der Branche mitwirkt.“

Mit Springer-Chef Mathias Döpfner haben gerade erst die Zeitungsverleger einen solchen Mann an die Spitze ihres Verbandes gewählt. Der Neustart beim BDZV und das Ende der Ära Burda befeuern Spekulationen über eine Fusion der beiden Verbände. An der Idee kann man durchaus Gefallen finden. Zeitungen wie auch Magazine stehen grundsätzlich vor denselben digitalen Herausforderungen, in beiden Verlagswelten ist das Print-Geschäft noch immer die tragende Säule. Und mit den Technologiekonzernen wie Google oder Facebook haben beide Verbände dieselben Feindbilder identifiziert.

Auch wenn die Verfasser des Briefes betonen, dass es ihnen nicht um die Person Stephan Holthoff-Pförtner, sondern „um Prozesse und Beteiligung“ geht, scheint es zumindest zwischen den Zeilen fraglich, ob der Funke-Gesellschafter, der öffentlich eher als Anwalt denn als Verleger in Erscheinung getreten ist und einem ganz überwiegend auf das klassische Printgeschäft fokussierten Medienhaus vorsteht, die geforderten Qualifikationen mitbringt. Zudem ist der 68-Jährige als Schatzmeister der CDU in Nordrhein-Westfalen auch parteipolitisch gebunden. Seine Wahl Anfang November dürfte nach heutigem Stand also kein Selbstgänger werden. Doch die Wogen könnten bereits im Vorwege geglättet werden. Wie MEEDIA am Dienstag erfuhr, sollen sich die Kontrahenten bereits kommende Woche zusammen an einen Tisch setzen. Dann dürfte die „verfahrene Situation“ wie auch das von den Hamburger Verlagschefs monierte Prozedere thematisiert werden. Eine offizielle Bestätigung liegt allerdings noch nicht vor.

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Alle Kommentare

  1. Herr Holthoff-Pförtner hat als langjähriger Helmut-Kohl-Anwalt dessen Omerta nach außen vertreten und ist vor allem als CDU-Funktionär und -Finanzier aufgetreten. Auch bei der WAZ saß er bei allerlei Geheimbündeleien am Ruder.

    Das also soll der oberste Repräsentant von zukunftsgerichteter Modernisierung und Transparenz werden?

    Was kommt denn als nächster Coup? Nach der US-Wahl wird der beschäftigungslose Donald T. VDZ-Pressesprecher und wirbt mit Sachverstand und Charme um Verbündete?

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