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Alpenträume reloaded: Wie sich das Motorpresse-Magazin outdoor (immer wieder) selbst kopiert

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Das Magazin outdoor, Lektüre für Trekking-Fans, will in seiner neuesten Ausgabe die Welt der Alpen näher bringen und widmet seinen Titel dem Bergwanderer-Paradies Südtirol. Abonnenten der Zeitschrift aus der Motorpresse dürften sich wundern: Alpenträume? Da war doch was? Genau! Vor exakt einem Jahr brachte outdoor schon einmal den gleichen Titel, mit gleichem Inhalt.

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Es gibt Titelgeschichten, die kehren immer wieder. Da ist der jährliche Mallorca-Titel des stern zu nennen oder immer wieder abgewandelte Versionen von Rückentitel-Geschichten oder Diät-Schlagzeilen auf den großen Publikumsmagazinen. Oder der Jogging-Titel im April-Heft. Solche Cover-Stories wiederholen sich in unregelmäßigen Abständen, weil ihre Macher sie für beliebt und damit erfolgsversprechend halten. Das ist sicher alles andere als originell oder innovativ, aber es  sind (in sich aktualisierte) Ausnahmen. Anders sieht das beim Fachmagazin outdoor aus.

Die Produktion aus dem Hause Motorpresse Stuttgart richtet sich an Trekking-Fans und erfreut sich großer Beliebtheit. Entgegen des allgemeinen Trends steigert outdoor seine Auflage in bemerkenswerter Weise. 40.157 Verkäufe verzeichnete das Heft laut IVW im zweiten Quartal dieses Jahres und legte damit im Vergleich zu 2015 6,6 Prozent zu. Den Abonnentenstamm konnte outdoor um 8,5 Prozent steigern, im Einzelverkauf legte das Heft sogar um ordentliche 10,3 Prozent zu. Mit Blick auf die Titel lässt sich dieser Erfolg nur schwer erklären. Denn augenscheinlich macht es sich die Redaktion ziemlich einfach, wandelt bereits erschienene Stories und Themen immer wieder ab und kopiert Titel sogar weitgehend, wie folgendes Beispiel zeigt.

Bei der aktuellen September-Ausgabe macht outdoor den Titel mit „Alpenträume“ auf und zeigt „die besten Bergtouren“, „Geheimtipps“ und „Abenteuer“ in Südtirol. Dazu gibt es die „schönsten Klettersteig-Routen“, eine Story „Unterwegs in Norwegen“ sowie „15 neue Bergwanderschuhe im Test“ und einen Schlafsack-Test. Vielen Abonnenten dürfte das bekannt vorkommen. Den gleichen Titel mit den gleichen Geschichten gab es nämlich ziemlich genau ein Jahr zuvor, ebenfalls in der September-Ausgabe. Da waren es nur noch nicht die „besten“ Bergtouren, sondern „großartige“. Auch waren es damals nicht die „schönsten“ Klettersteig-Routen, sondern die „besten“. Man hat nicht die „urigsten Hütten“ Südtirols gezeigt, aber dafür „einsame Wege“. Beim Schuhtest ersetzte man für die neue Ausgabe die Unterzeile. Aus „Vielseitig, komfortabel und leicht – die neuen Alleskönner“ wurde: „Vielseitig, griffig und komfortabel – Alleskönner im Check“. Und fertig ist das Heftkonzept.

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Links die outdoor-Ausgabe vom September 2015, rechts die Septemberausgabe 2016

Der Verlag Motorpresse Stuttgart erklärt das so: „Diese Titel-Strategie mit ähnlichen Zeilen speist sich aus jahrelanger Erfahrung, ist gestützt durch die Ergebnisse von Marktforschung und Leserbefragungen und mit Blick auf die Auflagenentwicklung von outdoor auch erfolgreich.“ Das Thema (Berg-)Wandern sei „stark saisonbezogen“, man wolle den Lesern die Regionen und Routen vorstellen, „die für die jeweilige Jahreszeit die besten sind“, erklärt ein Sprecher weiter. „Im September dominiert traditionell das Thema Alpen, weil dies die beste Zeit für alle Arten von Wander- und Klettervergnügen ist. Deshalb gleichen sich die Themen auf den ersten Blick durchaus.“ Man könnte es auch so sagen: Das Leserpublikum von Outdoor ist für Wiederholungen besonders dankbar und hat womöglich ein nur elf Monate lang funktionierendes Gedächtnis. Die Redaktion dürfte mit diesem Kniff indes besonders kostenschlank aufgestellt sein.

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Tatsächlich ist die September-Ausgabe keine Ausnahme. Ein Blick ins Archiv zeigt: outdoor recycled regelmäßig. Ein paar Beispiele:

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Aus Berg- wird das Alpenparadies: Die outdoor-Ausgaben 06/15 und 07/16

 

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Bewährt sich bereits seit 2014: Die schönsten outdoor-Urlaube in den August-Ausgaben 2014, 2015 und 2016

Beim Stuttgarter Medienhaus sieht man auch darin kein Problem. Denn freilich, so beteuert der Motorpresse-Verlag, bedeuten die identischen Titel nicht, dass dieselben Inhalte einfach erneut abgedruckt werden. Die Geschichten seien „selbstredend originär“ und „können“ sich im Inhalt „erheblich“ unterscheiden.

