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Lieferroboter und Paketdrohnen: Die schöne neue Zustellwelt

Fahrende Stolperfallen: Hermes testet in Hamburg und Düsseldorf Zustellroboter
Fahrende Stolperfallen: Hermes testet in Hamburg und Düsseldorf Zustellroboter

Ein ungewöhnliches Bild wird sich in wenigen Wochen Passanten in Hamburg und Düsseldorf bieten. In zwei Pilotversuchen sollen dort neuartige Lieferroboter über die Bürgersteige rollen und Kunden des Paketdienstes Hermes und der Elektronikkette Media Markt bestellte Sendungen direkt bis zur Haustür bringen. Eine der Fragen die bei dem Projekt geklärt werden soll: "Wie reagieren die Menschen?"

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Von Erich Reimann und Almut Kipp, dpa

Mit einer Geschwindigkeit von bis zu fünf Stundenkilometern sollen die kleinen, vom estländischen Unternehmen Starship Technologies entworfenen Roboter auf sechs Rädern weitgehend selbstständig über die Bürgersteige wieseln. Neun Kameras erleichtern ihnen dabei die Orientierung und sollen Zusammenstöße mit Fußgängern und Laternenmasten verhindern. Ganz auf sich gestellt sind die Roboter aber nicht: Im Hintergrund wacht ein Aufseher, der bei Problemen eingreifen und sich bei Bedarf sogar mit den Kunden und Passanten unterhalten kann.

Die Hoffnung des Handelsriesen Metro, zu dem Media Markt gehört: Die Roboter sollen schon bald eine schnelle und gleichzeitig preiswerte Belieferung der Kunden „in nahezu Echtzeit“ ermöglichen. Auch Starship-Vorstandschef Ahti Heinla betont, Ziel sein ein besserer Kundenservice verbunden mit einem geringem Kostenaufwand.

„Der Einsatz von Robotern kann die Zustellung von Päckchen und Paketen speziell im städtischen Raum nachhaltig revolutionieren“, meint auch Hermes Deutschland-Chef Frank Rausch. Ein solches Serviceangebot könne in der alternden Gesellschaft auch für die Zustellung von Medikamenten oder Lebensmitteln genutzt werden.

Andere Konzerne – wie der Internetriese Amazon oder die Deutsche Post – setzen auf Paketdrohnen, die die Lieferungen auf dem Luftweg zum Kunden bringen sollen. Zu Jahresbeginn flog eine Post-Drohne drei Monate im oberbayerischen Reit im Winkl immer wieder die acht Kilometer lange Strecke vom Tal bis zur Alm auf 1200 Meter Höhe und lieferte dabei insgesamt 130 Pakete ab. Mit der Drohne hofft die Post, die Belieferung in dünn besiedelten Gebieten auf Inseln oder Bergen verbessern zu können. Auch Amazon will im kommenden Jahr einen Feldversuch mit Lieferdrohnen in Großbritannien starten.

Ob so viel High-Tech wirklich der Königsweg ist, um die Belieferung in Zukunft kundenfreundlicher zu gestalten, ist allerdings umstritten. Der Logistik-Experte Herbert Kotzab von der Universität Bremen jedenfalls rechnet so schnell nicht mit Schwärmen von Paketdrohnen am deutschen Himmel. „Bei besonderen Einzelfällen – etwa bei wichtigen Ersatzteilen oder bei Organspenden – ist Transport mithilfe von Drohnen denkbar. Aber für die breite Masse kann ich mir das in den nächsten fünf Jahren nicht vorstellen“, sagt er. Es fehle schon an der notwendigen Infrastruktur und geeigneten Kontrollmechanismen.

Auch was die Zukunft der Lieferroboter angeht, ist er eher skeptisch: „Das sind sehr schöne Überlegungen, die aber den Alltagstest wohl nicht überstehen würden“, sagt er. Viele Kunden würden schlicht Probleme mit der Technik haben. Das sieht der Hermes-Chef natürlich anders: „Ich habe die stille Hoffnung, dass die Roboter die neuen Tamagotchis des Sidewalks werden.“

Tatsächlich steht nach einer repräsentativen Umfrage des Beratungsunternehmens PWC die Mehrzahl der Bundesbürger derartigen Innovationen eher skeptisch gegenüber. Nicht einmal jeder Dritte kann sich demnach eine Zustellung per Flugdrohne vorstellen. Drei Viertel der Befragten finden, diese Art der Luftpost berge ein hohes Unfall- und Schadensrisiko.

Viel lieber würden sie das Zustellproblem auf eine eher altmodische Weise lösen und sich ihre Pakete ganz einfach an den Arbeitsplatz schicken lassen – wenn der Arbeitgeber dies nur erlauben würde. Wo das nicht der Fall ist, bauen die meisten beim Thema Paketannahme weiter auf ein altbewährtes Rezept: Bei ihnen nimmt der Nachbar die Pakete an.

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Alle Kommentare

  1. Ergänzung zum Vor-Redner: Wer nicht will, braucht ja nicht.
    Verlässliche Nachbarn oder Hausfrauen die auf Postmänner warten hat nicht jeder.
    Die schlechten Arbeitsbedingungen bei den Zustellern sind allerdings auch bekannt. Rot-Grün hätte das regeln können. War wohl weniger wichtig als Abendsonne, Pöstchen und Pensionen persönlicher Partei-Freunde…

    Dicker QR-Code-Aufkleber am Balkon und die Drohne wirft es ab und macht ein Foto und per Email an den Empfänger…

