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Mathias Döpfners Lob für SPD-Mann Olaf Scholz: „Halte ihn für den besten Medienpolitiker Deutschlands“

Zwiegespräch über die Zukunft des eigenen Business: Mathias Döpfner (li.) und Gabor Steingart beim Handelsblatt-Terrassentalk
Zwiegespräch über die Zukunft des eigenen Business: Mathias Döpfner (li.) und Gabor Steingart beim Handelsblatt-Terrassentalk

Beim letzten Düsseldorfer Terrassengespräch der Verlagsgruppe Handelsblatt in diesemJahr empfing Herausgeber Gabor Steingart den Axel Springer-CEO Mathias Döpfner, um mit ihm über den digitalen Wandel und Zukunftsfähigkeit zu sprechen. Vor einem exklusiven Kreis von rund 100 geladenen Gästen diskutierten beide über neue Geschäftsmodelle, Internationalisierung und Döpfners Rolle als BDZV-Präsident.

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Ein Terrassentalk im Foyer des VHB-Verlagssitzes in der Düsseldorfer Kasernenstraße – „Schuld“ war das Wetter, das sich am Montagabend in der Rheinmetropole herbstlich grau zeigte. Mit Mathias Döpfner hatte der Handelsbatt-Herausgeber einen der derzeit interessantesten und einflussreichsten Medienköpfe des Landes eingeladen. Döpfner, studierter Musikwissenschaftler, ehemaliger FAZ-Feuilletonist, Ex-Welt-Chefredakteur, ist seit 14 Jahren Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE und hat seinen Konzern konsequent auf die Digitalisierung ausgerichtet. Springer gilt längst unter den (ehemaligen) Verlagshäusern als das wohl am besten aufgestellte Digital-Unternehmen – und Döpfners Pläne reichen über die Axel Springer SE hinaus.

„Ich halte Olaf Scholz für den besten Medienpolitiker Deutschlands“

Gerade erst hat sich der 53-Jährige zum Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) wählen lassen. Wie Gabor Steingart am Abend bestätigte (und Döpfner wohl nicht gerne hörte), sind damit durchaus große Hoffnungen verbunden. Der BDZV, der unter seinem Verbandsdach nahezu alle deutschen Zeitungsverlage versammelt, hat es verpasste, seine Mitglieder früh im radikalen Umbruch mitzunehmen. Mit Verleger Helmut Heinen war 16 Jahre lang zwar ein ausgewiesener Branchenkenner an der Spitze des Verbandes. Aber eben kein Experte dafür, wie neue Zielgruppen neue Vertriebswege und auch Erlösmodelle erschlossen und gefunden werden können. Döpfner soll und will das richten: „Verlage müssen in entscheidenen Fragen geschlossen auftreten“, erklärte er gegenüber Steingart seine Motivation. „Jetzt werden die Rahmenbedingungen definiert, mit denen unser Handwerk in den nächsten Jahren arbeiten muss – und wir haben die besten Zeiten vor uns.“ Die Agenda ist nicht klein: Noch immer kämpfen die Verleger um ein europäisches Leistungsschutzrecht, von dem sie sich neue Einnahmequellen fernab der Werbevermarktung erhoffen. Innerhalb der Vermarktung brauchen Verlage und Vermarkter neue Werbemodelle und suchen noch immer Lösungen im Kampf gegen eine steigende Nutzerzahl von AdBlockern. Und auch auf der Suche nach wirkungsvollen digitalen Bezahlmodellen soll der Verband Interessen versammeln und Austausch fördern.

Als BDZV-Präsident steht Döpfner auch für die gesamte Branche als Lobbyist im engen Austausch mit der Politik. Zumindest in der aktuellen Bundesregierung dürfte es jedoch nicht so einfach sein, einen passenden Ansprechpartner zu finden. „Was die Medienpolitik in der Bundesregierung angeht, kann ich nur schwer Namen nennen.“ Stattdessen wird der Manager auf Landesebene und bei der SPD fündig: „Hamburgs Oberbürgermeister Olaf Scholz halte ich für einen medienpolitisch extrem kompetenten Mann, der die Thematik in der Tiefe durchdrungen hat.“ Er halte ihn sogar für den besten Medienpolitiker Deutschlands, während die Union das Fach vernachlässige.

