Anzeige

Reaktion auf Gerichtsurteil: Verlags-Schreck Eyeo wird mit Adblock Plus selbst zum Vermarkter

Der neueste Adblock Plus-Clou von Eyeo-CEO Till Faida: die Acceptable Ads Platform
Der neueste Adblock Plus-Clou von Eyeo-CEO Till Faida: die Acceptable Ads Platform

Adblock Plus ist ein Gefahr für das Anzeigengeschäft der Medienhäuser. Da das Nutzen von Adblockern kostenlos ist, muss sich Adblock Plus mit den Publishern verbünden, um Geld zu verdienen. Ein neuer Ansatz ist die jetzt gestartete Acceptable Ads Platform. Damit steigt Adblock Plus selbst in die Vermarktung von Werbeplätzen mit ein – ein scheinbar widersinniges, aber lukratives Geschäftsmodell.

Anzeige
Anzeige

Keine nervige Werbung mehr: Das ist das Versprechen von Adblockern, deren Installation Internetnutzern es ermöglicht, Werbeeinblendungen zu blockieren. Das Problem: Von diesen Werbeeinblendungen finanzieren die Verlage ihre Angebote. Wird das Ausspielen von Werbung blockiert, haben Publisher keine Chance, ihre digitalen Angebote zu refinanzieren. Deswegen ging Axel Springer gegen das hinter Adblock Plus stehende Unternehmen Eyeo gerichtlich vor und verglich das Blockieren von Werbebannern mit dem Abreißen von Plakatwerbung. Das im vergangenen Juni gefällte Urteil des OLG Köln: Adblocker sind zulässig, das Whitelisting gegen Bezahlung hingegen nicht.

Nur: Das sogenannte Whitelisting ist das Geschäftsmodell hinter Adblock Plus. Die Anwendung ist für den Nutzer gratis; Geld verdient das Unternehmen dadurch, dass nicht aufdringliche Werbung eben doch nicht verborgen wird. Publisher, die verhindern wollen, dass Adblock Plus ihre Werbeplätze blockiert, müssen sich auf die Whitelist setzen lassen. Das kostet. Große Anbieter müssen Eyeo im Gegenzug am Umsatz beteiligen. Letztlich ist Eyeo damit auch ein Unternehmen, das von Werbeeinblendungen lebt.

Da dieses Geschäftsmodell nicht mehr erlaubt ist, muss etwas Neues her. Und diese neue Geschäftsidee heißt Acceptable Ads Platform. Das ist eine Plattform für Publisher, die es ermöglicht von Adblock Plus akzeptierte Werbung aus einem großen Acceptable Ads Katalog auszuwählen und direkt auf der eignen Seite einzubinden. Eyeo wird damit selbst zum Vermarkter. Die angebotene Reichweite: 100 Millionen Adblock Plus-Nutzer, die das Einblenden von nicht aufdringlicher Werbung erlauben. Das sind etwa neunzig Prozent aller Adblocker-Nutzer. Nutzer, die dagegen keinen Adblocker nutzen, bekommen die regulär gebuchte Werbung eingeblendet, die der Publisher oder sein Vermarkter akquiriert hat.

Auch von den neuen Eyeo-Geschäftsplänen ist Axel Springer ganz und gar nicht begeistert: „Mit der Ankündigung, nun auch eigene Werbeanzeigen auf den zuvor von ihr selbst blockierten Webseiten zu verkaufen, hat Eyeo einmal mehr bewiesen, dass es ihr nicht um den vermeintlichen Schutz des Nutzers vor Werbung geht. Vielmehr verfolgt Eyeo mit der Werbeblockade ganz offensichtlich nur ein einziges Ziel: Man möchte als Trittbrettfahrer rechtswidrig Werbeerlöse von fremden Webseiten abschöpfen“, kommentiert Claas-Hendrik Soehring, Leiter Medienrecht, den Launch derAcceptable Ads Platform.

Anzeige

 

 

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Presseverlage raus aus dem Netz und gut ist´s. Wenn sie das trotzdem tun und den Geschäftsbereich bedrucktes Papier (= Presse) verlassen, müssen sie halt damit leben, dass es sich nicht oder aber recht lange nicht rechnet. Aber nicht die Justiz belästigen, weil sie davon wider Erwarten nicht schnell genug reich werden.

    Wenn ich einen Bäckerladen eröffne, kann ich auch nicht zum Kadi rennen, weil ein anderer Zeitgenosse einige Wochen später das Gleiche eine Ecke weiter tut und mir meine schönen (erhofften und vielleicht sogar schon verplanten) Gewinne klaut. Jede Milchmädchenrechnung wird ausnahmslos recht schnell von der Praxis korrigiert.

    Wie machen es denn die zahllosen unabhängigen und freien Blogs und die Betreiber von sonstigen Informationsangeboten im Netz? Bei denen geht es ja offensichtlich: Allenfalls dezente Werbung bei nicht selten deutlich besserer Qualität der Berichte, Kommentare und Reportagen. Bei denen funktioniert es erstaunlicherweise. Viele von denen leisten sich sogar eine (nahezu) nzensierte Kommentarfunktion.

    Die fragen allenfalls höflich an, ob man für die Finanzierung des Blogs nicht vielleicht etwas Geld spenden möchte oder über einen Button Bestellungen bei Amazon oder Ebay tätigen will (ergibt dann kleine Provisionszahlungen an die Betreiber).

    Sowohl das eine als auch das andere tue ich persönlich. Leistung soll sich schließlich lohnen …

  2. Wie man es dreht und wendet: Am Ende bleibt es digitale Wegelagerei. Jetzt halt nicht mehr Schutzgeld-Erpressung, sondern Hehlerei = Verkauf von gestohlenem Inventar. Macht es das irgendwie besser?

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*