Anzeige

„Erdogan steht ohne Hosen da“: Das Medien-Echo zum Ende des Beleidigungsfalls Böhmermann

Boehmermann.jpg

Das Ermittlungsverfahren gegen Jan Böhmermann ist eingestellt und die Beobachter sind sich einig, dass das auch gut so sei. Bei der Frage nach den Gewinnern und Verlieren gehen die Meinungen aber auseinander. So schreibt Hans-Jürgen Jakobs, dass "Hobbyjuristin Angela Merkel" schlecht dabei aussehe. Nikolaus Blome sieht dagegen Erdogan "ohne Hosen" da stehen. Das "Neo Magazin Royale" kommentierte nur knapp: "Ziegenkäse für alle!".

Anzeige
Anzeige

Nach Einschätzung von Bild-Politik-Chef Nikolaus Blome lehrt das Ergebnis vor allem eines: „Die Politik muss sich aus solchen Affären heraushalten – auch wenn es schwer fällt“. Der Bild-Mann sieht vor allem einen „Sieg der Justiz.“ Es gibt aber auch einen Verlierer: „Vor allem aber der türkische Präsident Erdogan steht ohne Hosen da: Er wollte von Deutschland politische Justiz – und bekam den deutschen Rechtsstaat. Dem kann die große Politik weitgehend egal sein. Gut so.“

Heribert Prantl ärgert sich in der SZ vor allem über die lange und umständliche Erklärung der Staatsanwaltschaft. Diese hätte sich mit ihrem „pseudojuristischen Geschwurbel“ über zweieinhalb Seiten „gewunden“. Weiter schreibt er: „Die Darlegungen darüber, dass der objektive Tatbestand zweifelhaft sei und der subjektive nicht gegeben, lesen sich partiell selbst wie eine Satire. Es sei, so die Staatsanwaltschaft, für jeden verständigen Menschen erkennbar, dass es sich bei der Polemik gegen Erdoğan um Unsinn gehandelt habe. So hatte sich, kleinlaut in seiner Not, auch Böhmermann selbst verteidigt. Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein wäre auch nicht schädlich.“

In der taz fasst Jürn Kruse knapp zusammen: „Drei wichtige Dinge lernen wir aus der Einstellung des Verfahrens gegen Jan Böhmermann: Erstens: Satire darf wirklich viel. Zweitens: Das Grundgesetz wirkt. Drittens: Der Staatsanwaltschaft ist der Geschmack der Kanzlerin wumpe.“ Er meint jedoch auch, dass es richtig und gut gewesen wäre, dass Merkel die Ermittlungen gegen Böhmermann überhaupt zugelassen hätte. „Es gibt nun einmal den Paragrafen 103 („Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten“) so sinnlos er auch sein mag, und es gibt nun einmal den Paragrafen 104a, der vorsieht, dass die Bundesregierung die Ermächtigung zur Strafverfolgung erteilen muss.“

Im Handelsblatt schreibt Hans-Peter Siebenhaar: „Der lyrische Erguss des Kölners Böhmermann ist sicher nicht gerade eine kreative Meisterleistung oder gar Beweis von Geschmackssicherheit. Böhmermann hat das mittlerweile auch selbst begriffen, wie Insider beteuern. Doch eine lebendige Demokratie muss auch politisch-pubertäre Lyrik tolerieren und verteidigen – gerade gegen einen autoritären Führer wie Erdogan, der die Pressefreiheit im eigenen Land seit Jahren mit Füßen tritt.“

Im Morning Briefing des Handelsblattes schreibt Hans-Jürgen Jakobs: „Irgendwie sieht Hobbyjuristin Angela Merkel dabei schlecht aus. Ihre Majestät hatte öffentlich dem Mann aus Ankara gegenüber geschlussfolgert, Böhmermanns Elaborat sei ‚bewusst verletzend‘ gewesen. Vielleicht hätte sie besser Tucholsky zitiert: ‚Dürfen darf man alles – man muss es nur können.'“

In der FAZ fragt sich Michael Hanfeld, ob Böhmermann dazu gelernt haben könnte? „Oder hält er sich mit seinem Gedicht immer noch für den King of Kotelett der deutschen Satireszene? Und glaubt, er habe es dem großen Autokraten Erdogan aber mal so richtig gezeigt, und allen anderen, die nicht verstanden haben, wie clever er ist, auch? Wir vermuten mal Letzteres.“

 

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Wenn Merkel und Steinmeier nix gesagt hätten, wäre der vermeidbare außenpolitische Schaden in einer sehr schwierigen Situation noch größer gewesen.

    Nicht alles, was erlaubt ist, ist auch politisch klug. Um unsere Pressefreiheit hierzulande zu beweisen, braucht es keinen verkrampft kämpfenden Hofnarren, der feuilletonistische Claqueure für seine Quoten funktionalisiert. Es braucht erwachsene Kollegen, die das Potential ihrer Pressefreiheit(en) politisch sinnvoll einsetzen – und sich nicht mit rassistischen Fantasien vom „türkischen Ziegenficken“ verächtlich aufgeilen. Und das auch noch wochenlang! Ging’s nicht schneller?

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*