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Alle Kommentare

  1. Wichtiger wäre aber, wie identisch der Content war.

    Wird dann auch kritisiert, wenn Warentest nach dem Test Jahrbuch 2015 (und 2014 und 2013 und 2012…) das „Test Jahrbuch 2016“ herausbringt ?
    Ich würde es online begrüßen, wenn man reguläre Berichte einheitlich nennen würde. Das Auffinden von Artikeln bei News-google ist oft leider sehr schwer.

    Relevant ist also weniger die Titel-Stabilität.
    „Die besten 15(5*günstig/5*Familie/5*Hochwertig) Hotels in Mallorca“ wäre als jährlicher Bericht der Bild, Spiegel, Focus,… sogar sinnvoll. Oder „Die besten Android-Handies bis 150 Euro“, danach „100-350 Euro“ und „ab 300 Euro“ und das alle 3 Monate in der Computerbild oder ct wäre kaum kritik-würdig, wenn der Inhalt aktuell ist, und nicht nur copy-pasted wurde.

    Das in der Tageszeitung die Astronomie-Tipps jeden Monat oder Garten-Tipps (aktuell wohl Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Tomaten, Vorbereitungen für Laub) oder Gesundheits-Tipps jeden Monat (Allergien im Frühjahr, Mücken und Hitze im Sommer, Erkältungen im Winter,…) je nach Jahreszeit deutlich wiederholen ist wohl auch wenig überraschend.

    “ Die Redaktion dürfte mit diesem Kniff indes besonders kostenschlank aufgestellt sein. „.
    Ich glaube die taz hatte wohl mal aufgedeckt, das PR-Berichte in Zeitungen platziert werden können. Auch Arzt-Anruf-Sprechstunden zu irgendwelchen Krankheits-Themen (Herz, Alter, Kopfschmerzen, …) von Zeitungen mit passendem Lob von (lobbysierten, PR-machenden) Medikamenten waren wohl nicht un-üblich.
    Sehr viele machen es sich leichter als der Leser denkt.
    Einfach mal nach „meisten Medien“ in
    http://t3n.de/news/kleiner-entwickler-app-store-spitze-727119/
    suchen.

    t3n schreibt zB dran, wenn sie zu Events eingeladen wurden. (Das war ein klarer Hint).
    Ihr hier macht Data-Journalismus indem Ihr die Zahlen auswertet welche alle 1-2(Media-Analyse? Leser-Reichweiten) Jahre oder halt monatlich(IVW, AGOF,…)/täglich(TV) herauskommen und hin und wieder was neues bringt. Sobald man die Daten im SQL hat, kann man sie ja bequem automatisch auswerten.
    Aber nicht jeder hat Zeit, Lust, Budget, Motivation,… für viel Arbeit und vieles sind halt nur Agentur-Meldungen welche quasi „re-labeled“ werden und nur oben eine andere URL aber unten derselbe Text drin steht, was bei Print-Tages-Zeitungen jahrzehntelang und immer noch aktuell ist. Durch Online-Zugriff auf viele Medien oder News-Google (vor den aktuellen Änderungen) erkennt man es halt eher. Aber in unterschiedlichen Supermarkt-Ketten sind viele Marken-Produkte ja auch identisch und keiner jammert deswegen.

    Ich würde sogar begrüßen, wenn z.b. CT, Computerbild,…-Artikel oder aus anderen Fach-Zeitschriften (Auto, Fahrrad, Garten,…) in gekürzter/für den Leser angepasster Version in den Tageszeitungen wiederbenutzt würden. Das findet leider nicht oder kaum statt oder lässt den Autor (ohne wahre Notwendigkeit) ähnliche Artikel in zwei unterschiedlichen Medien schreiben statt (wie bei Auto-Firmen usw.) Dinge wiederzubenutzen. Ein guter Artikel in zwei Medien ist besser als zwei halb-gare (oder nur copy-pastete) PR/Agentur-Meldungen wo erst in den Kommentaren die fehlenden/interessanten Ergänzungs-Informationen stehen.
    Readers Digest gibts ja auch…

  2. Der Kalender bei der Motorpresse scheint auch ohne Tempolimit zu laufen.
    Heute ist der 9. August und es gibt schon das Septemberheft.
    Immerhin sind es ja andere Bilder und im Test auch andere Ausrüstung.
    Hilfreich für den Leser wäre es, neben der Presserechtlich notwendigen Fotografenangabe IMMER genau zu schreiben, was man sieht: „Blick aus der X-Scharte zum Y-Kofel.“ Da kann man dann selbst mit einer (analogen oder dikitalen) Karte sehen, ob es ein persönlich realistisches Ziel ist. Ansonsten wird es unkonkrete Träumerei und das Heft irgendwann wirklich langweilig.

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