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Nachrichten mit Gebrauchsanweisung und das Jesus-Erlebnis eines Bild-Chefs

Ein bisschen Glauben geht nicht, ein bisschen Turmspringen schon. Auch im Bild: Jochen Wegner und Florian Harms
Ein bisschen Glauben geht nicht, ein bisschen Turmspringen schon. Auch im Bild: Jochen Wegner und Florian Harms

Zeit Online und Spiegel Online liefern in dieser Woche News, für die man eigentlich eine Gebrauchsanweisung braucht. Ein Bild-Journalist findet zu Gott und schreibt darüber ein Buch und dank Zeitverschiebung lernen wir Erstaunliches über Randsportarten bei Olympia. Im MEEDIA-Wochenrückblick.

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Eine eilige Eilmeldung von der ausgeruhten Zeit Online-Redaktion tickerte am Dienstag in meinen Twitter-Ticker:

Wie bitte? „Eil: Welt erneut besser geworden“, weil Flüchtlinge eine App gegen den deutschen Bürokratie-Irrsinn erfunden haben? Vielleicht ist es eine Déformation professionnelle, dass das in meinen Ohren klingt wie eine Satire-Meldung vom Postillon. Ist es aber nicht, ist alles ganz ernst und vor allem gut gemeint. „Eil: Welt erneut besser geworden“ ist nämlich das erklärte Constructive Journalism Experiment bei Zeit Online. Chefredakteur Jochen Wegner hatte das unlängst in einem Grundsatzbeitrag angekündigt und dabei sogar schon vorweggenommen, bei der Zeit würde man vermutlich sagen: antizipiert, dass dieser Satz als Push-Nachricht auf dem Handy „schwer vermittelbar“ ist. Jap, stimmt. Er ist schwer vermittelbar. Vor allem, wenn man als Leser nicht weiß, welche Absicht dahintersteckt, nämlich dass hier ganz konstruktiv deutlich gemacht werden soll, dass die Welt nicht nur aus Terror, Hass und AfD besteht. Ich werde wohl kein Freund mehr von dem Konzept Constructive Journalism. Journalismus sollte einfach Journalismus sein. Im Idealfall weder constructive noch destructive. Harald Schmidt hat mal gesagt: „Gut gemeint ist schlecht gemacht.“

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Am Donnerstag dieser Woche fiel mir bei Spiegel Online auf, dass die Homepage am Morgen gefühlt nur aus Nachrichten und Berichten zum Syrien Konflikt bestand. Eine wichtiges Thema, keine Frage. Aber in dieser Massierung? Die Erklärung lieferte der Spiegel Morgenletter „Die Lage“. Dort erläutert Mathieu von Rohr, stellvertretender Ressortleiter Ausland des Spiegel, dass dieser Donnerstag ein Syrien „Spezialtag“ bei Spiegel Online. Das ist gut und recht aber man sollte es vielleicht auch Nicht-Lesern des hauseigenen Morgen-Letters erklären. Sowohl bei den eiligen Gut-Nachrichten von Zeit Online als auch beim Syrien „Spezialtag“ von Spiegel Online braucht man eine Gebrauchsanweisung, wie denn dieses Nachrichtenangebot nun zu verstehen ist. Frage: Ist das gut? Antwort: Nein.

Journalisten, die Bücher schreiben, sind kein ganz ungewöhnliches Phänomen. Wenn ein Boulevardjournalist von Bild in einem Buch schildert, wie er zu Jesus und Gott fand, dann ist das aber schon einer Erwähnung wert. Daniel Böcking ist stellvertretender Chefredakteur bei Bild.de und Autor des Buchs „Ein bisschen Glauben gibt es nicht – wie Gott mein Leben umkrempelt.“ Im Begleittext des Verlages heißt es: „Daniel Böcking hat es gewagt, sich frei zu Jesus zu bekennen und Veränderungen zuzulassen. So hat er den Sinn gefunden in allem, was er tut, und auch seine von Gott gegebene Aufgabe.“ Damit meint er dann aber hoffentlich nicht seinen Job. So lange er nicht zum nächsten Matussek mutiert, soll es recht sein.

Auch beim Olympia gucken? Die Zeitverschiebung hat zur Folge, dass die absoluten Top-Highlights aus Rio eher zu später und spätester Stunde bei uns live im TV laufen. Na und? Dann schaltet man halt um 20.15 Uhr Olympia ein und es läuft Synchron-Turmspringen der Herren. Auch interessant. Die Sportart wirft aber Fragen auf: Warum zum Beispiel duschen die jungen Männer ständig? Müssen die wirklich die ausrangierten, weil zu knappen Badehosen der Beach-Volleyballerinnen auftragen? Wieso baden die Springer zwischen den Sprüngen in Whirlpools, die aussehen als habe man sie kurz vor Olympia in einem drittklassigen Baumarkt erstanden? Und natürlich: Warum zum Teufel wurde das Wasser im Sprungbecken auf einmal grün? Angeblich soll das daran liegen, dass zur Wasseraufbereitung verwendete Chemikalien aus den Tanks ausgelaufen sind. Diese hätten dann das Wasser grün gefärbt. Diese verstörende Information ist aber nun wirklich ungeeignet für die Rubrik „Eil: Welt erneut besser geworden“.

Schönes Wochenende!

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