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Kampf gegen AdBlocker: Facebooks Erfolg gegen Eyeo – und warum Verlage davon nicht profitieren

AdBlocker machen Seitenbetreibern das Leben schwer, lassen sich laut OLG München jedoch nicht verbieten
AdBlocker machen Seitenbetreibern das Leben schwer, lassen sich laut OLG München jedoch nicht verbieten

Tech-Konzerne und Medienhäuser verweisen gern auf eine immer besser funktionierende Zusammenarbeit und den regen Austausch ihrer Kompetenzen. Beim Thema AdBlocker aber hört die neue Kooperationsfreude auf. Während Verlage weiter an starken AdBlocker-Communities wie der von AdBlock-Plus-Betreiber Eyeo verzweifeln, scheint Facebook einen Weg gefunden zu haben, die Software zu blocken. Problem: Niemand außer Facebook weiß so richtig, wie das funktioniert.

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Facebook hat die Macht über seine Timeline zurückerobert – zumindest vorerst. Der Triumph über den Kölner Software-Hersteller Eyeo hält jetzt seit etwas über einem Monat. Und er wird wohl auch noch ein paar Wochen halten. Nutzer des sozialen Netzwerkes bekommen trotz installierten AdBlockers wieder Werbung in den Feed gespült. Der Konzern aus Kalifornien hat ein Update programmiert, „um das Blockieren bestimmter Werbeanzeigen auf Facebook zu umgehen.“

„Wir haben nun unsere Formate, die Performance und Steuerungsmöglichkeiten für Werbeanzeigen so gestaltet, dass wir auf die Ursachen eingehen können, die dem Einsatz einer Software zur Werbeanzeigenblockierung zugrunde liegen“, erklärte Facebook Anfang August. Welche Stellschrauben genau gedreht wurden, behält das Netzwerk für sich – auch, um es AdBlocker-Betreiber Eyeo, den größten Anbieter der (bei Seitenbetreibern) unbeliebten Software, nicht zu einfach zu machen, dem Schritt wieder etwas entgegenzusetzen.

Und tatsächlich scheint Eyeo dieses Mal etwas mehr Hirnschmalz aufwenden zu müssen, wie Manager Ben Williams gegenüber dem US-Portal Techcrunch erzählt. Facebook habe auf den ersten Blick jede Kennung zur Identifikation einer Anzeige verschleiert. Für Eyeo bedeutet dies, dass sie ihre Software überarbeiten müssen, um Facebooks neue Maßnahmen wieder auszuhebeln. Doch während die Community von Eyeo, die an der Software mitwirkt, einen Weg sucht, darf man sicher sein, dass Facebook bereits einen Schritt weiter geplant hat. Auch deshalb arbeite man bei Eyeo „sehr sorgfältig“ und wolle vor einem Update einige Tests durchführen, erklärt Williams weiter. Man sei derzeit dabei, ein Grundelement Facebooks zu blockieren“, lautet eine Behauptung weiter. Ob dies nur Getöse ist oder eine reale Option, wird sich zeigen müssen.

Während Facebook mit seinen wohl Hunderten Entwicklern und finanziellen Mitteln in der Lage ist, AdBlockern das Leben schwer zu machen, scheinen Verlage und Medienhäuser weiterhin in aussichtsloser Position. Die sind zwar bei aufmerksamkeitsstarken Kooperationen wie Facebook Live oder Instant Articles inzwischen Partner des Social Networks, erhalten aber von diesem beim brennenden Thema der Anti-Adblocker-Software keine Informationen. Und auf Justitia können sich die Verlage als Seitenbetreiber ohnehin nicht verlassen.

