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„Neuer Sparhammer“: Kritik an Gehalts-Nullrunde bei Axel Springer trotz Tarifanhebung

Axel Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner
Axel Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner

Der Berliner Medienkonzern Axel Springer spart. Der Vorstand will bei den Gehältern die vereinbarten Tariferhöhungen mit den außertariflichen Zulagen verrechnen. Für den Betriebsrat steht fest: Vorstandschef Mathias Döpfner hat diese Maßnahme verfügt, um trotz Umsatzrückgang sein Ertragsziel für 2016 zu halten. Der Vorstand verteidigt sich. Er habe sich "diese Entscheidung nicht leichtgemacht".

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Selbst die Analysten waren überrascht. Unerwartet kassierte Springer-Chef Mathias Döpfner Anfang August seine Umsatzprognose für 2016. Als Gründe nannte der Manager Wechselkurseffekte sowie den geplanten Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Für das Gesamtjahr bekräftigte der Verleger von Bild und Welt allerdings sein Gewinnziel. Doch das reichte den Anleger nicht. Der Aktienkurs brach zeitweise um bis zu 5 Prozent ein.

Jetzt drohen den Mitarbeitern des Berliner Medienunternehmens Sparmaßnahmen – offenbar damit zunächst vor allem das Ergebnis für 2016 gehalten werden kann. Denn die für Zeitungsredakteure vorgesehene Gehaltserhöhung von 1,5 Prozent zum 1. Juni 2016 und von 1,6 Prozent zum 1. August 2017 soll mit der außertariflichen Zulage verrechnet werden. Dies geht aus einer Information des Springer-Betriebsrats (BR) an die Mitarbeiter hervor, die MEEDIA vorliegt. „Bei Mitarbeitern, die darüber hinaus eine außertarifliche Zulage erhalten, wird die Tarfifanhebung für 2016 und 2017 mit der Zulage verrechnet“, so der BR wörtlich. Die Arbeitnehmer-Vertreter rügen den „neuen Sparhammer“. Sie begründen die Maßnahme des Vorstands mit dem für 2016 ausgerufenen Ertragsziel. „Unverändertes Ergebnis bei sinkendem Umsatz – zahlen lässt der Vorstand die Mitarbeiter“, bilanziert der Betriebsrat knapp. Auch Mitarbeiter in nicht tarifgebundenen Springer-Betrieben seien hiervon betroffen. Springer beschäftigte 2015 konzernweit mehr als 15.000 Menschen.

Zudem bemängelt der Betriebsrat, dass der Vorstand mit dieser Sparrunde die Mitarbeiter von der aktuellen Lohnentwicklung abkoppelt. Wörtlich: „In kleinen Schritten koppelt der Vorstand – der seine eigene Gesamtvergütung, dass heißt feste Bezüge und variable Barvergütung ohne Aktienoptionen, um 6,18 Prozent von 17,8 Millionen Euro (2014) auf 18,9 Millionen Euro (2015) hochschraubte – die Belegschaft vom Lohngefüge im Land ab.“. Im Bundesdurchschnitt seien nämlich die Reallöhne im 1. Quartal 2016 um 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Auch die Personalpolitik des Vorstands nehmen sich die Arbeitnehmer-Vertreter vor. So wachse der Arbeitsdruck der Belegschaft, fast jeder mache kostenlos Überstunden. Der Grund hierfür: „Frei werdende Planstellen werden kaum besetzt. Immer weniger Personal hat immer mehr Aufgaben zu schultern.“ In den Redaktionen fehlten zudem die Freien. Denn die dürften nur noch „rund 12 Tage pro Monat eingesetzt werden“.

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Springer verwies auf Meedia-Anfrage auf eine Mitarbeiterinformation, dass die Tarifanhebung mit der Gehaltsabrechnung im September rückwirkend zu den jeweiligen Abschlüssen umgesetzt wird. Bei Mitarbeitern, die darüber hinaus noch eine außertarifliche Zulage erhalten, wird die Tarifanhebung für 2016 und 2017 mit der Zulage verrechnet. „Der Vorstand hat sich diese Entscheidung nicht leichtgemacht, aber sie ist in Anbetracht des Marktumfeldes in Deutschland eine notwendige Maßnahme“, sagt Alexander Schmid-Lossberg, Leiter des Geschäftsführungsbereichs Personal. „Eine solche Anrechnung hat es auch schon in der Vergangenheit gegeben.“

„Wir wissen, dass die Mitarbeiter bei Axel Springer mit großem Einsatz tätig sind und bieten ihnen auch weiterhin im Vergleich zum Wettbewerb attraktive Vergütungsmodelle“, so der Personal-Chef weiter. Manche Angebote müssten im Zuge der Weiterentwicklung des Unternehmens hinterfragt und entsprechend angepasst werden, anderseits kämen auch neue Angebote hinzu. Zudem würde es im nächsten Jahr für alle Mitarbeiter ein neues Aktienprogramm sowie ein neues Versicherungsmodell zur Altersvorsorge geben.

Der Springer-Konzern stößt nach Ansicht von Marktbeobachtern zunehmend an seine Wachstumsgrenzen. Trotz Akquisitionen wie zuletzt mit eMarketer in den USA und im Rubrikengeschäft wird es für den Vorstand immer schwieriger zu expandieren. Zudem rechnet die Unternehmensführung damit, dass steigende Werbeerlöse die sinkenden Vertriebseinnahmen, zum Beispiel durch den Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften, nicht mehr übertreffen werden. Analysten hatten deshalb vom Vorstand eine neue Wachstumsstory gefordert. 2015 hatte sich Springer vergeblich bemüht, die Financial Times Group zu übernehmen. Am Ende gewann der japanische Nikkei-Konzern das Rennen.

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Alle Kommentare

  1. Das ist jetzt irgendwie aber jammern auf hohem Niveau. Die meisten Zeitungsredakteure werden inzwischen außertariflich (schlecht) bezahlt und bei nicht wenigen hat sich das Gehalt im letzten Jahrzehnt brutto gar nicht mehr verändert.

  2. Das Auspressen der Zitrone geht weiter. Aber irgendwie muss doch das absurd hohe Gehalt von Döpfner gezahlt werden. Wer das nicht einsieht, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen. Das sind nun mal die Gesetze der Marktwirtschaft. Gerechtigkeitsflausen sind nur was für… ähhh… Kommunisten?!

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