Interview mit türkischen Minister: Deutsche Regierung schaltet sich im Streit um beschlagnahmtes DW-Material ein

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Der Streit um das von der türkischen Regierung beschlagnahmte Deutsche-Welle-Interview von Michel Friedman mit dem Sportminister Akis Cagatay Kilic zieht weitere Kreise. Jetzt hat sich auch das Auswärtige Amt und die Bundesregierung eingeschaltet. Beide unterstützte die Forderung des Senders, auf eine Herausgabe des Materials.

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So zitiert Spiegel Online Regierungssprecher Steffen Seibert der dazu sagt: „Die Pressefreiheit ist für uns ein hohes, nicht zu verhandelndes Gut.“ Dies gelte nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland. Zudem soll der deutsche Botschafter, Martin Erdmann, bei der türkischen Regierung in der Sache vorstellig geworden sein. Nach Angaben des Auswärtigen Amts führte er dazu ein „konstruktives“ Telefonat mit dem Büroleiter des Sportministers Akis Cagatay Kilic.

DW-Intendant Peter Limbourg hatte den Vorfall als „neuen eklatanten Verstoß gegen die Pressefreiheit in der Türkei“ kritisiert: „Was wir hier erleben, erfüllt den Tatbestand der Nötigung durch die türkische Führung. Das hat mit Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nichts mehr zu tun.“ Es könne nicht sein, dass ein Minister bereitwillig ein Interview gibt und dann dessen Ausstrahlung verhindern wolle, „weil ihm die Fragen nicht gepasst haben“.

Den genauen Hergang der Beschlagnahmung erzählte Michel Friedmann, der das Gespräch mit dem Minister führte, noch einmal gegenüber den Deutschlandfunk. Demnach nahm nach dem Interview einfach ein Mitarbeiter von Kilic die Speicherkarte aus der Kamera.

Die Deutsche Welle forderte die türkischen Behörden zur sofortigen Herausgabe des Videomaterials auf. Sie prüfe zudem mögliche rechtliche Schritte. Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte die türkischen Behörden auf, das beschlagnahmte Material unverzüglich herauszugeben. „Das ist der schwerstmögliche Angriff auf die Pressefreiheit, wie wir ihn nur aus Diktaturen kennen“, kritisierte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. Das Auswärtige Amt müsse sich einschalten.

Mit Material von dpa

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Alle Kommentare

  1. Sie haben Friedmann falsch wiedergegeben. Er sagt, „ein Kollege der türkischen Kameraleute“ habe den Chip entnommen, nicht ein Mitarbeiter des Ministers. Das ist ein großer Unterschied, ob der Kamermann (journalistischer Kollege) den Chip selbst (möglicherweise ohne Rücksprache mit seinen Kollegen vor Ort oder per Handy mit der Redaktion) herausgibt oder der Mitarbeiter der Gegenseite. Friedmann Schilder den abschließenden Protest gegen die geforderte und erfolgte Herausgabe.

    T. St.

  2. Ob man sich nachher wieder distanzieren muss?
    Nötigung, Rechtstaatlichkeit, Pressefreiheit, Demokratie….große Worte, wenn sie auch derzeit etwas abgedroschen klingen, wenn sie aus Berlin kommen.
    Aber zum Glück investiert man gerade 56 Millionen Euro um Erdogan einen Militärflugplatz zu bauen.
    Was macht eigentlich die Berichterstattung über die Säuberungen in der Türkei und Syrien durch den „treuen und zuverlässigen Bündnisparter“?
    Still ruht der See der Rechtstaatlichkeit, der Pressefreiheit, der Demokratie.

    1. Ihren ersten Absätzen stimme ich voll zu, erst eine Meinung auszudrücken und sich dann sofort wieder zu distanzieren ist eine AFD oder Trump Taktik und einer Bundesregierung nicht würdig. Auch mit Direktinvestitionen das Besuchsrecht von Abgeordneten bei unseren Streitkräften zu „erkaufen“ geht nicht. Dann halt abziehen oder in ein Nicht-NATO Land verlegen, das wäre mal konsequent.

      Was ich nicht verstehe ist Ihr Ende „Still ruht der See“. Ich habe den Eindruck, dass Politiker sowohl der Regierung (bspw. N. Lammert -Handelsblatt 18.07.) der Opposition (bspw. Özdemir – überall/immer) und auch auf EU Ebene (M. Schulz – „Brandbrief“) sich hier sehr kritisch äußern. Ich finde keine Zeitungs-/Newsseite auf der nicht in den letzten 5 Tagen über die Säuberungen in der Türkei geschrieben wurde. Nur den meisten Menschen ist die Türkei egal, solange bloß die Flüchtlinge hier weg bleiben.

      Wenn Sie finden die Rechtsstaatlichkeit, Pressefreiheit und Demokratie würden hier ruhen, welche Reaktion würden Sie sich wünschen? Wirklich aus Interesse, ich fand es nämlich überraschen (positiv) wie deutlich sich hier positioniert wurde.

      Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.

      Gruß
      J

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