Anzeige

„Eine Fernsehanstalt reicht für Grundversorgung“: CSU-Chef Seehofer will ARD und ZDF zusammenlegen

CSU-Chef Horst Seehofer
CSU-Chef Horst Seehofer

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hält eine öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt für ausreichend. ARD und ZDF kommentieren das nicht. Für den DJV ist das eine Forderung für den Spam-Ordner.

Anzeige
Anzeige

Die CSU will sich für eine Zusammenlegung von ARD und ZDF einsetzen. „Wir sind der Auffassung, dass die Grundversorgung auch von einer Fernsehanstalt geleistet werden könnte“, sagte CSU-Parteichef Horst Seehofer der Bild am Sonntag. In einem vom Parteivorstand gebilligten Entwurf für das neue Grundsatzprogramm der CSU heißt es, der öffentlich-rechtliche Rundfunk solle sich auf seine Kernaufgaben rückbesinnen, dadurch könne er Relevanz zurückgewinnen. „Wir streben langfristig die Beseitigung von Doppelstrukturen und die Zusammenlegung von ARD und ZDF unter einem Dach an.“ Das Grundsatzprogramm soll im November beschlossen werden.

Das ZDF kommentiere die Pläne der CSU nicht, sagte ein Sprecher am Sonntag. Ein Sprecher der ARD ergänzte: „Wir nehmen das zur Kenntnis, kennen aber noch keine Details. Daher können und wollen wir das zum jetzigen Stand auch gar nicht kommentieren.“

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), Frank Überall, wies den CSU-Vorschlag zurück. „Ich sehe auch keine realistische Chance auf dessen Umsetzung“, sagte Überall am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. „Ein solcher Vorstoß würde auf jeden Fall zu einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht führen.“

Anzeige

Schließlich gebe es nach geltender Rechtslage eine Bestands- und Entwicklungsgarantie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. „Nach meiner Überzeugung schließt das ein, dass ARD-Anstalten und ZDF nebeneinander bestehen bleiben müssen.“ Die Frage, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk zukunftsfähig gemacht werden könne, müsse diskutiert werden. „Aber Sparen und Zusammenlegen ist der verkehrte Ansatz“, sagte Überall. Seehofer bediene mit seiner Forderung populistische Einstellungen. Der CSU-Vorschlag gehöre deshalb in den Spam-Ordner der Medienpolitik.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Franz Josef Jung distanzierte sich von den Plänen der CSU. „Ich halte das nicht für sinnvoll“, sagte Jung der Nordwest-Zeitung (Montag). „Zwei öffentlich-rechtliche Sender sind gerade unter dem Aspekt der politischen Berichterstattung sinnvoll.“ Jung ist seit 1999 Mitglied des ZDF-Fernsehrats.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Bayern soll mit guten Beispiel voran gehen und den bayrischen Rundfunk abschaffen oder auf den Hörfunk reduzieren.
    Das ZDF hat ja schon ein Studio in München, wenn es noch mehr benötigt kann es ja Liegenschaften des bayrischen Rundfunks übernehmen.

  2. Die naheliegendste, sinnmachende(!) Fusion hat der „HORST“ übersehen: Das Zusammengehen der größten Populisten der Gegenwart: CSU & AFD.
    Dann würde der große Vorsitzende endlich Gehör finden, auf volle Unterstützung rechnen dürfen und die Bestätigung aus dem Kreis neuer Freundinnen und Freunde bekommen, nach der er mit seinem populisten Dauerfeuer ständig sucht.

  3. @wardabei
    Mit Dank für die freundlich-kollegialen Worte bitte ich, mir gütigst Widerspruch erlauben zu wollen. Das ist mein Job als Journalist. Lob nennt man Propaganda.

    Journalistische „Qualität“ gibt es nicht. Es gibt nur Erfolg und Misserfolg im Markt. Dort entscheiden viele Millionen autonome Individuen über „Kaufen“ oder „Nicht-Kaufen“. Wer diesen seit dem Neolithikum wie ein Naturgesetz wirkenden Mechanismus der freien Entscheidung der Verwendung der eigenen Geldmittel abschafft („GEZ-Stasi“), entmündigt und kujoniert von Natur aus freie Menschen und macht sie zu Untertanen und sich selbst zum „Herrenmenschen“, der sich anmaßt zu bestimmen, was gut für andere ist. Tucholsky sagte es so: „Menschen miteinander gibt es nicht. Es gibt nur solche, die herrschen, und solche, die beherrscht werden.“