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An mehreren Gerichten in unterschiedlichen Distanzen waren AdBlocker bereits Thema. Die Urteile fielen unterschiedlich aus. Das umstrittene White-Listing, bei dem Werbekunden an Eyeo Geld zahlen, damit ihre Werbemittel nicht blockiert werden, bleibt weiterhin erlaubt. Auf technischer Ebene ist bislang nicht mehr umgesetzt worden, als AdBlock-Nutzer zu blockieren und so die Deinstallation zu erzwingen. Wie es aus unterschiedlichen Verlagen heißt, habe dies besser funktioniert als erwartet. Das grundsätzliche Problem aber löst es genauso wenig wie großformatige Banner-Kampagnen, wie die „Blockxit“-Aktion von stern.de, die AdBlock-Nutzer als Süchtige hinstellt.

Bild reagierte jüngst damit, seine Werbeformate umzustellen. AdBlock-Betreiber konnten dies durchaus als Erfolg interpretieren. Man habe aus der Marktforschung erfahren, dass sich Leser durch bestimmte Formate gestört fühlten, erklärte Bild. Deshalb schaffe man diese ab. Damit kommt man den Nutzern, die Bild zuliebe auf AdBlockern verzichten zumindest entgegen. AdBlocker auf diesem Wege überflüssig zu machen, versuchen auch der BVDW, die Media-Agentur Group M und Google. Sie haben sich zusammengetan, um freundliche Werbeformate zu schaffen. Ob diese am Ende aber freundlich genug sind, sodass sie auch ausgespielt werden, entscheiden Eyeo und die dazugehörige Community. Zeitgleich startet Eyeo nun eine eigene Werbevermarktung und sammelt unter Umständen nun auch noch das Geld der Seitenbetreiber ein.

Nicht nur im Falle von Facebook gibt es keine Kooperationen. Auch was die Medienhäuser angeht, kämpft jeder für sich alleine. Man tausche sich zwar aus, heißt es regelmäßig, auch Programme wie das Aussperren von AdBlock-Nutzern werden fleißig voneinander übernommen. Über Verlagsgrenzen hinweg wirklich zusammen zu arbeiten scheint man aber offensichtlich nicht. Während Mediendienste eine Ad Alliance nach der anderen vermelden, fehlt von einem gemeinsamen Sondereinsatz-Kommando bislang jede Spur. Eigentlich eine Herausforderung, wie gerufen für die mächtigen Verlegerverbände. Denn damit würde man nicht nur ein Zeichen setzen, sondern auch die hohen Kosten verteilen, die für das Social Network Facebook – mit seinen Vermarktungsangeboten für Verlage abseits der Kooperationen ohnehin ein Konkurrent – ganz sicher leichter zu stemmen sind als für Medienhäuser im Einzelkämpfer-Modus.

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Alle Kommentare

  1. So lange der Besucher als Feind angesehen wird, mit animierter und tönender Werbung abgelenkt wird und seine Daten zur Krönung noch heimlich an undurchschaubare Dritte in aller Welt weiter gegeben werden kann das nichts werden.
    Man nennt sich Kreativbranche, bringt aber seit Jahren nichts als die Methode mit dem Holzhammer.

    Also: Schluss mit den dubiosen Werbenetzwerken, prüft die Werbung auf Malware und liefert sie in angemessener Qualität und Quantität aus. So könnte es dann aussehen: https://www.mikrocontroller.net/ Dort bin ich gerne ohne Werbeblocker unterwegs.

  2. Viel Geld gibt oft auch keine gute Programmierung. Wie viele Prozent der vielen – und oft teuren – Google Projekte (Nest, Fiber, Ara, Froogle, Base, Orkut, Glass, Solar-Flugzeuge,…) sind gescheitert oder stagnieren so vor sich hin ? Daher haben sie das profitable funktionierende Kerngeschäft von den Cashburnern getrennt und können jeden an die sprichwörtlichen Heuschrecken-Hedgefonds oder auch Chinesen abverkaufen… Und Google Glas und Fiber existieren ja wirklich.

    In China wären von dem Geld vermutlich schon drei Flughäfen fertig und würden täglich doppelt so viel Passagiere und Frachtgut abfertigen… Wer hat den letzten erfolgreichen Flughafen-Neubau gebracht ? Honecker ?

