„Arrogant und unjournalistisch“ – Jürgen Todenhöfer gewinnt Rechtsstreit mit dem Spiegel, sein Sohn rechnet ab

Jürgen und Frederic Todenhöfer, Spiegel-Ausgabe vom Januar mit dem umstrittenen Artikel "Der Märchenonkel"

Publishing Im Januar veröffentlichte der Spiegel unter dem Titel "Der Märchenonkel" einen Artikel über den Publizisten Jürgen Todenhöfer und seine Reise zum so genannten Islamischen Staat. In dem Artikel kam ein Mitreisender ausführlich zu Wort, der sich mit Todenhöfer und seinem Sohn Frederic zerstritten hat und scharfe Kritik an deren Methoden übte. Todenhöfer ging juristisch gegen den Text vorund hat nun vor dem Hamburger Landgericht gewonnen. In einem Gastbeitrag rechnet Frederic Todenhöfer nun mit den Methoden des Magazins ab.

von redaktion

Von Frederic Todenhöfer

Anfang des Jahres veröffentlichte der Spiegel einen Artikel über unsere Reise in den so genannten „Islamischen Staat“. Die Überschrift lautete „Der Märchenonkel“. Der Artikel verstieß gegen alle Grundsätze der zulässigen Verdachtsberichterstattung und enthielt zahlreiche Unwahrheiten über meinen Vater (Jürgen Todenhöfer), über mich und unsere Reise in den „Islamischen Staat“.

Mein Vater hat den Spiegel und die Verfasserin dieser schlampig recherchierten Machwerks, Özlem Gezer, vor der Pressekammer des Landgerichts Hamburg auf Unterlassung von 14 teils umfangreichen Passagen verklagt.

Der Prozess ist jetzt rechtskräftig beendet. Der Spiegel und Frau Gezer haben in allen 14 Punkten die verlangten „strafbewehrten Unterlassungserklärungen“ abgegeben; d.h. sie dürfen keine dieser 14 Passagen je wiederholen. Andernfalls riskieren sie eine gerichtliche Bestrafung. Darüber hinaus haben sie sich verpflichtet, den gesamten Artikel, der nach Streichung der 14 Passagen aussieht wie ein gerupftes Huhn, im Internet komplett zu löschen.

Das ist ein Maximal-Ergebnis und entspricht inhaltlich zu 100 Prozent dem, was wir vom Hamburger Landgericht erbeten hatten. Kurz: Wir haben zu 100 Prozent gewonnen. Ich möchte trotzdem zwei Anmerkungen dazu machen.

 1. Der Spiegel und Frau Özlem Gezer schienen gar nicht daran interessiert, wirklich zu recherchieren. Nach ihren eigenen Angaben haben sie sechs Monate lang mit ihrem (einzigen) Informanten gesprochen. Meinem Vater und mir schickten sie drei Tage vor der Veröffentlichung einen Fragebogen mit zehn Fragen, für deren Beantwortung sie uns „großzügig“ ganze acht Stunden gewährten.

Ich finde das unglaublich arrogant und unjournalistisch. Es zeigt, wie ich meine, dass der Spiegel an der Wahrheit gar nicht interessiert war, sondern vielmehr meinen Vater nur herabsetzen wollte und seine Glaubwürdigkeit zerstören wollte. Den Eindruck haben ganz nebenbei, auch Spiegel-Redakteure gewonnen, die uns das offen gesagt haben. Massiver als der Spiegel das in diesem Artikel getan hat, kann man gegen die  Grundsätze  des journalistischen Anstands und der „zulässigen Verdachtberichterstattung“, wie das juristisch genannt wird, kaum verstoßen.

 2. Eigentlich habe ich den Spiegel immer geschätzt. Jeden Tag lese ich Spiegel Online. Mein Vater verteidigt den Spiegel übrigens meist auch. Er hat ja auch Artikel im Spiegel geschrieben und ein „Streitgespräch“ mit dessen Redakteuren geführt, das dann auch publiziert wurden. Kurz, wir sind keine generellen Spiegel-Gegner.

Aber ich frage mich schon, was hier die wirkliche Motivation des Spiegel war. Unterlaufen einer preisgekrönten Journalistin wie Frau Gezer und dem Spiegel einfach mal so derart viele Fehler in einem Artikel? Oder war da jemand übermotiviert, die Arbeit meines Vaters zu zerstören? 

Der Spiegel könnte zwar sagen, er sei einem notorischen Lügner aufgesessen. Wer aber erlebt hat, wie schnell der vom Landgericht München 1 entlarvt wurde, muss sich fragen, wie naiv Özlem Gezer war, als sie diesen Artikel zusammenschusterte. 

Manche bekannte Journalisten sagten uns, da sei halt viel Neid im Spiel gewesen. Vielleicht! Der Spiegel lag, anders als mein Vater, in den letzten fünf Jahren mit seiner Syrien-Berichterstattung fast immer daneben. Anfang 2012  hatte der Spiegel den Sturz Assads für “übermorgen” voraussagt. Meinen Vater hatte er, wegen dessen Einschätzung, der Syrienkrieg sei ein Stellvertreter-Krieg und unter den Oppositionellen befänden sich auch Terroristen, als „Verschwörungsfreund“ betitelt. Leider hat der Verlauf des Krieges meinem Vater und nicht dem Spiegel Recht gegeben. Vielleicht kommen einige beim Spiegel damit nicht klar. 

Von den Exklusiv-Interviews meines Vaters mit Assad und mit dem IS im „Islamischen Staat“ ganz zu schweigen. Ein früherer Verlagsvorstand (Jürgen Todenhöfer war viele Jahre lang Vorstand bei Hubert Burda Media, Anm.d.Red.), der bei seinen Recherchen Dreck frisst und höhere persönliche Risiken auf sich nimmt als die zuständigen Spiegel-Redakteure, das war für manche offenbar schwer zu ertragen.

Und dann schrieb auch noch Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer, den wir eigentlich schätzen, nach Erscheinen des Buches meines Vaters über den IS, einen überraschend hämischen Artikel. Mit teilweise grotesk falschen Behauptungen. Auf unsere erstaunte telefonische Nachfrage sagte er, dass er das Buch gar nicht gelesen hatte. 

So ging das in mehreren Spiegel-Artikeln weiter. Trauriger Tiefpunkt war dann der Artikel von Frau Gezer, gegen den mein Vater dann gerichtlich vorging. Es blieb ihm gar nichts anderes übrig. Weil nun erkennbar war, dass das Ganze kein Zufall, sondern eine Kampagne war, über die sich jetzt nach der Entscheidung der Hamburger Pressekammer jeder seine eigene Meinung bilden kann. Ich hätte so etwas beim Spiegel nie für möglich gehalten. 

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