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Wie Apple 60 Milliarden Dollar Börsenwert in einer Woche gewann, ohne die iPhone 7-Verkäufe zu beziffern

Apples iPhone 7 Plus (© Apple)
Apples iPhone 7 Plus (© Apple)

Was für einen Unterschied eine Woche machen kann: Nach der iPhone 7-Keynote sah es noch so aus, als würde Apples neues Smartphone die Wall Street enttäuschen – dann kamen die guten Nachrichten im Tagestakt. Binnen einer Woche legte die Aktie um elf Prozent zu und gewann 60 Milliarden Dollar an Börsenwert, obwohl sich Apple weiter beharrlich über die Vorbestellungen und Erstverkäufe ausschweigt. Über den eigentlichen Verkaufserfolg des iPhone 7 wird indes in China entschieden.

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Ein neues iPhone, ein neues Bild: Plötzlich wurden die Schlangen kleiner. Der Eindruck verfestigte sich rund um den Erdball: Die Begeisterung vor einem iPhone-Launch schien schon einmal größer gewesen zu sein, wie Bilder aus New York, London oder Hamburg dokumentierten.

Der fehlende Andrang hat allerdings seinen Grund: Apple hat im Vorfeld selbst die Luft aus der alljährlichen Hype-Blase gelassen und unmittelbar vor dem Launch in einem Statement mitgeteilt, dass das iPhone 7 Plus gar nicht und das iPhone 7 nur in sehr limitierter Größenordnung für Laufkunden erhältlich sei – oder eben gar nicht.

Woche der guten Nachrichten: Mehr Vorbestellungen in den USA

An der Wall Street kam die Botschaft bestens an – sie suggeriert nämlich etwas, was vor einer Woche noch undenkbar schien: eine größere Nachfrage als erwartet. Als Apple in der Vorwoche direkt nach der Keynote noch mit der Nachricht überraschte, erstmals keine Informationen mehr über die Vorbestellungen und Erstverkäufe des neuen iPhones abzugeben, reagierte die Wall Street entgeistert. Es sah so aus, als wolle Tim Cook eine sinkende Nachfrage verheimlichen.

Wenige Tage später häuften sich die Indikationen, dass die Nachfrage nach dem neuen iPhone doch größer ausfällt als ursprünglich erwartet. Zuerst überraschten die amerikanischen Mobilfunker T-Mobile US und Sprint mit viermal so großen iPhone 7-Vorbestellungen wie im Jahr zuvor beim iPhone 6s.

Tags darauf zog auch die Nummer zwei der USA, AT&T, nach und erklärte, die Nachfrage nach dem iPhone 7 sei höher. Auch aus Fernost kursierten gute Nachrichten: Die taiwanische Wirtschaftszeitung DigiTimes berichtete vergangenen Mittwoch, dass Apple seine Bestellungen bis Jahresende deutlich hochgefahren und bis zu 100 Millionen Geräte bestellt habe – deutlich mehr als zuvor von Analysten erwartet.

+ 11 Prozent: Apple-Aktie mit bester Börsenwoche seit 2012

Die Wall Street ging nach Monaten der Zurückhaltung reflexartig in den Rallyemodus über: Die Apple-Aktie setzte zum Sprint an – und blickte vier Handelstage nicht mehr zurück. Nach leichten Gewinnmitnahmen ging der iPhone-Hersteller schließlich mit dem größten Plus binnen einer Woche seit 2014 aus dem Handel.

Die Apple-Aktie sprang um 11 Prozent von 103 auf 115 Dollar nach oben und konnte binnen fünf Handelstagen mehr als 60 Milliarden Dollar Börsenwert hinzugewinnen. Wie ist dieser große Wertzuwachs zu erklären, der Apple gleichzeitig die höchste Notierung des laufenden Börsenjahres bescherte?

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Mit zwei Worten: Short Squeeze. So bezeichnet die Wall Street das Phänomen, wenn Händler, die auf fallende Kurse gesetzt haben, auf dem falschen Fuß erwischt worden sind und ihre Positionen glattstellen müssen, um weitere Verluste zu vermeiden.

Apples Börsenrallye: Anleger aus dem falschen Fuss erwischt

Ihor Dusaniwsky vom Analysehaus S3 Partners hat vergangene Woche eine deutlich Reduzierung von Put-Optionen auf Apple-Aktien ausgemacht: „Eine Menge Trader ziehen die Reißleine, wenn der Kurs gegen die läuft“, erklärt Dusaniwsky gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Dazu kamen vergangene Woche zahlreiche Heraufstufungen von Analysten: Sowohl BTIG Research als auch Canaccord Adams haben ihre Kursziele in den vergangenen Tagen deutlich angehoben.

Steht damit offiziell fest, dass das iPhone 7 ein Hit ist? Eine Kennziffer zum Launch ist Tim Cook bislang schuldig geblieben: Der Markt reagiert bisher mit großer Erleichterung auf Indikationen – nicht mehr und nicht weniger. Selbst wenn Apple in den westlichen Märkten eine höhere Nachfrage nach dem iPhone 7 verbuchen sollte als nach dem iPhone 6s, garantiert das in der Gesamtheit noch keine Absatzsteigerungen.

Forbes: Das iPhone 7 wird Apples China-Problem nicht lösen

Entschieden wird die Smartphone-Schlacht schließlich einmal mehr im weltgrößten Absatzmarkt China, wo Apple in den vergangenen Quartalen auf den fünften Platz zurückgefallen ist. „Das iPhone 7 wird Apples China-Problem nicht lösen“, ist sich etwa Forbes Magazine sicher.

Der Grund: Die neuen Verkaufsargumente – die Dual-Kamera beim Plus-Modell und etwa die Wasserdichtheit – bieten asiatischen Konkurrenten wie Huawei, Oppo und Samsung bereits seit Monaten an, während neue Features wie der Verzicht auf die Kopfhörerbuchse bei vielen Nutzer umstritten bleibt. Der in China so wichtige Wow-Faktor, sich erkennbar mit einem neuen Gerät abzuheben, fehlt mit dem iPhone 7, das so aussieht wie die beiden Vorgängermodelle.

Nach  Social Media-Reaktionen zu urteilen, ist der iPhone 7-Launch in China verhalten verlaufen, was nicht nur an der neuen Vorbestellungspraxis gelegen haben soll. Einen ersten Reality-Check, wie gut sich das iPhone 7 nun rund um die Welt verkauft, dürfte es frühestens in fünf Wochen geben, wenn Tim Cook die Geschäftszahlen für Apples letztes Quartal im Fiskaljahr 2016 vermeldet.

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