    Es gibt keine Instanz und darf auch keine geben, die verbindlich festlegt, was „Qualität“ sein soll. Die Vorstellung, der Geburtsfehler „Staatsfunk“ ließe sich durch Quoten-Wettlauf kompensieren, kollidiert gerade mit dem behaupteten Qualitätsanspruch, weil die arrogant-korrupten „Eliten“ das verachtete und natürlich nirgends mitreden dürfende Publikum mit Mangel an Qualität („Trash“) gleichsetzen. Ein Staatsrundfunk, auch einer, dem „Qualität“ zugeschrieben wird, hat nur einen Sinn: Die Macht der Herrschenden gegen die Beherrschten (mit deren Geld!) zu verteidigen. Ein Staat und seine Politische Klasse entlarven sich als das Recht verachtende Bevormunder und Erzieher, wenn sie treuherzig meinen, die Veranstaltung von journalischem Rundfunk – also die Kontrolle (!) der Staatsmacht – sei eine Aufgabe des Staates selbst. Sind die Deutschen wirklich noch immer blöd genug für diese Verhöhnung?

    Es geht also Seehofer – hoffentlich – weder nur ums Geldsparen oder Entschlacken in Selbstzufriedenheit vor sich hinwerkelnder vermeintlich „volkseigener Kombinate“ wie ARD oder ZDF und der Heerscharen ihrer Parteibuch-Kretins, sondern um die Erkenntnis, dass öffentlich-rechtlicher zwangsfinanzierter Rundfunk in einen liberalen Bürgerstaat mit autonomen Individuen keinen Platz hat und deshalb abgewrackt gehört – damit wir alle endlich freie Menschen werden.

  4. Und schon wieder so ein geistiger Dünnpfiff aus München. Nichts als Populismus. Zum Glück bleibt am Ende alles beim Alten. Ich liebe das Fernsehen so sehr, dass ich mir zwei davon wünsche (ARD UND ZDF). Danke Konrad Adenauer, der war wenigstens clever, was den Münchner absolut fehlt.

  5. Lieber Herr Conen,
    Ohne die Quoten-Konkurrenz der Sender und ihrer Redaktionen gegeneinander würde die gesamte Qualität von Fernsehen und Hörfunk jäh abstürzen. Redaktionskonferenzen – gerade im investigativen Bereich – würden ohne den Konkurrenz-Ansporn zu behördenähnlichen Selbstbeweihräucherungs-Meetings degenerieren. Viele von uns haben – je nach Redaktion- beide Varianten selbst erlebt. Auch Sie – als gefürchteter Mitarbeiter bei Frontal (in den neunziger Jahren).

    Eines der weltweit besten Rundfunksysteme würde zum „staatlich-monopolitischen Verlautbarungsfunk“ werden. So billig hergestellt wie möglich. Stellen Sie sich vor, es gäbe nur eine einzige Zeitung für die „Grundversorgung“…

    Natürlich geht es beim Seehofer-Vorschlag insgeheim um eine relative Stärkung des privaten Fernsehens. Nur: Parteipolitisch bringt diese Strategie der CSU rein gar nichts. Ich erinnere mich noch genau, wie Edmund Stoiber 1984 den privaten Rundfunk durchgesetzt hat – um ein Gegengewicht zur linken ARD zu schaffen.

    Das Ergebnis: Der unkontrollierbare Privatsender RTL sendete für seine skandalsüchtigen Zuschauer-Schichten noch linker, noch rabiater, noch regierungskritischer. Denn bei Privatsendern regieren ausschließlich die Einschaltquoten – und keinesfalls der Anspruch auf „Grundversorgung“, an dem Seehofer doch so viel liegt.

    Seehofer weiß das übrigens – daher ist sein Vorschlag auch nur Wahlkampf-Dampf, um privaten Medienunternehmern und frustrierten ARD-Hassern zu gefallen.

  6. Seehofer muss es wissen: Je schmaler die Bildung, desto größer die Möglichkeit reaktionären (Wahl-)Verhaltens. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
    Seehofer müsste mal genötigt werden, sich 24 Stunden nur Promi Big Brother anzusehen. Das würde die Sehnsucht nach öffentlich-rechtlichem Fernsehen und Vielfalt sicher stärken.

    1. So viel Wahlmöglichkeit überfordert die Bürger

      Wir alle können den Parteien der bunten Vielfalt vollauf vertrauen und deren Wahlvorschlag bedenkenlos unterstützen

      Geben wir dem Revanchismus und Faschismus keine Chance – für ein buntes und vielfältiges Deutschland ohne dumpfe Parolen – WIR SCHAFFEN DAS !!!

      !! SAY IT LOUD – SAY IT CLEAR – REFUGEES ARE WELCOME HERE !!

      Wähle auch du eine der demokratischen Parteien des demokratischen Bundestags der demokratischen Bundesrepublik der bunten Vielfalt

  7. RECHT hat er der Seehofer! Ein Stastssender recht völlig aus.

    Was müssen immer zwei voll ausgerüstete Teams von ARD und ZDF zur Tour de France abreisen. Eines langt!

