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60 Jahre Bravo: der Weg zum Auflagen-Millionär und zurück

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Vor genau 60 Jahren erschien die erste Bravo. MEEDIA beleuchtet die Geschichte des Jugendmagazins anhand ihrer Auflagenentwicklung. Unsere Analyse zeigt, wie einzelne Stars immer wieder für Höhepunkte gesorgt haben, wie die Bravo von der Wiedervereinigung profitiert hat und wie schnell es seit Ende der 1990er Jahre nach unten ging.

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Bravo_1956_01Als die Bravo am 26. August 1956 zum ersten Mal unter dem Gründungs-Chefredakteur Peter Boenisch erschien, geschah das noch mit dem Untertitel „Zeitschrift für Film und Fernsehen“. Eine Jugendzeitschrift für Teenies, wie sie es später wurde, war sie zum Start noch nicht so recht. Auf den Titeln der ersten Jahre prangten vor allem Filmstars – von James Dean über Horst Buchholz, Maria Schell, Curd Jürgens bis Yul Brynner.

 

 

Bravo_1959_47Schon 1957 wurde das Themenspektrum erweitert, die Bravo wurde kurz zur „Zeitschrift mit dem jungen Herzen. Film – Fernsehen – Schlager“, verzichtete dann aber kurze Zeit später ganz auf einen Untertitel. 1959 übergab Peter Boenisch den Bravo-Chef-Posten an Liselotte Krakauer, die das bis Anfang der 1970er Jahre blieb. Zudem gab es 1959 den ersten Starschnitt – mit Brigitte Bardot. Aus dem Jahr 1959 stammt auch die erste IVW-Meldung. 381.853 Exemplare verkaufte die Bravo im zweiten Quartal 1959. Die Erweiterung der Inhalte auf Musik, die sich mit Helden wie Peter Kraus, Caterina Valente, Freddy Quinn und Rex Gildo auch auf die Titel auswirkte, gab der Bravo schnell einen deutlichen Auflagen-Push: Im vierten Quartal 1959 lag sie bei über 450.000 verkauften Exemplaren, im zweiten Quartal 1962 bei über 500.000 und im ersten Quartal 1963 schon bei über 600.000.

Bravo_1964_221964 landeten schließlich auch die Beatles auf dem Bravo-Cover. Womöglich waren auch sie dafür verantwortlich, dass im zweiten Quartal erstmals die 700.000er-Marke und im dritten direkt die 800.000er-Marke übersprungen wurde. Einer Ausgabe war sogar eine Beatles-Perücke zum Ausschneiden beigelegt. Ein weiterer Erfolgsgarant dieser Zeit waren für das Magazin die Karl-May-Filme mit Pierre Brice.

 

Bravo_1966_10Nachdem die Bravo im ersten Quartal 1966 trotz des neuen Preises von einer D-Mark mit einer verkauften Auflage von 1.018.588 schließlich erstmals die Mio.-Marke übersprang und einen Rekord aufstellte, ging es plötzlich rasant abwärts. In nur einem Jahr gingen über 300.000 Käufer verloren, die Auflage sackte im ersten Quartal 1967 auf 683.107 Exemplare und damit in etwa auf das Niveau vor dem Beatles- und Karl-May-Hype. Die Bravo hatte erstmals erfahren, dass sie sehr abhängig von einzelnen Stars sein konnte. Eine Erfahrung, die sie später noch öfter machte.

Bravo_1968_05Der Auflagensturz war nicht von Dauer, ausgehend von den 683.107 Exemplaren ging es bis Anfang 1970 zumindest wieder über die 800.000er-Marke hinauf. Auf den Titeln blieb man vornehmlich den Helden des deutschen Schlagers treu: Niemand war Ende der 1960er-Jahre so oft auf dem Bravo-Titel abgebildet wie Roy Black. Im Herbst 1968 war die Bravo im Übrigen vom Kindler & Schiermeyer Verlag zum Heinrich Bauer Verlag gewechselt. Im Mai 1972 erschien die erste Foto-Love-Story, die mit den Worten „Eine Aufklärung in Bildern“ auch direkt auf dem Titel beworben wurde.

Bravo_1972_43Der neue Chefredakteur Gert Braun, der im Herbst 1972 übernahm, internationalisierte die Bravo spürbar und verjüngte sie. Statt Chris Roberts und Udo Jürgens fanden sich auf den Titeln nun eher Alice Cooper und T.Rex. Der Auflage tat dieser Kurs überaus gut: Von rund 840.000 verkauften Exemplaren im vierten Quartal 1971 ging es innerhalb von nur zwei Jahren auf über 1,1 Mio. hinauf. Ein Rekord, der zwei Jahre halten sollte. Immer öfter fanden sich statt Musikern oder Filmstars inzwischen auch Aufklärungsthemen auf dem Bravo-Titel. „Der erste Kuß“ oder „So schützen sich Mädchen bei der sexuellen Liebe“. Zum Titel „Die Mädchen und ihr Busen“ gab es Ende 1974 auch erstmals genau so einen auf dem Bravo-Cover – nackt.

Bravo_1979_06Die Auflage entwickelte sich bis Ende der 1970er-Jahre überaus positiv. Im ersten Quartal 1979 verkaufte sich die Bravo erstmals mehr als 1,5 Mio. mal. Der gestorbene Elvis Presley, John Travolta und die Village People zierten damals die Titelseiten. Nach einer weiteren Auflage von mehr als 1,5 Mio. Exemplaren ein Jahr später gab es Anfang der 1980er-Jahre eine kleine Delle in der Verkaufskurve mit zum Teil nur noch 1,25 Mio. Exemplaren.

 

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Bravo_1983_25Aufwärts ging es dann wieder 1983 – allerdings nur für rund ein Jahr. Über viele Monate hinweg prangten fast nur zwei Stars auf den Bravo-Titeln: Nena und Limahl. Ende 1984 war der Hype um die beiden Sänger erstmal zu Ende, die Bravo fiel auf 1,1 Mio. verkaufte Exemplare. Bis etwa 1987 schwankte die Auflage dann zwischen diesen 1,1 Mio. und 1,3 Mio. Inzwischen schafften es immer mehr Fernsehserien auf die Titelseite: „Miami Vice“ mit Don Johnson, „Fackeln im Sturm“ mit Patrick Swayze oder „Alf“. Ende der 1980er-Jahre fiel das Jugendmagazin dann mangels großer Stars erstmals seit Mitte der 1970er wieder unter die Auflagen-Million.

Bravo_1991_16Gerettet wurde die Auflage dann durch die Wiedervereinigung. Die Menschen in den fünf neuen Bundesländern, die über Jahrzehnte hinweg die Bravo nur vom Hörensagen oder vielleicht ab und zu mal als geschmuggeltes Exemplar kannten, kauften das Magazin nun in gigantischen Mengen. Als im ersten Quartal 1991 erstmals auch die Verkäufe in den neuen Ländern von der IVW gezählt wurden, verbesserte sich die Bravo im Vergleich zum Vorjahr um 53% von 1,04 Mio. auf 1,58 Mio. Dieser Rekord aus dem Jahr 1991 steht bis heute und wird wohl auch nie wieder erreicht werden. Häufige Titelhelden damals: der längst vergessene Schauspieler Richard Grieco, Roxette und – ja – David Hasselhoff.

Bravo_1995_01Nachdem die Bravo-Auflage bis 1993 auch unter dem 1992 angetretenen Chefredakteur Gerald Büchelmaier wieder auf etwas mehr als 1,2 Mio. Exemplare geschrumpft war, ging es im dritten Quartal 1995 nochmal auf 1,43 Mio. hinauf. Dort blieb sie auch weitgehend bis 1997. Es waren die Jahre der Kelly Family und von Take That, die dem Magazin nochmal solch gigantischen Verkäufe bescherten. Nach der Take-That-Auflösung 1996 sorgten auch noch die Backstreet Boys, Caught in the Act und andere Boybands für gute Auflagen.

Bravo_1998_06Ende der 1990er-Jahre war der Boyband-Hype vorbei, große Stars waren erstmal nicht mehr zu sehen und am Horizont tauchte auch das Internet für immer mehr Menschen auf. Eine lebensbedrohliche Gefahr für viele Print-Objekte. Die Bravo jedenfalls rutschte Ende 1998 wieder unter die Million, im zweiten Quartal 2000 sogar auf nur noch 680.101 verkaufte Exemplare. Der schwächste Wert seit den 1960er-Jahren. An der Bravo-Spitze wechselten die Chefs inzwischen schneller: Im März 1999 trat Jürgen Stollberg an, 13 Monate später Uli Weissbrod.

Bravo_2001_16Über die Million ging es zwar nie wieder, doch in den Jahren 2001 und 2002 gab es noch einmal vier Quartale mit mehr als 800.000 Käufern. Britney Spears war hier der Haupt-Faktor. Die Sängerin zierte in der Zeit unzählige Bravo-Titel. Mit der ersten „Deutschland sucht den Superstar“-Staffel gab es Anfang 2003 noch einmal einen kleinen Auflagenschub auf 742.296, doch danach ging es weiter nach unten denn je. Ende 2003 – inzwischen hieß der Chefredakteur Jürgen Bruckmeier – auf 617.318 Exemplare, Ende 2004 – wieder gab es mit Alex Gernandt einen neuen Chef – auf 504.724 und Mitte 2005 mit Tom Junkersdorf als neuem Chefredakteur auf nur noch 454.302.

Bravo_2005_47Das nächste Auflagen-Glück der Bravo hieß Ende 2005 und 2006 Tokio Hotel. Woche für Woche gab es Neues von den Teenie-Stars aus Magdeburg. Folge: Im ersten Quartal 2006 verzeichnete die Bravo noch einmal 611.559 Verkäufe. Ende 2006 waren es dann aber wieder nur noch rund 460.000. Zum bislang letzten Mal mehr als 500.000 verkaufte Exemplare erreichte das Blatt im dritten und vierten Quartal 2009. Hauptgrund: der Tod von Michael Jackson, den die Bravo wochenlang aufgriff und so an den vielleicht letzten großen Pop-Weltstar erinnerte.

Bravo_2016_08Der Rest ist schnell erzählt: Ende 2010 gab es erstmals weniger als 400.000 Bravo-Käufer, Ende 2012 nur noch etwas mehr als 250.000 und Ende 2014 noch ganze 124.265. Die Ära der Bravo war so gut wie zu Ende. Die Chefredakteure hießen zwischenzeitlich Philipp Jessen, er blieb von 2010 bis 2012 und erneut Alex Gernandt, der noch einmal bis 2013 übernahm. Einen kleinen Hoffnungsschimmer bescherte dem Magazin 2015 dann die Umstellung auf 14-tägige Erscheinungsweise unter der seit Mai 2013 amtierenden Chefin Nadine Nordmann. Die Verkaufszahl steigerte sich zwischenzeitlich immerhin wieder auf über 170.000. Die jüngste Zahl aus dem zweiten Quartal 2016 liegt allerdings wieder nur noch bei 131.487 und damit fast auf historischem Minusrekord-Niveau. Ob die Bravo ihren 70. Geburtstag im Jahr 2026 auch noch als Print-Magazin feiern kann, erscheint fraglich.

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(größere Version nach dem Klick auf die Grafik)

 

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