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Experte über TV-Duell Trump vs. Clinton: von Hypnotherapie und einem ausgebremsten Alphamännchen

TV-Debatte der US-Präsidentschaftskandidaten, Persönlichkeitstrainer Christián Gálvez: Alphamännchen-Geste zur Begrüßung
TV-Debatte der US-Präsidentschaftskandidaten, Persönlichkeitstrainer Christián Gálvez: Alphamännchen-Geste zur Begrüßung

Es war der mit Spannung erwartete Showdown zwischen Donald Trump und Hillary Clinton, den die Demokratin Umfragen zufolge klar für sich entscheiden konnte. Neben den Argumenten zählt beim TV-Duell vor allem die Körpersprache der Kandidaten. Im Interview mit MEEDIA erklärt Cristián Gálvez, Experte für mediale Wirkung öffentlicher Auftritte, warum Trump beim ersten Fernsehduell den Kürzeren zog.

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Welchen Eindruck hatten Sie von der ersten Face-to-Face-Begegnung von Donald Trump und Hillary Clinton?
Cristián Gálvez:
 Beide Kandidaten haben zunächst den Eindruck bestätigt, den man vorher schon von ihnen hatte: Trump ist Testosteron-gesteuert und ein Typ mit ausgeprägtem Dominanzsystem, und genau so ging er in die Debatte. Er hat Clinton buchstäblich kommen lassen, in dem er an seinem Platz verharrte und sie so zwang, zu ihm hinüber zu gehen, um ihn zu begrüßen. Man muss dabei berücksichtigen, dass sie eine Für extrem kopfgesteuerte Person ist, für die Auftritte wie beim TV-Duell ohnehin eine besondere Herausforderung sind. Extraversion ist definitiv nicht ihre Komfortzone, sie musste diese in ihr unterentwickelte Eigenschaft ganz sicher für den Wahlkampf mit viel Training erweitern, um in solchen Stresssituationen bestehen zu können.

Was ist Ihnen am generellen Habitus von Donald Trump aufgefallen?
Schon bei der Begrüßung war sein Verhalten bezeichnend. Der Klaps auf die Schulter seiner Gegenkandidatin war eine Alphamännchen-Geste, ebenso wie der im Laufe der Diskussion wiederholt gezeigte ausgestreckte Zeigefinger – ein Phallussymbol, wie wir es in der Natur bei Primaten beobachten. Sein Sprachmuster war am Anfang kontrolliert und von klaren Sätzen geprägt. Im Laufe der Debatte ließ das immer mehr nach, seine Sprache zerfaserte und war oft redundant. Das, was die Amerikaner schätzen und erwarten, die klare Aussage – the phrase that pays –, hatte er zu selten zu bieten. Zudem verwendete er kaum Personalpronomen wie ich oder wir, um den oder die Absender einer Aussage kenntlich zu machen, sondern sprach schwammig von „sie“ – seine Sätze wirkten wie Gesetzmäßigkeiten, ohne dass deutlich wurde, dass diese tatsächlich existieren. Seine Sprache bewegt sich ständig auf der Metaebene und ist inhaltlich bestimmt von Generalisierungen und Verzerrungen. Das zeigt, dass Trump wenig in die Tiefe denkt. Eher ein Typ, der am Stammtisch für Resonanz sorgt.

Und Hillary Clinton?
Sie hat das viel besser gemacht und wirkte in fast jeder Phase der Debatte konzentriert. Was sie sagte, war kurz und prägnant. Dieses Muster hat sie bis zum Ende durchgehalten. Und sie war sogar in der Lage, das Schema bewusst zu durchbrechen. Ein Mantra heißt ja: Perfektion schafft Aggression. Deshalb hat sie auch viel gelacht, mit einem symmetrischen Gesichtsausdruck, was bei ihr selten ist. Sie hat in einer für sie überaus schwierigen Situation verglichen mit Trump die viel größere Verhaltensflexibilität gezeigt und ihre Chance genutzt. Ich denke, sie war auf diese Auseinandersetzung hervorragend eingestellt.

Was würden Sie als Clintons größte Stärke bezeichnen?
Eine wirklich starke Szene hatte sie, als Trump sie dafür kritisierte, dass sie sich auf die Debatte akribisch vorbereitet hätte, und sie konterte: Wissen Sie, worauf ich mich noch vorbereitet habe? Darauf, Präsidentin zu sein. Damit hat sie Trumps Argument gegen ihn gewendet und gezeigt, dass sie zu ihrer vermeintlichen Schwäche steht. Der für mich stärkste Moment war für mich aber, als sie Trump vorwarf, er würde Frauen „pigs, slobs and dogs“ – auf Deutsch: Schweine, Schlampen und Hündinnen – nennen. Eine Miss Universe habe er als Miss Piggy und Miss Housekeeping beleidigt, weil sie aus Lateinamerika stammt. Sie sagte dann: „Donald, sie hat einen Namen. Sie heißt Alicia Machado.“ Ich bin sicher, in diesem Augenblick haben Millionen Latinos gedacht: Ja, auch ich habe einen Namen. Die Wähler haben das, was Hillary Clinton sagte, auf sich bezogen – eine suggestive Methode, die wir aus der Hypnotherapie kennen.

Zwei TV-Duelle stehen noch aus. Sehen Sie für Trump eine Möglichkeit, die zu seinen Gunsten zu entscheiden?
Wenn er es schafft, mehr von der inhaltlichen Seite zu kommen, mehr ins Detail zu gehen und zugewandter zu sein, dann hat er durchaus noch eine Chance. Menschen mögen Entwicklungsgeschichten, und falls Trump sich auf diese Weise wandelt, würde ihm das Sympathien bringen. Am Ende stellt sich ohnehin die Frage, ob solche TV-Duelle die Wahl entscheidend beeinflussen. Bei der letzten Präsidentschaftswahl 2012 lag bekanntlich Barrack Obama in der TV-Debatte nach Umfragen weit hinten. Abgewählt wurde er dennoch nicht.

 

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Cristián Gálvez ist Experte für den Dreiklang aus Motivation, Persönlichkeit & Wirkung. Zu seinen Referenzen zählt das „Who-is-Who“ der Unternehmenswelt. Zudem ist Gálvez Autor mehrerer Ratgeber und Gastdozent an verschiedenen Hochschulen. Für seine Vorträge wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet.www.galvez.de

 

 

 

 

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