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„Wie Dieter Bohlen gegen Angela Merkel“: Die Pressestimmen zum TV-Duell Clinton vs. Trump

Donald Trump (l.) oder Hillary Clinton – wer hat im ersten TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten den besseren Eindruck gemacht?
Donald Trump (l.) oder Hillary Clinton – wer hat im ersten TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten den besseren Eindruck gemacht?

In der Nacht von Montag auf Dienstag hat der Wahlkampf der US-Präsidentschaftskandidaten seinen ersten Höhepunkt erreicht: Hillary Clinton und Donald Trump haben sich das erste von insgesamt drei TV-Duellen geliefert. Und ausnahmsweise waren sich die Medien in diesem polarisierendem Wahlkampf (fast) kollektiv einig: Clinton hat den Schlagabtausch gewonnen – ein K.O. war die Debatte aber noch nicht. Die Pressestimmen.

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Klaus-Dieter Frankenberger von der FAZ schreibt: „Nach dem „Amerika-ist-am-Ende“-Intro übernahm die Angegriffene die Kontrolle, während sich Trump in seinen Steuererklärungen verhedderte, in seiner Haltung zum Irakkrieg und zu Barack Obamas Geburtsort. Er schluckte die Köder, die Clinton ihm hinhielt, immer wieder. Deren Angriffsflächen blieben weithin unbeackert. Vor der Debatte in New York hatte der Wahlkampfwind Trumps Segel gebläht. Nach diesem Zusammentreffen dürfte die Clinton-Kampagne wieder Fahrt aufnehmen. Bis ins Weiße Haus? Die Verbündeten und Partner der Vereinigten Staaten in der Welt würden sich gewiss nicht beschweren, wenn es so käme.“

Im Handelsblatt schreibt Gabor Steingart: „Wir haben heute Nacht einen Mann erlebt, der grimassierte, polterte, fauchte, seine Gegenkandidatin Hillary Clinton unzählige Male unterbrach, der seinen Landsleuten mehr Jobs, mehr Sicherheit und das Blaue vom Himmel versprach – und damit punkten konnte. (…) Man kann das mutig, aber mit gleichem Recht auch beschämend finden. Falls seine Berater ihm geraten haben sollten, sich diesmal präsidial zu geben, hat er sie nach Kräften ignoriert. Die Rauflust war stärker als alle guten Vorsätze. Im wahren Leben sind solche Menschen Wirtshausschläger, nicht Präsidenten.“

In der Berliner Zeitung schreibt Damir Fras: „Clinton hat einen Plan, über den man streiten kann. Aber es ist ein Plan. Trump dagegen hat keinen Plan. Er trägt nur die Attitüde zu Markte, dass er es besser machen wird. Es ist schon erstaunlich, dass der Kandidat der Republikaner selbst vor einem Fernsehpublikum von bis zu 100 Millionen  Menschen nicht in der Lage ist, mehr als Schaumschlägerei zu betreiben. Trump ist offenbar überzeugt davon, dass alle außer Donald doof sind. So kann man sich als Geschäftsmann vielleicht gerieren. Für das Amt des US-Präsidenten qualifiziert das allerdings nicht“

Bei Zeit Online meint Paul Middelhoff: „Der Auftritt des republikanischen Präsidentschaftskandidaten während der ersten TV-Debatte des Wahlkampfs erschrickt: Zwar war klar, dass Trump der Ex-Außenministerin Clinton inhaltlich nicht gewachsen ist und auch über weniger Debattenerfahrung verfügt als die Demokratin. Doch dass der zuletzt so siegessichere Immobilientycoon im Angesicht seiner Rivalin in diesem Maße in sich zusammenfallen würde, hat wohl kaum jemand erwartet. Trump hat die Debatte verloren – und das deutlich.“

Für den Weser Kurier hält Thomas Spang fest: „Wie ein ungezogener Junge redete er dazwischen, zog Grimassen und ließ sich ein ums andere Mal provozieren. Hillary Clinton ging ihm so unter die Haut, dass sich der Narzisst sichtbar unwohl in derselben fühlte. Trump trank mehr Wasser in der 90-minütigen Debatte als ein Kamel am Wasserloch und schniefte wie eine altersschwache Lokomotive. Dass der blondierte Milliardär am Ende der Debatte das Stehvermögen seiner Konkurrentin in Frage stellte, kam vor diesem Hintergrund wie eine Farce rüber.“