Was die Einführung von Paid Content angeht, hat Springers Bild eine Vorreiter-Rolle übernommen. Lange vor der Konkurrenz startete die Boulevardmarke mit Bild Plus ein digitales Abomodell, das laut Döpfner mittlerweile weit über 300.000 Abonnenten verzeichnet. 120 der 344 Tageszeitungsverlage sind nach BDZV-Angaben mittlerweile eingestiegen, Websites von Wochentiteln wie der Zeit oder Spiegel ausgeschlossen. Beide Angebote starteten ebenfalls jüngst ihre Paid-Content-Angebote Zeit+ und Spiegel Plus.

„Wir sind fünf Jahre hinterher“

„Wenn eine Perspektive im Geschäft gegeben sein soll, wird es mit dem Verschenken von Inhalten schwierig“, ist sich Döpfner sicher. Die Branche habe zu experimentieren begonnen. Das bei allen funktionierende Bezahlmodell sei noch nicht gefunden, und es werde es wohl auch nicht geben. „Fraglich ist auch, ob es für jeden eines geben wird“, so Döpfner. Handelsblatt-Herausgeber Steingart zumindest ist überzeugt, dass die Wirtschaftstitel seines Hauses – neben Handelsblatt und WirtschaftsWoche sind das zahlreiche Fachmedien – mit ihrer (zahlungskräftigen) Zielgruppe prädestiniert für Paid Content sind. Man sei stolz darauf, bereits 25.000 digitale Abos (plus E-Paper-Auflage) zu haben und einen weiteren Anstieg zu verzeichnen, so Steingart. Der Stolz aber werde getrübt, wenn er auf internationale Wettbewerber wie die Financial Times schaue: „Wir sind fünf Jahre hinterher.“ Nun haben deutsche Medien den Nachteil, dass ihr Markt wesentlich kleiner ist. Sprachliche Barrieren will das Handelsblatt seit einiger Zeit mit seiner Global Edition überwinden – und zwar „kraftvoll“ und mit weiteren Millionen-Investitionen, wie Steingart betonte. Für die Internationalisierung brauche es auch entsprechende Arbeitskräfte, Steingart wolle die Handelsblatt-Redaktion mit ausländischen Journalisten bereichern.

US-Markt: „Agieren mit Freude und Ehrfurcht“

Im internationalen Geschäft fährt Springer nicht zuletzt dank seiner Finanzkraft eine andere Strategie. Vergangenes Jahr übernahm Döpfner die Mehrheit am erfolgreichen US-Wirtschaftsportal Business Insider, nachdem eine Akquisition der Financial Times am (zu) hohen Kaufpreis gescheitert war. Mit Business Insider, das vergangenes Jahr auch in Deutschland an den Start ging und eben seine Chefredakteurin auswechselte, setzt man allerdings eher auf vermarktbare Reichweite als auf Paid Content. Im deutschen Markt lasse sich der Umsatz „noch gar nicht“ zählen, erklärte Döpfner. Allerdings handele es sich auch um ein Start-up, das aber in Konkurrenz zu großen Portalen trete. Dabei ist der Abstand noch relativ groß. Portale wie WirtschaftsWoche Online hat Business Insider zwar schon eingeholt, allerdings erreichen große Seiten wie Handelsblatt.com derzeit noch mehr als doppelt so hohe Reichweiten.

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Auch im US-Markt kostet BI – erwartungsgemäß – derzeit noch mehr Geld als es einbringt. Döpfner, dessen Führungspolitik nicht vorsehe, seinen US-Unternehmern Strategien vorzugeben, betonte am Montagabend die rasante Entwicklung am Markt. Beeindruckt zeigte er sich vom Portal Insider, das es bei der Übernahme von Business Insider noch gar nicht gegeben habe, erklärte Döpfner. „Innerhalb kürzester Zeit hat Insider rund eine Milliarde Video-Abrufe pro Monat und zweistellige Millionen-Reichweiten an Unique Usern geholt“, so der Springer CEO. Anders als Business Insider hat der Insider thematisch nicht die Wirtschaftsberichterstattung fokussiert, sondern ist breiter aufgestellt. „Der Markt ist so dynamisch und die Dimensionen der dort zu erreichenden Zahlen sind so groß, dass wir mit Freude über die aktuellen Entwicklungen aber auch mit großer Ehrfurcht agieren.“

