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„Endlich ein weiteres Magazin für Premiumkunden“: Robb Report im Mediaagenturen-Check

Joern Kengelbach ist Chefredakteur des Robb Report
Joern Kengelbach ist Chefredakteur des Robb Report

Anfang der Woche startete der Jahreszeiten-Verlag das Luxusmagazin Robb Report in Deutschland. Chefredakteur Joern Kengelbach zielt auf Deutschlands Multimillionäre. Die Media-Agenturen sind skeptisch, ob die Zeitschrift in der Welt der Superreichen genügend Leser findet. Denn der Markt der Luxusmagazine sei mit CP-Gratisheften von Kreditkartenfirmen, Nobelhotels oder Airlines übersättigt.

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Es ist für den Jahreszeiten-Verlag ein großer Hoffnungsträger. Seit Anfang der Woche bringt das Hamburger Printhaus die deutsche Ausgabe des Luxusmagazins Robb Report als Lizenztitel an die Kioske. Die Startauflage beträgt 100.000 Exemplare. Ob jedoch alle gedruckten Hefte über den Ladentisch gehen, wird von den Mediaagenturen bezweifelt. Zwar gibt es in Deutschland bislang kein multithematisches Luxusmagazin. Doch genau dies könnte dem Männer-Magazin Probleme bereiten.

„Der Ansatz des Titels, viele verschiedene Themen in einem Heft unterzubringen, könnte sich jedoch etwas schwierig gestalten – denn was für Anzeigenkunden attraktiv ist, ist für die Leserschaft nicht zwangsläufig relevant. Hier stellt sich die Frage, wen das Magazin tatsächlich abholen kann“, erklärt Meike Rahjes, Leiterin Beratung Media bei den Agentur Pilot. Denn der deutsche Printmarkt lehrt, dass Männer eher monothematische Lesegewohnheiten haben. „Tendenziell hat die männliche Zielgruppe keine besonders hohe Affinität zu Publikumszeitschriften, insofern wäre es sicher sinnvoll, über eine wertige Online-Verlängerung nachzudenken. All dies muss ein modernes Gesamtpaket berücksichtigen“, urteilt die Media-Expertin.

Hinzu käme die sehr spitze Zielgruppe. So sei fraglich, wie viele Millionäre wirklich Interesse an dem Magazin hätten. Für die Pilot-Managerin sei der Titel daher „sehr nischig“. Rahjes: „Bei einem Auflagenziel von 100.000 geht der Verlag davon aus, dass die Millionäre dieses Landes nur auf den Robb Report gewartet haben“. Ihr scheint die Erwartungshaltung des Medienhauses angesichts der Ausgangslage „doch sehr hoch“.

Anders wertet Rahjes die Chancen für den Titel bei den Werbetreibenden: „Im Anzeigenmarkt wird das Heft sicherlich positiven Anklang finden. Endlich ein weiteres Magazin, das Premiumkunden aufnehmen kann und auch hochwertige Abstrahleffekte mit sich bringt“, betont die Print-Expertin. Gerade daher sei die multithematische Ausrichtung des Magazins „ein Geschenk für den Anzeigenmarkt, denn es öffnet Türen in alle Bereiche.“ Langfristig müsse sich aber zeigen, für welche Kunden und welche Leserschaft das Produkt das richtige Umfeld liefert. „Sind die Anzeigenkunden extrem hochwertig, ist eine Anzeigenschaltung gegebenenfalls gar nicht mehr gewinnbringend. Sind sie hingegen nicht wertig genug, ist die Anzeige nicht von Interesse für die Leserschaft. Das wird sich finden müssen und ist vor der ersten Ausgabe erst einmal offen“, betont die Vermarktungsexpertin. Als „optimal“ bezeichnet sie die Wahl des Verlags, das Magazin Anfang Oktober herauszugeben. Denn der Jalag könne dadurch noch das Anzeigengeschäft für Weihnachten mitnehmen, zudem werde das Produkt noch in der Budgetplanung 2017 berücksichtigt.

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Für Maria Voigt, Group Manager Activation Print bei PHD Germany, empfindet den Robb Report „gut und übersichtlich gestaltet und die Themen interessant“. Dies würde vom Leser sicherlich goutiert. Dennoch wird es für den Verlag schwierig, genügend Abnehmer zu finden. Denn der Markt der Luxusmagazine sei völlig übersättigt. „Das Magazin ist international bereits etabliert und spricht eine für Luxusmarken relevante Zielgruppe an. Allerdings haben wir bereits einen großen Wettbewerbsmarkt für Luxusmagazine, die sich an eine höchst einkommensstarke Zielgruppe wenden“, betont die Vermarktungsexpertin.

Eine weitere Crux: Viele Luxusmagazine würden hierzulande nicht im Abo oder am Kiosk verkauft. Sie gingen vielmehr kostenlos direkt an Kunden von Kreditkartenanbietern, exklusiven Autohäusern und Einrichtungshäusern oder finden sich als Auslage in Luxushotels und in der First Class diverser Fluggesellschaften wieder. „Der Direktvertrieb dürfte wohl den größten Teil der Vertriebswege ausmachen. Somit landen all diese Hefte beim Leser, auch wenn diese nicht aktiv gekauft werden“, meint Voigt. Im Anzeigenmarkt sieht die Expertin für den Titel gute Chancen, da der Verlag „einen großen Vermarkter mit Ambitionen“ hinter sich habe. Angesichts der Fülle von Luxusmagazinen am Markt müsste der Titel deshalb um „die Anzeigenkunden buhlen.“

Nicole Piontek, Group Head Insights & Intelligence, bei der Amnetgroup, sieht für die Zeitschrift gute Marktchancen. Der Grund: der Robb Report ist einem Teil der anvisierten Zielgruppe nicht unbekannt, da er seit 40 Jahren bereits erfolgreich in den USA – und mittlerweile auch in diversen anderen Ländern – erscheint und durchaus einen Namen habe. Auch der Chefredakteur Kengelbach gilt als Fachmann beim Thema Luxus. Zudem hätte der zur Ganske gehörende Jahreszeiten-Verlag durch andere hochwertige Titel im Segment wie beispielsweise Architektur & Wohnen bereits Zugang zur Leserschaft. Piontek: „Alles Faktoren, die den Einstieg des Newcomers in einen sicher nicht leichten Print-Markt vereinfachen werden. Wenn dann der angekündigte Themenmix stimmt und stimmig ist, hat das Magazin als Spartentitel durchaus eine Chance“, meint die Spezialistin.

Im Vermarktungsgeschäft profitiere der Robb Report vor allem von einem Trend auf Printmarkt. So platzieren viele Hersteller von hochwertigen Produkten weiterhin unverändert Anzeigen im Print. Dies gelte insbesondere für Unternehmen mit internationalen Marken, denen das US-Heft wohl bekannt sei.

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Alle Kommentare

  1. Magazin für Multimillonäre, da ist die Millionenauflage ja sicher…..

    Im Ernst, vielleicht gibt es Anfangs ein paar neugierige Leser, die mal schauen wollen was sie sich alles nicht leisten können. Aber spätestens ab Ausgabe 3 wird dies nicht mehr funktionieren, zumindest mit einer so hohen Auflage.

    Warum nicht die Auflage auf 5000 senken und den Copypreis verfünfzigfachen ?
    Der angesprochene elitäre Leserkreis dürfte dies doch locker berappen können, nach dem Motto “ Geld spiele keine Rolex „.

  2. Kaum je wäre man in der Lage, so viel Kaviar verzehren, wie man in die Fönfrisur zu vomitieren sich genötigt fühlt …

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