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Big Money und nebenher ein kleines bisschen die Welt retten: die große Startup-Show bei Bits & Pretzels

Heute schon ’ne „Company  from scratch“ gebuildet? Multimilliardär Richard Branson bei der Stratup Sause Bits & Pretzels
Heute schon 'ne "Company from scratch" gebuildet? Multimilliardär Richard Branson bei der Stratup Sause Bits & Pretzels

Rund 5.000 Teilnehmer. Kevin Spacey. Richard Branson. Oktoberfest. Das Startup-Festival Bits & Pretzels in München hat sich innerhalb von nur drei Jahren in die Top-Liga derartiger Events katapultiert. Ob dabei am Ende tatsächlich Investorengelder fließen, ist nebensächlich. Es geht auch um Show, Selbstvergewisserung und um den Standort. Beobachtungen aus der Laptop-und-Lederhosen-Metropole.

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Der stellvertretende Bürgermeister von München war froh, dass er am dritten Tag der Startup-Sause im Schottenhamel-Zelt auf der Wiesn den Münchner Startup-Preis überreichen durfte. Und zwar passender Weise an ein Münchner Startup. Cleverciti will die Welt ein bisschen besser machen, indem in Städten an Straßenlampen Sensoren angebracht werden, die Autofahrern den Weg zur nächsten, exakt vermessenen Parklücke weisen.

Die Cleverciti-Macher waren am Tag zuvor schon in der Endrunde für den Startup-Pitch des Festivals, eine Art München sucht den Startup-Star. Da gewann mit Spottster ein Hamburger Startup, das Kunden alarmiert, wenn gewünschte Produkte zu ihrem Wunschpreis erhältlich sind. Die Spottster-Leute dürfen als Gewinn zur nächsten „Challenge“ jetten, der Extreme Tech Challenge, auf die Privatinsel von Multimilliardär Richard Branson, der an Tag 2 von Bits & Pretzels ebenfalls zu stehenden Ovationen Hof hielt und die Gründer mit Anekdoten aus seinem in jeder Beziehung reichen Leben erfreute.

Leute wie Branson und natürlich der Groß-Charismatiker Kevin Spacey sorgten für globalen Glanz in der Hütte. Das Bayern- und Oktoberfest-Motto lieferte den heimeligen Zuckerguss inklusive Maß-Gutschein und Weißwurstfrühstück. Gemütlichkeit ist eine deutsche Tugend. Das Schlagwort vom „Laptop und Lederhosen“-Land Bayern hat ganz offensichtlich immer noch ordentlich Zugkraft. Auch wenn sich der Lederhosen-Aspekt hier auf die reine Staffage beschränkte. Mit Tradition hat eine Veranstaltung wie Bits & Pretzels wenig bis nix zu tun.

Es geht ums Big Business. Nicht umsonst hieß eines der so genannten „Themen Cluster“ auch ganz unironisch „Big Money“. Alle wollen an das große Geld und ganz nebenbei vielleicht auch noch so ein kleines bisschen die Welt retten mit ihren Startup-Ideen. Ganz egal, ob sie jetzt Virtual-Reality-Entertainment für Flugzeuge im Gepäck haben, Preisvergleiche oder schlicht Dildos im Internet verkaufen. Idealismus ist eigentlich immer mit im Spiel.

Vermutlich darum ist einer wie Branson auch das ideale Role Model für Startupper. Er hatte Glück, war schon fast gescheitert und hat doch immer wieder die Kurve gekriegt. Er ist Frauenheld, Abenteurer, Weltverbesserer und dazu noch Fun Guy und natürlich mega-rich. So wären sie wohl alle gerne, die hoffnungsvollen Gründerinnen und Gründer, die sich im Auditorium die Hände wund klatschten. Blöd halt, dass dann doch so 98 Prozent nicht aus der relativen Bedeutungslosigkeit rauskommen.

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So wird gerackert und geackert für die Cloud, und es wird die nächste „Company from scratch“ gebuildet. Auf der anderen Seite geiern die VCs und weitere Investoren. Alle hoffen sie auf das nächste große Ding, das nächste Google, das nächste Facebook, das nächste was auch immer. Ob sich so ein Big Thing aber im Ökosystem solcher Massen-Messen und Events unter ständiger Beobachtung und in andauernden 3-Minuten-Elevator-Pitches und Challenges entwickeln wird? Wer weiß das schon. Hat Mark Zuckerberg je bei einem Elevator Pitch mitgemacht oder Larry Page bei einer Extreme Tech Challenge „performed“?

Die Gründerszene ist halt auch so ein bisschen ein Business, das sich um sich selbst dreht. Es wird gegründet und sich beteiligt und wieder gegründet und nach zwei drei Jahren kann sich kaum noch einer an die Firmen mit den ganzen lustigen Namen erinnern, weil schon wieder neue Firmen mit lustigen Namen da sind. Die Bits & Pretzels sind ein Schmelztiegel für die herumflirrenden Ideen und für die Veranstalter angesichts der Ticketpreise von bis zu 1.799 Euro für das Drei-Tage-Programm vermutlich ein gutes Geschäft. In der Startup-Branche herrscht Goldgräberstimmung, und in solchen Zeiten verdient man am sichersten mit dem Verkauf von Schaufeln und Sieben an jene, die vom Reichtum träumen.

Dabei sind die Investoren mindestens genauso schaffig wie die Gründer. Beim Finale des Pitch-Wettbewerbs priesen die Jury-Mitglieder, die allesamt der VC-Branche entstammten, ihre Geldbuden an wie sauer Bier. „If you want to start the next one billion company come to us.“ Jemand anderes bewarb seine VC-Company damit, dass es sogar eine „Equity back“-Garantie gebe. Bei Nichtgefallen gibt’s die Firmenanteile zurück. Ja, wo samma denn!?

Für die Stadt München und den Freistaat Bayern ist so eine Sause wie Bits & Pretzels aber natürlich in jeder Beziehung eine feine Sache. Man präsentiert sich als die Weltstadt, die man gerne wäre, es gibt Bilder mit Frank Underwood im Käfer-Zelt, CSU-Politiker dürfe Reden vor einer ungewohnten Zielgruppe halten, und noch dazu zeigt man den Berlinern, dass die Amis aus dem Valley im Zweifel Dirndl und Krachlederne auch nicht übel finden.

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