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Ab in die Pleite? Filetstücke von Unister könnten zum Schnäppchen-Tarif verkauft werden

Unister bröckelt – und gleich mehrere Unternehmen könnten zuschlagen
Unister bröckelt – und gleich mehrere Unternehmen könnten zuschlagen

Von börsennews.de bis ab-in-den-Urlaub.de – nach dem Tod der Unister-Gründer Thomas Wagner und Oliver Schilling steht die insolvenzgeplagte Unternehmensgruppe vor dem Verkauf. Ehemalige Interessenten wie CTS Eventim, ProSiebenSat.1 oder Finanzinvestoren wie EQT, KKR und Dienstleister wie JDC könnten jetzt die Chance nutzen, sich Portale der Gruppe zum Schnäppchenpreis zu sichern.

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Ob als Ganzes oder in Teilen – der Insolvenzverwalter der Unister-Holding hat die Investmentbank Macquarie damit beauftragt, Investoren für den Geschäftsbetrieb der verschiedenen Portale zu suchen. Dabei dürfte das unter anderem auf Merger & Acquisitions spezialisierte Unternehmen auf ein reges Interesse stoßen, jedenfalls für Teile des weit verzweigten Reichs der kürzlich bei einem Flugzeugunglück verstorbenen Unister-Gründer Thomas Wagner und Oliver Schilling. Denn viele ehemalige Investoren könnten jetzt die Gunst der Stunde nutzen, um Portale oder Geschäftsfelder der Holding preisgünstig zu schlucken.

Als besonders interessant gilt die Reisesparte mit Webunternehmen wie ab-in-den-Urlaub.de, fluege.de und reisen.de. Als möglicher Investor kommt ProSiebenSat.1 infrage. Das Münchener Unternehmen wurde bereits Ende vergangenen Jahres als heißer Anwärter für das Reiseportal ab-in-den-Urlaub.de gehandelt, als sich die Unister-Gründer von ihrem Unternehmen trennen wollten. Denn der Medienkonzern bemüht sich seit mehreren Jahren in der Reisesparte fester Fuß zu fassen. Im Portfolio stehen bereits Portale wie billigermietwagen.de, tropo.de sowie weg.de.

Ein Deal wäre derzeit preiswerter als noch vor einem Jahr. So setzt der Insolvenzverwalter laut Frankfurter Allgemeinen Zeitung für alle Webunternehmen einen Wert von 133 Millionen Euro an. Davon entfallen insgesamt rund 100 Millionen auf den Pauschalreisebereich um das Portal ab-in-den-Urlaub.de und den Ticketverkauf mit flüge.de. Brancheninsider gehen davon aus, dass diese Beteiligungen noch vor einigen Jahren deutlich wertvoller waren. Da sich aber immer mehr Portale auf dem heiß umkämpften Reisemarkt einen erbitterten Preiswettbewerb liefern, sinken die Gewinnmargen. Das drückt auf den Kaufpreis. Der Dax-Konzern ProSiebenSat.1 hält sich zu den Marktspekulationen bedeckt und lehnt hierzu einen Kommentar ab.

Reges Interesse an den Unister-Produkten könnte auch CTS Eventim haben. Der Bremer Ticketveranstalter hatte Ende vergangenen Jahres damit geliebäugelt, eine Mehrheitsbeteiligung an der ostdeutschen Internet-Gruppe einzugehen. Doch der Deal verlief im Sande, weil sich der CTS Eventim-Vorstand und die Unister-Gründer angeblich nicht über den Preis einigen konnten. Möglich ist, dass jetzt das Interesse des im M-Dax notierten Konzerns wieder aufgeflammt ist. Doch auch in Bremen lehnt man eine Stellungnahme ab.

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CTS Eventim galt damals nicht als einziger potenzieller Erwerber für die Leipziger. Auch der Unister-Rivale HolidayCheck Group (ehemals Tomorrow Focus) sowie die Finanzinvestoren Hellman & Friedman, Silver Lake und KKR wurden als Erwerber ins Spiel gebracht. Vor allem für Finanzinvestoren wäre Unister ein ideales Übernahmeziel. Sie könnten die gesamte Gruppe erwerben, um sie anschließend in einzelnen Teilen zu verkaufen – und dies mit einem kräftigen Preisaufschlag.

Als möglicher Erwerber für börsennews.de und kredit.de wird in Branchenkreisen ein anderer Kandidat genannt: die Wiesbadener JDC Group AG. Erst im Mai, wenige Monate vor den Zusammenbruch der Unister-Holding, hatte der börsennotierte Finanzdienstleister von den Leipzigern die Online-Vergleichsplattform Geld.de erworben. Das Portal ermöglicht Usern vor allem Versicherungsprodukte zu vergleichen. Zudem können Konsumenten „mit nur wenigen Klicks Versicherungsangebote online berechnen und abschließen“, heißt es bei der JDC Group. Ein Kapitalanlage-Angebot soll demnächst folgen. Die Gesellschaft war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Möglich ist aber auch, dass börsennews.de bei einem auf Finanzen spezialisierten Verlag landet. Auch andere mittelständisch geprägte Printhäuser könnten zugreifen. Denn viele Medienunternehmen sind dabei, ihr Webportfolio durch Zukäufe auszubauen. Der Berliner Axel Springer-Konzern, der bereits mit millionenschweren Akquisitionen sein Webreich kräftig erweitert hat, winkt jedenfalls bei den Leipzigern ab. „Wir haben kein Interesse an Unister – weder als Ganzes noch an Teilen“, erklärt eine Firmensprecherin auf MEEDIA-Anfrage.

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Alle Kommentare

  1. Die gesamte Unister Grütze kann auch einfach genauso verschwinden wie sie auftauchte. Keiner hat jemals irgend eines dieser Nutzlos-Portale jemals „gebraucht“. Good riddance.

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