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Die Affen-Penis-Challenge im PM-Magazin und der Suff beim Spiegel

Jürgen Dollase (l.), Cordt Schnibben. stern und PM
Jürgen Dollase (l.), Cordt Schnibben. stern und PM

Der stern mausert sich immer mehr zum Fachblatt für Reiselustige. Das SZ Magazin hat FAZ-Gastrokritiker Dollase meisterlich interviewt. Das PM beantwortet geschlechtsteilige Fragen, die wir nie zu fragen wagten und Cordt Schnibben klärt über die frühere Sauf-Problematik beim Spiegel auf. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Wer vorhat, nach New York zu reisen, der greife zum aktuellen stern. Nix Merian, nix ADAC, nein: stern. Der widmet sich der „Wiedergeburt der Weltmetropole“, natürlich im Innenteil auch mit vielen Tipps und Service usw. Der stern macht das in jüngerer Zeit häufiger, dass er Reisethemen im engeren und weiteren Sinne auf den Titel hebt. Wahrscheinlicher Grund: Es verkauft sich vergleichsweise gut. So wie die Verkaufsschlager Mallorca und Sylt, die jedes Jahr auch auf dem stern-Titel wiederkehren. Ansonsten hatte der stern in diesem Jahr schon London, die Reeperbahn, das schöne Deutschland, Traumziele vor der Haustür und Traumhäuser auf dem Titel. Vermutlich fehlt nicht viel und es gibt bald einen stern Reise-E-Shop, bei dem man die vorgestellten Reisen gleich buchen kann, ganz im Sinne der Communities of Interest des Hauses Gruner + Jahr. Wäre so etwas gut oder schlecht? Oder ist es einfach ein Zeichen der Zeit? Man (ich) weiß es nicht. Bei anderen Titeln des Hauses ist sowas ja schon, wie sagt man: implementiert.

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Ich lobte an dieser Stelle schon einmal die Video-Serie „Dollase vs. Mensa“, in der der FAZ-Gastrokritiker Jürgen Dollase das Essen deutscher Unimensen verkostet. Im SZ-Magazin war nun ein langes Interview mit Dollase, das ich auch mit dem größten Vergnügen las. Der Mann ist einfach ganz und gar unlangweilig. So spielte er in jungen Jahren in Rockbands mit Namen wie Speed Kills, Blitzkrieg und Wallenstein. Mit letztgenannter Kombo nahm er u.a. die deutsche Nationalhymne verzerrt auf einem Metronom auf. Leider wurde der Titel nie veröffentlich („Der Chef der Plattenfirma fand ihn aus irgendwelchen Gründen zu heftig.“) Dollase warf zu seiner wilden Zeit offenbar reichlich LSD ein. Auch das schon mit einem gewissen, professionell-distanzierten Habitus: „Wir verstanden Leute nicht, die sich Drogen reinschmissen, nur um in ihrem Kopf irgendwelche irren Kinoeffekte zu erzeugen und dann staunend und mit offenem Mund rumzuliegen. Das war eine andere Abteilung. Mit der hatten wir nichts am Hut. Uns ging es um ein psychedelisches Klarbewusstsein. Das war sehr viel erfreulicher.“ Klar. Das Interview ist hier bei Blendle zu haben und die paar lächerlichen Cent, die es kostet auf jeden Fall wert. Leider gibt es immer weniger Typen wie Dollase.

Auf einem seltsamen Trip ist auch das PM Magazin. Zum Groß-Thema „Paarungsverhalten“ überrascht uns Peter Moosleitners ehemals interessantes Magazin (der Claim „interessantes Magazin wurde schon lange ad acta gelegt) mit einem Penislängenvergleich Affe-Mensch. Überraschendes Ergebnis: der Mensch hat den längsten Penis, die schwersten Hoden und er kann am längsten. Hurra! Evolution rulez! Beachten Sie bitte auch das subtile Design der Infografik. Aufschrei!

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„Spiegel-Reporter-Legende“ (B. Ürük) Cordt Schnibben hat ein Interview gegeben, in dem er ausführlichst über sich selbst und die Eitelkeiten der Branche reflektiert. „Im Journalismus hat sich irgendwann eine Verfettung breit gemacht“, konstatiert Schnibben beim Online-Magazin 40Stunden.de. Betroffen sei vor allem in die Wochen- und Monatspresse sowie der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Aha. Ansonsten lernen wir aus dem Gespräch noch, dass beim Spiegel in „gewissen Ressorts“ früher Sekretärinnen ab 16 Uhr mit Weinflaschen umgingen und den Herren (!) Redakteuren kräftig einschenkten. Auf die Frage nach dem Warum antwortet Schnibben: „Weil man im Prinzip zu wenig zu tun hatte.“ Die haben sich früher beim Spiegel also aus Langeweile die Hucke vollgesoffen. Auf die Frage, was für ihn Erfolg bedeutet, antwortet Schnibben: Anerkennung und Geld. Das Suff-Problem haben sie beim Spiegel mittlerweile immerhin offenbar in den Griff bekommen.

Diese Woche hat BDZV-Präsident Helmut Heinen den Stab an seinen Nachfolger Mathias Döpfner weitergereicht. Und jetzt schauen Sie doch mal, was der Heinen da für eine Geste auf dem Foto macht! Die Merkel-Raute! Das kann doch kein Zufall sein! Da muss ich vermutlich Tichys neues Print-Hefterl abonnieren, um herauszufinden, was dahinter steckt.

Ihnen ein unbeschwertes Wochenende!

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Alle Kommentare

  1. Dass Dollase die Nationalhymne auf einem Metronom aufgenommen hat, ist eine lustige Vorstellung. Schätze mal, Sie meinten ein Mellotron…

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