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Der Social Media-Chef der Polizei München zu Facebook und Twitter : „Da dürfen wir uns nicht raushalten“

„Wir wollen besonders in sozialen Medien Ruhe reinbringen“, so Oliver Timper, Social-Media-Chef der Polizei Bayern.
"Wir wollen besonders in sozialen Medien Ruhe reinbringen", so Oliver Timper, Social-Media-Chef der Polizei Bayern.

Nach dem Amoklauf von München ermittelten die Einsatzkräfte der Polizei München noch immer auf Hochtouren. Auch das Presse- und Social-Media-Team der Polizei ist im Dauereinsatz. Warum es wichtig ist, Falschmeldungen zu vermeiden und warum die sozialen Netzwerke (auch) für die Ordnungshüter im Freistaat zum Tagesgeschäft gehören müssen, erklärt Oliver Timper – Leitung Social Media der Polizei München – im Gespräch mit MEEDIA.

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Er wurde als besonnene Stimme in dieser beunruhigenden Zeit gefeiert: der Münchner Polizei-Pressesprecher Marcus da Gloria Martins wahrte selbst im Ausnahmezustand Seriösität und Souveränität. Auch nach Einschätzung der eigenen Kollegen hat der Öffentlichkeitsarbeiter einen hervorragenden Job gemacht. Es ist nicht immer leicht, die Ruhe zu bewahren, „aber eine unserer wichtigsten Aufgaben“, wie Oliver Timper gegenüber MEEDIA erklärt. Der Web-Experte leitet das fünfköpfige Social-Media-Team der Polizei München. Besonders in strapazierenden Situationen – wie im Fall des Amoklaufes von München – würden die Leuten zu Panik neigen. Und als Folge dessen auch zahlreiche Falschmeldungen verbreiten, die die Stimmung wiederum zusätzlich anheizen. Die Polizei München hat gestern daher eine Warnung an Trittbrettfahrer herausgegeben, in der sie vor teuren Falschmeldungen warnt. 

Aus gutem Grund, wie Timper im Gespräch mit MEEDIA weiter erläutert.

Herr Timper, mit Ihrer Warnung vor gezielten Falschmeldungen haben Sie ein Exempel statuiert. Warum?
Wir sind auf eine große Anzahl von Falschmeldungen in den sozialen Netzwerken gestoßen. Uns ist es sehr wichtig, besonders dort Ruhe reinzubringen. Natürlich sind alle aufgeregt und nervös – deswegen mussten wir auch ein Zeichen setzen. Denn durch Falschmeldungen, und das ist den meisten nicht bewusst, entstehen nicht nur extrem hohe Kosten. Es handelt sich auch um strafbare Handlungen. Das wollten wir klarstellen.

Mussten Sie schon gegen Falschmeldungen vorgehen?
Ja, wir mussten schon reagieren. Sobald sich eine Meldung in den sozialen Netzwerken verbreitet, melden sich besorgte Bürger die darauf stoßen natürlich erst einmal bei uns. Und wir prüfen jeden Fall, sowohl im Netz als auch vor Ort.

Ist das kein ein enormer Aufwand?
Absolut, gerade wenn Falschmeldungen darunter sind. Wir wollen uns natürlich mit den Haupttatsachen beschäftigen und nicht mit Nebenbaustellen. Falschmeldungen sind kein Spaß. Sie schüren Panik und können enorme Folgen haben.

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Wie wichtig sind soziale Netzwerke für die Polizei?
Wir sind der Ansicht, dass sich die Polizei da nicht raushalten kann und auch nicht sollte. In unserer Gesellschaft haben sich soziale Netzwerke etabliert, viele Menschen informieren sich über die Kanäle wie Twitter und Facebook. Und daher muss auch die Polizei mit dabei sein. Am wichtigsten ist es uns nur Meldungen herauszugeben, die verifiziert sind. Eben weil ruck, zuck Falschmeldungen entstehen. Wir müssen uns dagegen stellen.

Wie verifizieren Sie Ihre Informationen?
Wenn wir etwas vermelden, dann sind das ausschließlich interne Informationen, die uns etwa vom Führungsstab freigegeben wurden. Bevor wir etwas rausgeben wird alles erst einmal geprüft. Über die sozialen Netzwerke werden viele Dinge verbreitet, die daraufhin in etliche Richtungen gedeutet werden. Dem wollen wir entgegenwirken. Wenn wir einen Ermittlungsstand verbreiten, dann ist dieser immer aus erster Hand. Und wenn wir trotzdem auf Falschmeldungen stoßen, dann sprechen wir User auch direkt an.

Sie stehen im regen Dialog mit Social-Media-Nutzern. Wie gehen Sie mit Hasskommentaren um?
Wir wollen keine Hasskommentare auf unseren Kanälen im Social-Media-Bereich. Unseren Facebook- und Twitter-Account haben wir mittlerweile über zwei Jahre. Und stellen fest: Es müssen klare Grenzen gezogen werden. Hasskommentare werden strafrechtlich verfolgt. Wir dulden es nicht, dass sich gegenseitig beschimpft wird und sich politische Richtungen – sei es von links oder rechts – versuchen darzustellen. Dafür sind unsere Seiten nicht gedacht.

Was sind die wichtigsten Dinge, die ein Pressesprecher bzw. Social-Media-Sprecher leisten muss?
Vor allem muss er Dinge vermelden, die stimmen und verifiziert sind. Er muss Ruhe bewahren und auch ausstrahlen – das erwartet glaube ich auch der Bürger von der Polizei. Und enorm wichtig: Glaubhaftigkeit und Eloquenz, die ja auch unser Pressesprecher Marcus da Gloria Martins gezeigt hat.

Aber ist es nicht schwer, vor allem bei Vorfällen wie dem Amoklauf, besonnen und souverän und nicht emotional zu reagieren?
Es ist zugegeben schwierig, ja. Aber es ist unsere Aufgabe. Beim ersten Statement zum Amoklauf von München bekam da Gloria Martins nur die Basisinformationen und musste vermitteln, ohne subjektive Aspekte mit rein zu rühren. Es hat lange gedauert, bis wir alle Informationen beisammen hatten. Unsere Ermittler haben im Hintergrund natürlich auf Hochtouren gearbeitet. Aber wir konnten zum Beispiel nicht früher kommunizieren, dass es sich nur um einen und nicht mehrere Täter handelt. Wir wollten keine Falschmeldung herausgeben. Und das muss auch mit Souveränität und Ruhe rübergebracht werden. Aber natürlich auch, dass wir die Lage nach den schrecklichen Taten wieder im Griff bekommen haben, um die Bürger zu beruhigen.

Was sind wichtige Meldungen für die Polizei – und was nicht? Was sieben Sie aus?
Für uns ist es am allerwichtigsten die Bevölkerung zu warnen. Als wir die Bevölkerung auf der Suche nach den Tätern gewarnt haben aufzupassen, war uns natürlich klar, dass das Sicherheitsgefühl des Bürgers betroffen ist und dadurch eine gewisse Unruhe entsteht. Aber die Warnung war wichtig; unsere Aufgabe. Bevor es in einer unklaren Lage endet und etwa einen weiteren Schusswechsel hervorbringt. Wir wollen die User beruhigen. Und das ist auch momentan unser Ziel, wieder etwas Normalität reinzubekommen.

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