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Neue Fußball Bild im MEEDIA-Check: dicke Bundesliga-Packung und eine Web-Panne

Bekommt eine bundesweite Ausgabe: Fußball-Bild-Macher Matthias Brügelmann
Bekommt eine bundesweite Ausgabe: Fußball-Bild-Macher Matthias Brügelmann

Der Herausgeber (Kai Diekmann) lobt schon einmal via Twitter: "Mehr Fußball geht nicht". Am heutigen Freitag startet Springer mit der Fußball Bild eines der wohl spannendsten Print-Experimente der jüngeren Vergangenheit: Kann in Deutschland eine tägliche Sportzeitung funktionieren? Beim ersten Blick in den Neuling stellt sich jedoch die Frage, ob die Bundesliga genug Stoff für eine Tageszeitung hergibt.

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Auf den ersten Blick ist der Neuling optisch stark an das Mutterblatt angelehnt. Dominiert wird die Ausgabe von der Aufmacherzeile „Müller ledert los“ – ein Hinweis auf das launige Exklusiv-Interview, das der Bayern-Star der Bild gab. Die untere Hälfte steht im Zeichen des Kommentars von Redaktionsleiter Matthias Brügelmann und dem „Foto des Tages“. Das ist diesmal natürlich Jogi Löw, wie er mit seiner Patentochter (im Bikini) über den Strand von Porto Cervo schlendert. Am gestrigen Donnerstag gab es noch einige Spekulationen, mit wem der frisch getrennte Bundestrainer auf Sardinien abgelichtet wurde.

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Das Thema des ersten Kommentars ist natürlich erst einmal eine Erklärung in eigener Sache („Willkommen bei Fußball Bild“). Darin erläutert der Redaktionsleiter, der ansonsten auch als Stellvertreter der Bild-Chefredakteurin Tanit Koch fungiert, noch einmal das Konzept des Neulings: „Ein Best-of-Bild plus exklusiven Kommentaren, Kolumnen und Grafiken“.

Tatsächlich kommt die Fußball-Bild ohne eigene Redaktion aus. So greift das neue Blatt überwiegend auf bestehende Inhalte der anderen Regionalausgaben zurück. „Das hält die Kosten in einem sehr engen Rahmen“, erklärte Brügelmann bereits gegenüber MEEDIA. Sein Team stellt die neue Zeitung in weiten Teilen aus den bereits fertigen Stories der zwölf Bild-Regionalstandorte, sowie der Berliner Hauptredaktion zusammen. Die Geschichten über Borussia Dortmund und Schalke 04 sind demnach wortgleich in der NRW-Ausgabe der normalen Bild zu lesen. Das Ziel von Brügelmann ist es dabei, „dass jeder Bundesligaverein auch jeden Tag mit einer eigenen Story in der Zeitung vorkommt.“

Das ist zum Start schon einmal gelungen. Beim Blättern durch den Erstling stellt sich dadurch fast schon ein gewisses Kicker-Feeling ein, weil sich auch das zweimal wöchentliche erscheinende Magazin stets größte Mühe gibt, auch wirklich alle Klubs abzubilden. Vielleicht wäre es künftig aber besser, doch auf Schwerpunktthemen zu setzen und über einen Verein, wenn es nicht viel zu schreiben gibt, auch einfach mal zu schweigen.

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Grundsätzlich gilt beim Produktionskonzept die Regel: Die eigenen Inhalte sind innen und außen. Das heißt, der Titel und die letzte Seite werden neu produziert, genauso, wie eine Panorama-Seite in der Mitte des Blattes. Diese soll stets ein besonders beeindruckendes Bild groß zeigen oder auch Grafiken. In der ersten Ausgabe ist es, passend zum Auftakt-Match der 54. Bundesligasaison zwischen Bayern München und Werder Bremen, ein Blick auf und in die Allianz-Arena.

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Auf der vorletzten Seite ordnen wechselnde Kolumnisten noch einmal das Geschehen ein. Das ist zum Start Sky-Experte Kai Dittmann, der fragt „Wo ist der Werder-Weg?“. Zudem sollen das Sport-Bild-Urgestein Raimund Hinko und auch der Transfermarkt.de-Gründer Matthias Seidel regelmäßig an dieser Stelle schreiben.

Auf der letzten Seite will sich die Redaktion immer einem historischen Fußball-Stoff widmen. Diesmal erinnert Jean-Marie Pfaff an sein legendäres Einwurf-Gegentor.

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Dies zeigt: Die eigenen Inhalte sind sehr Bayern-lastig. Ein Umstand, der natürlich auch in der Natur der Sache liegt. Immerhin erscheint die Zeitung testweise nur in München und Stuttgart. Zum anderen beginnt die neue Saison am heutigen Freitag mit der Partie zwischen Bayern und Bremen.

Die erste Ausgabe ist wirklich ein dickes Fußball-Ding geworden, das Bundesliga satt bietet. Wer den Bild-Stil mag, wie sich die Boulevard-Profis dem Sport und seinen Protagonisten nähern, der wird mit dem Neuling zufrieden sein. Es ist wirklich viel Fußball-Journalismus, den die Macher auf 24-Seiten komprimiert haben.

Tatsächlich stellt sich aber unweigerlich die Frage, ob die Nachrichtendichte hierzulande reicht, um jeden Tag ein solches Blatt zu füllen. In Italien, Spanien oder auch Frankreich, wo bereits erfolgreich tägliche Sportzeitungen am Markt sind, sorgt dieser Effekt seit jeher dafür, dass selbst kleinste Spekulationen groß aufgepustet werden. Die Fußball Bild ist tatsächlich eine mögliche Pendler-Alternative für Sportfreunde, die auf ihrem morgendlichen Weg zur Arbeit nun wieder auf bedrucktes Papier, statt auf ihr Smartphone starren wollen.

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Damit tritt der Neuling auch in direkte Konkurrenz mit der übrigen Tagespresse in den beiden Test-Gebieten. Immerhin wird in U-Bahnen und Vorortzügen oftmals als erstes der Sportteil aufgeblättert.

Interessant wird es sein zu beobachten, ob die Fußball Bild tatsächlich dem Mutterblatt Leser und Auflage klauen kann. Sollte das so sein, dürften sich die Springer-Manager insgeheim bestätigt fühlen. Denn das würde bedeuten, dass die Leser das Blatt annehmen.

Allen Interessierten, die nicht in den beiden Testgebieten wohnen und die trotzdem auf der Suche nach einem ersten Blick auf die neue Zeitung sind, dürften im Netz auf eine kleine Überraschung stoßen. Erst einmal will Springer auf jegliche Digital-Aktivitäten für den Neuling verzichten. So findet sich unter der Web-Adresse Fussballbild.de auch keine Marketing-Seite oder eine Weiterleitung zu einer anderen Verlagsseite, sondern eine alte Sammelbörse für Fußball-Bilder. Springer hat offenbar die Rechte an der URL nicht.

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Der Webmaster, der im April 2013 zuletzt aktualisierten Seite dürfte sich schon einmal über den zusätzlichen Traffic freuen. Bei Springer, immerhin so etwas wie der FC Bayern unter den deutschen Digital-Verlagen, dürfte der Blick auf die grelle Selfmade-Seite nicht nur Schmunzler hervorrufen.

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