    Das Mutter-LKW die Drohnen starten und reloaden oder sich (wie die Sittich-Kolonie von Köln) an Ampeln einfinden und Aufladen hatte ich schon vor Jahren als Idee. wie üblich wurde man gemobbed und daher dürfen die Amerikaner (in üblich schlechter Qualität) meine Ideen (oft recht schwach) umsetzen obwohl man es hier auch hätte realisieren können (ohne Investments, reine Trivial-Programmierung und so das sogar mal jeder zufrieden ist) wenn die Kostenrisiken es nicht uninteressant machen würden… Steuer-Spar-Startup-Holding-Ketten-Briefkasten-Firmen in Höchstpreis-Mietgebieten sind anscheinend viel besser für das Land und Berlins(die Gemeinde/Bundesland ist gemeint) Schulden-Stand…

    Die mehreren Euros Aufschlag für 1h-Lieferung sind vermutlich für Dienstleister in Firmen hilfreich. Oder sollen die in die Zentrale oder zum Großhändler fahren. Auf EURE Kosten ? Na also. Vom Sanitär-Großhändler erwarte ich eigentlich, das er Azubis mit Mofa hat, welche Teile on Demand liefern. GPS machts möglich. Früher hätte man sich darum gerissen.

    Das man Drop-Boxen (also per Handy-Code öffnungs-bare Schliessfächer oder Automaten wie diese Zigaretten-Ausspuck-Geräte) an Bahnhöfen oder Haupt-Kreuzungen und natürlich Autobahn-Parkplätzen aber auch an Camping-Plätzen/Schrebergarten-Siedlungen und Plattenbau-Gebieten oder Köln-Berg (wo Danni Lowinski wohl wohnt) hat, ist ja wohl klar: SD-Karten, USB-Sticks gibts sogar schon an der Supermarkt-Kasse. Ladekabel, Ladeteil usw. muss nicht so viel kosten wie am (leider sehr teuren) Flughafen-Automaten und kann man immer mal versehentlich im Hotel oder unterwegs liegen lassen.

    Die Amazon-Manager und der hochbegabte Bezos waren wohl völlig überrascht von Amazon-Lagern-Und-Liefern. Die wussten wohl trotz dickem BWL-Diplom sicher von der Wharton-School/Harvard/Stanford/… und hunderttausenden Dollars Studien-Krediten (pro Person und pro Familien-Mitglied, nicht pro Aufsichts-Rat und alle Angestellten zusammen) anscheinend nicht einmal, wie teuer das die kleinen Händler kostet und da dicke Arbitrage (=Kosten-Einsparungen für kleine Händler) drin steckt.
    Da ist denen wohl der kleine Kunde auch nicht so wichtig und wie er ans Paket kommt. Man weiss minuten-genau, wann wo welches Paket ist und kann haargenau sehen, wann/wo/wieso Kunden es nicht so schnell wie möglich in den Fingern halten.
    Einen Kühlschrank taut man ja auch nicht absichtlich langsamer als nötig ab, sondern verzögerungsfrei um die Kundenzufriedenheit zu maximalisieren.
    Bei den wahren China-Restaurants mit großen Giga-Dreh-Tellern wird ja auch dafür gesorgt das nach 5 Minuten was zu essen drauf liegt und ständig Nachschub gesorgt.
    China ist mal wieder schlauer… Die Rückfrage-Option gabs dort bei Amazon schon vor über 10 Jahren glaube ich.

    Das Gerede von angeblicher Kunden-Orientierung können wir schon von Tim Cook nicht mehr hören und noch weniger glauben. Da sollten die anderen Manager besser ganz still sein und auf Interviews verzichten welche die kleinen Kunden (und oft leider Opfer oder Betroffene) nur noch mit Verachtung lesen während klar wird, das der Boni-Manager mit vielen Bediensteten nicht die geringste Ahnung von der Realität (z.b. Paket-Zustellung oder vorher schon Produkte suchen/finden/auswählen/…) hat.

    Welche Software funktioniert ? Welches sind die Heldentaten der BITKOM ? Flughafen-Planungs-Software ? JAMBA ? Na also.

  2. Ich würde etwas derartiges sehr begrüßen.
    Endlich wieder verlässliche Zustellungen, ok wenn man an die Arbeitsplätze denkt kommen schon Zweifel auf, aber Hey – lasst doch endlich mal den Fortschritt der Roboter ran, ist eh schon lange überfällig.
    Wenn es den Zustellern wirklich um Ihre Arbeitsplätze gehen würde, wären Sie nicht so Faul und gleichgültig, Lieferungen an Private Haushalte werden heutzutage nur noch zu max. 50% zuverlässig erledigt (traurig aber war).
    Man darf auch nicht vergessen das dadurch wieder ganz neue Möglichkeiten geschaffen werden und damit auch wieder neue Arbeitsplätze, gut zwar andere, aber hey – wir Leben in einer Zeit wo jeder flexibel werden muss und auch etwas Neues dazu Lernen muss.
    Wacht endlich auf, Blockiert doch nicht immer Neues, ansonsten gehen wir immer mehr ins tiefste Mittelalter zurück.

  3. Unabhängig davon, dass ich keinen Bedarf für eine Belieferung in Echtzeit sehe, auch nicht glaube, dass diese technischen Spielereien in der Praxis funktionieren, kann es den Unternehmen nicht um Service gehen. Es geht einzig und allein darum, zu versuchen weitere Promillepunkte bei den Kosten einzusparen, in dem man eben mit noch weniger Personal versucht auszukommen.
    Liebe Paketdienste: Stockt euer Personal auf -Geld ist ja reichlich da- und sorgt dafür, dass die Leute zu menschlichen Bedingungen arbeiten, nicht permanent auf dem Vollgaspedal Ihrer Fahrzeuge stehen müssen und gut verdienen.
    Das ist das beste Investment, dass Ihr für den Kundendienst machen könnt.
    Dafür bin ich auch gerne bereit einen entsprechenden Aufschlag zu bezahlen.

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