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Das Ende der Blackberry-Ära: Smartphone-Pionier zieht sich aus dem Hardware-Geschäft zurück

Blackberry CEO John Chen Foto: dpa
Blackberry CEO John Chen Foto: dpa

Es ist das absehbare Ende einer Ära: Blackberry stellt künftig keine Smartphones mehr her. Das kanadische Unternehmen befindet sich seit Einführung des iPhones in einer Abwärtsspirale, weil es zu spät auf den Trend von Touchdisplays und Apps reagiert hat. Die Folge war ein Absturz des Marktanteils von 20,1 auf zuletzt 0,1 Prozent. CEO John Chen kündigte nun an, sich künftig auf das Software-Geschäft zu beschränken.

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„The Winner takes it all“: So lautet die eine darwinistische Grundregel der Tech- und Internet-Industrie. Apple, Microsoft, Google, Facebook machen seit Jahrzehnten vor, dass es je Marktsegment nur ein Unternehmen geben kann, das dominiert. Was passiert, wenn ein Tech-Unternehmen einen neuen Megatrend verpasst, beschreibt die alte Boxerweisheit: „They never come back.“

Für wohl kaum einen Konzern aus der IT-Industrie galt das im vergangenen Jahrzehnt so dramatisch wie für den einstigen Smartphone-Pionier Blackberry, der als Research in Motion in den Nullerjahren neben Nokia die Mobilfunkbranche dominierte. Während die Finnen mit bezahlbaren Handys zum Weltmarktführer avancierten, setzten die Kanadier seit der Jahrtausendwende auf das nächste große Ding: Smartphones.

Blackberry – der Smartphone-Pionier aus den Nullerjahren

Für sieben Jahre ging die Wette auf: Der Blackberry war das erste Telefon, das eine Killeranwendung der Internet-Ära mobil nutzbar machte – es war eine regelrechte Emailmaschine. In der Spitze war der Konzern aus dem kanadischen Waterloo an der Wall Street einmal mehr als 80 Milliarden Dollar wert.

Doch die Blackberry-Co-CEOs Mike Lazaridis und Jim Balsillie ruhten sich zu lange auf ihren Lorbeeren aus und ignorierten die große Zeitenwende, die Apple mit dem iPhone 2007 eingeläutet hatte.

Das ‚echte ‚Internet, nicht mehr die WAP-Krücke, kam in die Westentasche, das Smartphone war künftig in der gesamten Bildschirmgröße zu bedienen, während Apps ein Jahr später einen neuen Suchtfaktor lieferten – der Blackberry sah plötzlich aus wie aus der Zeit gefallen.

Beschleunigter Abwärtstrend
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Der Rest ist eine jener klassischen Aufstiegs-und-Fall-Geschichten, in denen die Protagonisten wechseln und Turnaround-Bemühungen hektischer und verzweifelter werden – und am Ende den Untergang nur noch beschleunigen. Erst beförderten die Kanadier den deutschen Siemens-Manager Thorsten Heins zum CEO, um ihn dann schnell wieder durch den früheren Sybase-CEO John Chen zu ersetzen.

Man kann nicht sagen, Blackberry hätte nicht alles versucht: Mal wurden  – um Jahre verspätetet – ebenfalls Smartphones mit Touch-Display eingeführt und ein App Store eröffnet, mal wurde in letzter Verzweiflung wieder ein Modell mit Klapptastatur auf den Markt gebracht – wohlgemerkt zu einer Zeit, als Apple gerade das iPhone 6 gelauncht hatte. Auch ein Verkauf, über den jahrelang spekuliert wurde, gelang nicht.

Ende der eigenständigen Smartphone-Produktion

Das Eine hat den Kanadiern so wenig geholfen wie das Andere – die Säbelrasselei gegen den Erzfeind aus Cupertino („Das iPhone ist tot„) schon gar nicht. Gestern nach Handelsschluss war es schließlich so weit: Nach einem nochmaligen Verlust von 355 Millionen Dollar verlas CEO John Chen im anschließenden Conference Call so etwas wie eine Kapitulationserklärung.

Der Smartphone-Pionier produziert künftig keine Smartphones mehr, sondern lässt in Zukunft  Partner wie den indonesischen Telekomkonzern PT Tiphone Mobile produzieren. „Blackberry ist keine Smartphone-Marke mehr“, musste Chen eingestehen.

Marktanteile erodieren von 20,1 auf 0,1 Prozent

Es ist der lang erwartete Schlusspunkt unter einem beispiellosen Absturz vom Marktführer des Smartphone-Marktes mit einem Anteil von 20,1 Prozent auf inzwischen 0,1 Prozent. Künftig will sich Blackberry auf das Geschäft mit Software- und Dienstleistungen konzentrieren.

Auch im fernen Cupertino wurde Blackberrys Ende registriert. Der eigentlich notorisch verschlossene Apple-CEO Tim Cook ließ sich gegenüber der Financial Times zum Ende des Blackberrys die Worte entlocken: „Ihre Absätze waren ja schon seit längerer Zeit sehr niedrig. Wir konzentrieren uns auf unsere Möglichkeiten und glauben, dass sie riesig sind.“ Am Abend verkündete Apple eine Kooperation mit Deloitte, um Unternehmen bei der Entwicklung und Implementierung von iPhone-Lösungen zu unterstützen.

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