Christoph von Marschall kommentiert für den Tagesspiegel: „Auf den ersten Blick ist Hillary Clinton die Siegerin des TV-Duells gegen Donald Trump. Auf den zweiten vielleicht doch nicht. (…) Alles in allem hat die erste TV-Debatte die ohnehin verbreiteten Bilder der beiden Kandidaten bestätigt und verstärkt. Der überwältigende Teil der Bürger, die zur Wahl gehen wollen, haben sich längst für ihn oder sie entschieden. Der Anteil unentschiedener Wähler ist 2016 geringer als in anderen Wahljahren. Clinton hat die bessere Figur gemacht und war kenntnisreicher. Damit hat sie aber lediglich die Erwartungen erfüllt und nicht unbedingt Wähler hinzugewonnen.“

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Marc Pitzke und Veit Medick berichten bei Spiegel Online: „Hillary Clinton geht als Siegerin aus dieser Debatte hervor. Sie punktet mit detaillierter Sachkenntnis, bleibt ruhig und konstant, zeigt sich zugleich humorvoll und – ja, das ist bei ihr bemerkenswert – „menschlich“: Wärme wie Härte, ein gut inszenierter Spagat. Im selben Atemzug lockt sie Trump in eine Falle nach der anderen, kitzelt sein verletztes Ego. Keines seiner Mankos lässt sie unerwähnt (…) Doch auch Clinton war nicht fehlerlos. Ihr Eingangsstatement war viel zu lang, ihre Antworten wirkten oft hölzern, wie Miniaturvorträge.“

Für die Süddeutsche Zeitung analysiert Johannes Kuhn: „Theoretisch dürfte Hillary Clinton 41 Tage vor der Wahl dem nächsten Aufeinandertreffen gelassen entgegensehen. Doch ihr Rivale hat dem Kommentariat in den vergangenen Monaten wiederholt eine Lektion erteilt: Mediale Wahrnehmung und die Wirkung auf die Wähler sind zwei unterschiedliche Dinge. Und Kompetenz, professionelles Auftreten und eine optimistische Botschaft sind in diesem Wahlkampf keine Garantie dafür, am Ende ins Weiße Haus einziehen zu dürfen.“

Tim Rahmann meint in der Wirtschaftswoche: „Donald Trump hat die ersten 30+ Minuten dominiert. Er wirkte kampfeslustig, aggressiv, nah am Wähler. Sein Ziel, sich präsidial zu geben, geht nicht auf. Trump ist Trump: er gefällt sich in der Rolle des Angreifers. Dass er charakterlich geeignet ist, der mächtigste Mann der Welt zu werden, bleibt zweifelhaft. Hillary Clinton verpatzte die Anfangsphase. Demokraten mussten Schlimmes befürchten. Doch dann drehte sich die Debatte. Trump machte Fehler, die Ex-Außenministerin konnte ihre Stärken – Zuverlässigkeit, Deutungshoheit – ausspielen. Insgesamt waren beide gut, Trump hat durch eine starke Anfangsphase leichte Vorteile.“

Für stern.de kommentiert Alexandra Kraft: „Also, Hillary Clinton die Siegerin des Abends? Wenn die Wahl dieses Jahr nur so einfach wäre. Trump hat alle Regeln, die bislang galten, außer Kraft gesetzt. Er hat schon so viel gesagt, was andere Kandidaten vor ihm ruiniert hätte. Mit seinem Auftritt in der Debatte hat er sicher seine Anhänger noch näher um sich gesammelt. (…) Ob Hillary Clinton stark genug war, um ihren stetigen Abstieg in den Umfragen zu bremsen, kann jetzt noch niemand sagen. Sicher, sie hat bei weiblichen Wählern gepunktet. Aber die hatte sie ja schon vor der Debatte auf ihrer Seite. Die wichtige Frage ist, ob sie neue Wähler überzeugen konnte. Reicht ein guter Moment aus?“

Armin Wolf vom ORF fasst auf Twitter kurz zusammen: „Ein TV-Duell Donald Trump vs. Hillary Clinton – das ist etwa so wie Dieter Bohlen gegen Angela Merkel.“

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