    Nennt drei erfolgreiche Bitkom-IT-Projekte.
    Nennt drei erfolgreiche Regierungs-IT-Projekte.

    na also. Die Bahn sollte nur noch Leute ohne Führerschein im Management und der Programmierung einstellen. Dann wären die Fahrkarten-Automaten vermutlich viel beliebter und ratzfatz schneller nutzbar…

    Die meisten wahren Teams sind klein:
    Warren Buffet macht 1 Mrd $ Gewinn pro Monat und muss die Investieren und hat wohl nur 39 (?) Mitarbeiter.
    Whatsapp hatte 500 Mio Nutzer vor der Übernahme und hatte nur 60 oder so Mitarbeiter.
    Dwolla hat oder hatte 12(?)
    Oculus waren bei der Übernahme 150(?) oder so
    Craigslist ist/war der Marktführer bei US-Kleinanzeigen und hatte auch nur 60 Mitarbeiter.
    Amazon hat hin und wieder kleine Programmierer-Teams übernommen. Leider sind viele Übernahmen nicht mehr nennenswert für kleine Kunden weiterentwickelt worden. ich glaube auch IMDB (Internet Movie DataBase wo alle Schauspieler, Regisseure,… usw. drin stehen also Referenz für Berichte über deutsche Serien oder Filme) gehört Amazon.

    Tesla wo ein einziger das Ziel erfüllen will, führt knapp hundert Jahre alte Zilliarden-Euro/Dollar/Yen/Won(?)-PKW-Konzerne vor, welche bald vielleicht untergehen wie damals Nokia durch das iPhone oder die Dinosaurier oder die Röhren-Monitore welche 95% der Monitore und Fernseher im Jahr 2006 bei der deutschen Fußball-WM waren oder die Trabbis.

    Viel Geld ergibt nicht viel Ergebnis. Und hohe Rechtskosten darf man auch noch einkalkulieren oder vielleicht zum deutschen Austin Meyer oder Aaron Swartz werden… deren Software (X-Plane bzw. Reddit und noch ein paar weitere) und Leistungen viele gern benutzen…

    Gödel sagt, das man jeden (Entscheidungs)Algorithmus – durch einen schlaueren Algorithmus der sich besser tarnt – austricksen kann. Das lernt man im Grundstudium… Früher. Als man noch bei Mathematikern Informatik gelernt hat.
    Katzen reagieren vielleicht nur auf Dinge welche sich bewegen. Silberfischen auf grauer Zement-Fuge sehen die vielleicht nicht immer… Man muss es also wie Content aussehen lassen. Es ist laut Content-Marketing ja auch ganz super-wertvoller mega-informativer blinkender Super-Mega-Giga-Tera-Content… SCNR.
    Die Filter-Regeln sind ja nicht geheim glaube ich.
    Wer nicht aussieht wie auf den Fahndungs-Fotos kommt zumindest durch diese Kontrolle…

    Davon abgesehen macht Google einen Großteil der Einnahmen wohl auch mit Text-Werbung in den Such-Ergebnissen.
    Ein Text wie „Windows 10 – jetzt kostenlos updaten“ ist vermutlich genau so wirksam wie die typische 50-köpfige glückliche US-Großfamilie deren Ehe vielleicht durch Windows 10 gerettet wurde, deren Kinder vom falschen Weg (Drogen, Verbrechen, Alkohol, Schul-Abbruch, falsche Freunde, gottloses Leben, veganes Leben, nachhaltige Schuldenfreiheit, chinesische Sparsamkeit, unchristliche Rock-Musik, …) gerettet wurden und die Oma glücklich und zufrieden im Altersheim ihre 10 Enkel den anderen Omas vor-führen kann… und man sich 5 Minuten vor dem Lesen eines Agentur-News-Artikels vielleicht angucken muss bevor man es gnädigerweise endlich weg-klicken darf.
    Plakate hingegen bringen die Werbung in wenigen Sekunden beim Vorbeifahren rüber. Daran sollte sich die meiste Werbung mal ein Vorbild nehmen. Aber davon sinken ja vielleicht die Agentur-Budgets…

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