Was aus dem USA-Geschäft zu lernen ist und Döpfner am Abend ebenfalls betonte, ist Wachsamkeit. Wie auch in Deutschland deutlich wird, findet Journalismus nicht mehr nur auf den eigenen Plattformen, sondern vermehrt in sozialen Netzwerken statt – Stichwort Distributed Content. Döpfner zitierte den Slogan der US-Springer-Beteiligung Now This: „Homepage, even the word sounds old“ und warnte: „Wir dürfen die Lage nicht wieder unterschätzen und Soziale Medien als reines Marketing-Tool sehen.“ Genauso wenig aber dürfe man unbedacht handeln wie bei der Einführung des Internet und alle verfügbaren Inhalte einfach so nach außen tragen. „Das erinnert mich an die ersten Abhängigkeitserscheinungen in frühen Tagen des Internets, als alle auf Reichweite gedrängt haben, aber niemand gefragt hat, wie sie in Geld umgewandelt werden kann.“ Es gehe darum, auch  in den sozialen Netzen Geld zu verdienen, so Döpfner. Allerdings müsse in Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Facebook (oder bald auch Snapchat) nach Monetarisierungsmöglichkeiten gesucht werden. Döpfners Medien Bild und Welt sind hierzulande bekanntlich die einzigen, die sich derzeit für Aktivitäten mit Facebooks Streaming-Option bezahlen lassen. Beide Seiten betonen dabei aber, dass dies kein Dauerzustand sei.

Mit „Frenemies“ vor Gericht

Medienhäuser und Techkonzerne wie Facebook und Google – es ist ein schizophrenes Verhältnis, das auch an diesem Abend wieder deutlich wird. Steingart beschrieb die Beziehung als „Frenemies“ (Wortschöpfung aus „friend“ und „enemies“). Man arbeite mit den Konzernen zusammen, suche Monetarisierungsmöglichkeiten und entwickele neue Angebote. „Auf der anderen Seite ziehen wir gegen sie vor Gericht.“ Was aus der Beziehung und aus den jeweiligen Unternehmen für sich wird, bleibt aber auch an diesem Abend offen. Denn – auch – hier sind sich die Verleger einig: Der digitale Wandel sorgt dafür, dass niemand weiß, was morgen kommt. Oder wie Döpfner es erklärt: „Wenn der Tag gekommen ist, an dem ich morgens aufwache und die Zukunft kristallklar vor mir sehe, dann ist es soweit gekommen, dass ich zurücktreten sollte.“ Es sei die „Grundunsicherheit, die zur Voraussetzung für unser Geschäft geworden ist“, erklärt Döpfner weiter. Und bei allem, was sich rundherum um einen verändere, solle man sich fragen, was sich nicht verändert: Und das bleibt aus Sicht des Verlegers der Anspruch an qualitativ hochwertigem Journalismus.

 

MEEDIA gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt

 

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Alle Kommentare

  1. Schon die wirklich tolle Recherche-Arbeit der BILD mit dem Titel „Berlins Netzwerke der Macht“ gelesen??? Da fällt man vom Glauben ab… Bis auf 5 Frauen nur Männer, die ihre Macht-Spielchen treiben und mittendrin die Politiker und die Medien. Das wird in Hamburg und überall anderswo kein Gramm besser sein. Hier ein Verbandsvorsitzender, dort ein IHK–UNI-Wichtiger oder gar Professor-Doktor, hier eine Stiftung mit „Studien“ oder gleich ein Stiftungs-Heini, dort ein Vorstands-blubber… es ist der schiere Wahn-Sinn.. Der Wähler ist für diese vernetzten Leute nur ein „Mehrheitsbeschaffer“, dass ER (gibt kaum SIEs, das ist unverändert eine Männer-Welt) die Macht behält und man sich gegenseitig Wohltaten, Jobs, Aufträge auf Zuruf zuschanzen kann. Da sind Leute am Werk, die nicht gewählt wurden aber als „Netzwerk“ mit einem kleinen Anruf Entscheidungen herbeiführen (können), die dann Milliarden Steuergelder der Bürger kosten. Was man neuerdings – durch Nullzinsen für das Wahlvolk zum Wohle der Europa-Schulden – als nicht mehr schlimm bezeichnet. MAN KÖNNTE NACH DER BILD-LEKTÜRE NUR NOCH KOTZEN…. Kein Wunder, dass sich die selbsternannten „Wahlgewinner“ seit Sonntag unbändig freuen.

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