    Warum wurde alles 2-fach nach RIO verschifft? Ein Mal reicht völlig!

    Und so weiter und so weiter.

    1. da gebe ich dir recht, eine Anstallt die von Sportereignissen berichtet würde reichen und kosten minimieren. aber ich wollte trotzdem auf keinen der Sender verzichten.

    2. Wer sich mit ein bisschen mit dem Thema beschäftigt, weiß, dass ARD und ZDF bei sportlichen Großereignissen sowohl Technik als auch Studios gemeinsam nutzen.

  8. Als Zwischenschritt auf dem Weg zum Menschenrecht der Marktfreiheit auch und gerade im Medienbereich und sogar im autoritären Bevormundungsstaat Deutschland ist Horst Seehofers Vorstoß sehr zu begrüßen. Natürlich hat der Bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende eine feine Nase für die sich aufbauende massive Wut auf das teuerste Rundfunksystem der Welt und seine Zwangsfinanzierung nebst brutaler Eintreibung mit der Flinte. Leider ist Seehofer (noch?) nicht bekannt dafür, dass er seinen vernünftigen Ideen auch Taten folgen lässt. Und die nächste Landtagswahl im Freistaat, bei der es um die von ihm wiederhergestellte absolute Mehrheit der letzten Volkspartei CSU gehen wird, ist weit entfernt.

    Man muss keiner der allabendlich zum Aufsagen bestellter (schein-) wissenschaftlicher Weisheiten bei ARD und ZDF auftretenden „Experten für alles und jedes“ sein, um das nahende Ende der früher plausiblen Idee politisch-ideologischer Regime zu erkennen, den vor hundert Jahren neuen Rundfunk zur Belehrung und Erziehung des (damals weit dümmeren) Volkes zu nutzen, also zur Machtgewinnung und Machterhaltung sogenannter „Eliten“. In Deutschland ist das Konzept „ÖR“ zunächst national-sozialistisch, dann (in der Zone) kommunistisch gewesen, um nach der Befreiung durch die U.S.A. („Land Of The Free“) in ARD/ZDF zu münden.

    Leider konnten sich amerikanische Presse-Offiziere (oft rechtzeitig entkommene jüdisch-deutsche Profi-Journalisten) mit der Durchsetzung des angelsächsischen Qualitätsjournalismus mit strikter Trennung von Nachricht und Meinung nicht durchsetzen; das Ergebnis sind u.a. „Reschke-TV“ oder Lichterketten-Jubel a la Links-Zausel Prantl.

    Hoffentlich sind Bildung und damit Selbstbewusstsein sogar in Deutschland inzwischen weiter als in den Trümmern nach Hitlers Höllenfahrt. Freie Bürger sollten das Joch der Volkspädagogik und Zwangskollektivierung der politischen Ansichten durch die Ausläufer des „Großdeutsche Rundfunks“ endlich sprengen.

    1. Ach Gott, sind Sie eine unendliche Pastille. Sie sprechen von den „Trümmern nach Hitlerischer Höllenfahrt“, wünschen sich wohl aber eher eine weitere Höllenfahrt in diesem Stil. Sie ziehen zu Ihren kruden Theorien versucht unverfängliche Beweisführungen, die letztlich im Stil nur Diffamierung bedeuten. Es gibt Menschen mit anderen Kulturbegriffen und Moralbegriffen als die, die Sie fahren. Allein Ihr letztes Wortgeschafel beweist Ihre Denke: „Freie Bürger sollten das Joch der Volkspädagogik und Zwangskollektivierung der politischen Ansichten durch die Ausläufer des „Großdeutschen Rundfunks“ endlich sprengen“. Diesen wünschen Sie sich doch unter garantiert qualitätvoller und ehrenwerter Dominanz von AfD-Führung im neuen Großdeutschland ohne schmuddelige Fremdvölker und irre Empathieempfinder, Aber wenigstens ist Ihnen die deutsche Sprache in Form und Stil bekannt. Darin unterscheiden Sie sich doch wohltuend von anderen Ihrer Mitstreiter wenn auch nicht von deren Aussagen.
      Halten Sie Ihren Hinweis auf (DJV) wirklich für einen Beweis für Qualitätsinhalte Ihrer Schreiben? Das ist doch eigentlich lächerlich für einen Journalisten oder sind sie gar keiner?

    2. „Menschenrecht der Marktfreiheit“? In welchem Parallel-Universum leben Sie denn? Zu oft mit Lindner gefrühstückt? Haben Sie sich mal Gedanken über die Voraussetzungen für eine „Marktfreiheit“ gemacht?
      Ich hoffe, ansonsten ist alles im Lot bei Ihnen!

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*