Mehr Trommeln für Pocketstory, Blendle & Co.: Emotion-Verlegerin Mol-Wolf fordert vom VDZ Markenkampagne für Online-Kioske

Katarzyna-Mol-Wolf-blendle-pocketreader.readly.jpg

Emotion, Hohe Luft, Slow und Psychologie - die Verlegerin Katarzyna Mol-Wolf hat mit ihrer Firma Inspiring Network in Hamburg ein kleines Reich an Print-Titeln geschaffen. Nebenher ist sie privat am Online-Kiosk Pocketstory beteiligt. Jetzt will die Firmenchefin einen Appell an den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) richten. Die Lobbyorganisation soll sich mit einer eigenen Marken-Kampagne für titelübergreifende Online-Kioske in Deutschland stark machen - zum Wohle der gesamten Zeitschriftenbranche.

Anzeige

„Pressefreiheit“, „Presse verkauft“, „Editorial Media“ – gleich mit drei Kampagnen trommelt der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) für die Branche, um mehr Leser und Anzeigenkunden für gedruckte Magazine zu gewinnen. Der Emotion-Verlegerin Katarzyna Mol-Wolf mit ihrem Hamburger Unternehmen Inspiring Network GmbH & Co. KG reicht das nicht aus. Die Firmenchefin will sich beim VDZ dafür einsetzen, dass die Lobbyorganisation eine Markenkampagne für Online-Kioske wie Pocketstory, Blendle oder Readly ins Leben ruft. „Ich halte es für wichtig, dass auch der VDZ sich öffentlich dafür stark macht und zum Beispiel eine digitale Kampagne für titelübergreifende Online-Kioske startet“, fordert Mol-Wolf gegenüber MEEDIA.

Der Grund für ihren Vorstoß: In Zukunft würden immer mehr Menschen, journalistische Inhalte digital konsumieren. Dabei kämen den Online-Kiosken eine Schlüsselrolle zu. Denn die kostenpflichtigen Plattformen ermöglichen es den Lesern, einzelne Artikel leichter abzurufen und zu konsumieren. Langfristig könnte dies auch positiv auf den Verkauf gedruckter Medien abfärben. Denn über die digitalen Kioske könnten die Verlage ihre Magazin-Marken bekannter machen, der Absatz gedruckter Zeitschriften zulegen. „Es ist die große Chance für die Verlage – über die Online-Kioske ehemalige Leser wieder auf ihre Printprodukte aufmerksam zu machen oder neue Leser zumindest für die digitale Lektüre gewinnen zu können“, meint Mol-Wolf. Dazu jedoch müsste die Magazin-Branche stärker für Pocketstory, Blendle & Co. in der Öffentlichkeit trommeln.

Mehr öffentliches Interesse für die digitalen Anbieter könnte sich lohnen. Denn langfristig würden die Verlage über Online-Kioske ihre digitalen Umsätze steigern, meint sie. In den Niederlanden zeigten Erfahrungen, dass immer mehr Leser einzelne Artikel via Web abrufen. Einen guten Beleg hierfür sieht die Unternehmerin bei dem populärwissenschaftlichen Frauenmagazin Psychologie – einem Titel, den sie in Deutschland im Joint Venture mit dem niederländischen Verlag Weekbladpers Media (WPM) herausgibt. In den Niederlanden erziele das Magazin über den Verkauf einzelner Artikel bei Blendle bereits einen sechsstelligen Euro-Betrag, heißt es.

Der Einsatz von Mol-Wolf für die Online-Kioske ist nicht uneigennützig. Denn die Verlegerin und ihre Geschäftspartnerin Anke Rippert sind privat an Pocketstory beteiligt. Das Unternehmen verkauft – wie der Name sagt – Artikel mit mindestens 5.000 Zeichen, also Hintergrundberichte, Features und Reportagen, die im Netz normalerweise schwieriger erhältlich sind. Auch relativ teure Special-Interest-Magazine und Fachzeitschriften wie Merian und Technology Review gehören zum Angebot.

Das Hauptaugenmerk ihres unternehmerischen Wirkens liegt jedoch auf den Print-Titeln. Dazu gehören neben Psychologie das Philosophiemagazin Hohe Luft, Slow sowie das Frauenmagazin Emotion mit einer verkauften Auflage von 70.000 Exemplaren. Mit Emotion hatte sie 2009 ihr kleines, feines Magazin-Reich begründet, das sie heute in einer alten Tabakfabrik in der Hamburger Hoheluftchaussee steuert. Erworben hatte Mol-Wolf das Frauenmagazin vom Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr. Jahrelang hatte sie zuvor als Verlagsleiterin für die Zeitschrift gearbeitet und hier ihr ganzes Herzblut reingesteckt. Dann jedoch sieht Gruner + Jahr keine Zukunft mehr für das Magazin. Mol-Wolf jedoch will sich mit dem beschlossenen Ende nicht abfinden und greift zu.

Ihr Unterfangen ist gewagt: Denn die promovierte Juristin – gelockte dunkle Haare, schlank und groß von Statur – besitzt zu diesem Zeitpunkt kein eigenes Vermögen. Zudem kriselt es in der Zeitschriftenbranche. Dennoch wagt sie den Sprung in die Selbstständigkeit. Sie schafft es, bei den Banken das notwendige Kapital für den Erwerb des Magazins aufzubringen. Heute ist sie Chefin über 47 festangestellte Mitarbeiter und 15 freie Autoren. Dazu hingebracht haben sie vor allem mehrere Dinge: Ausdauer, Mut, unternehmerisches Geschick sowie eine klare Vision. Ihren Sprung in die Selbstständigkeit bereut sie auch nach fast sieben Jahren nicht. Mol-Wolf: „Es fühlt sich großartig an, Unternehmerin zu sein“.

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Grundsätzlich ist gegen einen solchen Vorstoß ja nichts einzuwenden. Aber würde es da nicht Sinn machen, wenn Frau Mol-Wolf zuerst einmal selbst mit Ihrem Unternehmen dem Zeitschriftenverleger-Verband beitritt? Oder habe ich etwas übersehen und Sie ist schon VDZ-Mitglied?

    1. Hallo Herr Priesmann,

      „Mitglied im VDZ kann jedes Unternehmen werden, das Periodika in Print- oder digitaler Version verlegt, welches nicht gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstößt“
      http://www.vdz.de/ueber-den-vdz-wie-werde-ich-mitglied/

      Somit kann ein Unternehmen wir Pocketstory, Blendle oder Readly hier, leider, nicht Mitglied werden. Tatsächlich stimme ich Ihnen zu und diese neuen Anbieter wären dort gut aufgehoben. Vielleicht ist dies der erste Schritt eines solchen Vorstoßes? Als GF des SZV können Sie das Thema vielleicht gut platzieren?

      1. Ich meinte hier eher den Verlag (Inspiring Network) von Frau Mol-Wolf. Aber auch Pocketstory, Blendle oder Readly könnten durchaus als Fördermitglied in den VDZ eintreten.

  2. Kann kein Text über eine Frau erscheinen, in der ihr Aussehen keine Rolle spielt? Die Information „[…] gelockte dunkle Haare, schlank und groß von Statur […]“ ist für die Geschichte völlig unwichtig.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige