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Neue Struktur und Börsenpläne: Verleger Timo Busch sucht Investoren für sein Entertainmentreich

Verleger Timo Busch und die Top-Titel des Münchner Fachverlag Entertainment Media
Verleger Timo Busch und die Top-Titel des Münchner Fachverlag Entertainment Media

Der Kino & Co-Gründer und Verleger Timo Busch plant, den hart umkämpften Markt für Fachpublikationen aufzumischen. Er will seine Busch Group über Eigenentwicklungen wie eine Webplattform für die gesamte Kreativwirtschaft und über Akquisitionen zu einem führenden Verlagshaus in diesem Segment ausbauen. Dafür sucht er Investoren und wandelt hierfür die Muttergesellschaft in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien um. Sie soll perspektivisch an die Börse gehen.

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Organigramme, Grafiken, bunte Bilder – plakativ präsentiert Timo Busch auf 20 Seiten seine „Buy-and-Build“-Strategie. Sein Ziel ist ehrgeizig. Der Verleger, der Mitte 2014 vom Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr den Münchner Fachverlag Entertainment Media unter anderem mit den Spezialpublikationen Blickpunkt:Film, Musikwoche sowie den Publikumsmedien Treffpunkt Kino und kino.de übernommen hat, will mit seinem Firmenreich zu einem der führenden Medienhäuser für „creative Professionals“ aufsteigen, heißt es vollmundig in seiner Präsentation.

busch-group_zielstruktur-2017Zielstruktur für das Jahr 2017

Dafür sucht der Unternehmer derzeit kapitalkräftige Investoren. Sie sollen sich an der Muttergesellschaft, der Busch GmbH, in Köln beteiligen, deren Rechtsform hierzu derzeit in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien gewandet wird. „Wir öffnen uns für Investoren, um unser künftiges Wachstum sowie die Zukäufe weiterer Fachverlage zu finanzieren“, erläutert Busch seine Pläne. Dabei sieht der Unternehmer gute Ertragsperspektiven. „Fachverlage zu kaufen und sie zu restrukturieren, ist ein etabliertes Geschäftsmodell. Diesem folgen wir und konzentrieren uns thematisch auf die Kreativwirtschaft“, unterstreicht der Geschäftsmann. Dabei sei denkbar, dass er die Verkäufer von Fachverlagen auch in Aktien der Busch KGaA bezahlt. Im Visier hat er nicht nur nationale Häuser, vor allem im Ausland sieht er gute Zukaufsmöglichkeiten.

Perspektivisch sei zudem ein Gang der Busch KGaA aufs Börsenparkett geplant. „Wir streben mittelfristig eine Börsennotierung an“, sagt der Entertainment-Spezialist. Dafür bereitet er bereits die notwenigen Schritte vor, wie beispielsweise die Umstellung des Berichtswesens auf den internationalen Standard IFRS. Derzeit sind bereits zwei Investoren bei der Muttergesellschaft an Bord: Torsten Glatz, Geschäftsführer und Unternehmensgründer des Mediendienstleisters impress Media GmbH aus Mönchengladbach sowie die Aachener Kreativagentur Crolla Lowis. Sie halten jeweils zehn Prozent am Aktienkapital der Busch KGaA, die restlichen Anteile befinden sich in den Händen von Timo Busch.

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Das von Investoren stammende Geld will der Jungunternehmer vor allem dazu einsetzen, um Anfang nächsten Jahres eine webbasierte Plattform namens creativebase für die gesamte Kreativbranche einzuführen. Von Werbe-, Film-, Kunstbetrieben bis zu Filmproduktionen, Design-, Musik- und Softwareunternehmen – alle Firmen aus dem Mediensektor sollen hierüber kommunizieren. „creativebase ist als eine Art LinkedIn für Kreative gedacht. Es soll ein Ort werden, an dem sich die gesamte kreative Community versammelt, um sich hierüber zu vernetzen, Daten über Personen, Unternehmen und Produkte zu recherchieren und Stellengesuche aufzugeben“, sagt der Geschäftsmann.

Dazu will er das digitale B2B-Angebot Mediabiz in die neue Plattform integrieren, die dann unter dem Dach der creativebase AG angehängt werden soll. Mediabiz ist der Fachinformationsdienst für die Film-, Video-, Game- und Musikindustrie, die als Dachmarke die diversen Titel der Busch Entertainment Media vereint. Auch andere Fachverlage sollen sich bei creativebase einbringen, um ihre zahlreichen Inhalte für Nutzer zugänglich zu machen. Dadurch soll die Plattform schneller wachsen – auch international.

Busch ist in der Branche der Entertainment Medien kein Unbekannter. Er hat das Magazin Kino & Co gegründet und 2009 verkauft. Außerdem hat der Mann mit dem Vollbart unter der Flagge der Verlagsgruppe Film Fachverlag unter anderem für die Cineplex-Kinos Internet-Auftritte gestaltet. 2014 gelingt ihm jedoch sein bislang größter Coup. Er übernimmt von Gruner + Jahr den auf die Unterhaltungsindustrie ausgerichteten Fachverlagsarm in München, die G+J Entertainment Media. Sukzessive relauncht er Titel wie Blickpunkt:Film, Gamesmarkt oder Musikwoche, stellt die Erscheinungsweise von Gamesmarkt von vierzehntägig auf monatlich um. Dem Unternehmen verordnet er eine Schlankheitskur, der Umsatz im Kerngeschäft halbiert sich daher von zwölf auf 6,5 Millionen Euro. „Wir haben Entertainment Media einer harten Restrukturierung unterzogen und inzwischen rund 50 Mitarbeiter abgebaut“, konstatiert der Firmenchef. Derzeit beschäftigt Busch Entertainment Media rund 60 Angestellte. Gerüchte, dass vereinzelt Gehälter an Mitarbeiter nicht bezahlt wurden, weist der Medienmacher energisch zurück.

Der Belegschaft stehen aber weitere Veränderungen ins Haus. So wurden vor Kurzem die Titel in einzelne GmbHs – darunter die Blickpunkt:Film GmbH, GamesMarkt GmbH, MusikWoche GmbH – ausgegliedert. „Wir sprechen derzeit mit dem Betriebsrat, die Mitarbeiter der jeweiligen Teilbetriebe in die drei Gesellschaften zu übernehmen“, betont der Verleger. Zudem will der künftige CEO der Busch KGaA noch in diesem Jahr mit jedem einzelnen Arbeitnehmer über die Vergütung reden. Busch: „Jeder Mitarbeiter soll Aktien der Busch KGaA erhalten. Zudem soll er neben einem Fixum auch eine zusätzliche Vereinbarung über eine Ausschüttung bekommen, die sich am Gewinn der jeweiligen GmbH orientiert“. Geplant ist ferner, zum 1. Januar 2017 die Busch Entertainment Media auf die Busch KGaA zu verschmelzen. Damit würde die Marke Entertainment Media verschwinden.

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Alle Kommentare

  1. 6 Mio weniger Umsatz. Was ist denn das für eine Schlankheitskur? Da hat wohl einer nicht verstanden, dass man beim Resteukturieren Kosten statt Umsatz senkt… und dann 50 MA abgebaut. 50 MA x 80k Jahresgehalt = 4 Mio. Einsparung gegen 6 Mio. Umsatzverlust. Wer da investiert, ist selber Schuld…

  2. Jetzt versteht man, warum ein ehemaliges gut gemachtes Fachmagazin wie „Blickpunkt Film“ keine wirklich relevanten Branchen news mehr bringt.

    Journalistisch scheinen sich die wenig verbliebenen Redakteure aufs zitieren der US Branchenblätter zu verlassen. In depth Interviews, kritische Hinterfragenden – Fehlanzeige. Der Online Auftritt sieht genau so aus, wie vor 10 Jahren. Altbacken. Ordentliche Fotostrecken? Nein, aber immer noch thumb große Bildchen, deren Qualität aus der Anfangszeit des Internets erinnern. Eingebettet Videos? Eigene (kritische) Kritiken via Bewegtbild?

    Der Kino / Film Markt ist immer noch eine Größe, in einer Nische. Wird aber journalistisch kaum mehr wahrgenommen. Blickpunkt Film war da in der Vergangenheit eine Ausnahme – war eine.

    Ein geplanter Börsengang erinnert an die traurigen Zeiten der new economy. Siehe Senator Film. Das letzte Aufbäumen, was empfiehlt da einem die Bank: Gehen sie doch an die Börse…

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