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„Keine Werbeplattform für Erdogan“: ARD rechtfertigt umstrittenes Interview von BR-Chef Gottlieb

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War das ARD-Exklusiv-Interview von Siegmund Gottlieb mit Erdogan wirklich so „zahm“ und „lahm“? Und packte der Chefredakteur des BR den Präsidenten wirklich „in Watte“, wie Kritiker meinen? Der Sender sagt „Nein“. Im Gespräch mit dem „Morgenmagazin“ erklärt BR-Korrespondent Michael Schramm, wie sein Chef zu dem Exklusiv-Interview kam und warum der Frage- und Antwort-Reigen keine "keine Werbeplattform für Erdogan" war.

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Vor allem in den sozialen Netzwerken hagelte es harsche Kritik an den Fragen – und vor allem den fehlenden Nachfragen – von Gottlieb. So hieß es unter anderen:

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Etwas mehr Verständnis zeigten da schon die schreibenden TV-Kritiker. So meinte etwa Michael Hanfeld in der FAZ, dass sich der Chefredakteur des BR auch hätte mächtig blamieren können. Das sei aber nicht passiert.

Die ARD wiederum hat eine gänzlich andere Wahrnehmung. Im „Morgenmagazin“ erklärte der Türkei-Korrespondent Michael Schramm, wie es so kurzfristig zu dem Interview gekommen war („Wir haben uns lange darum bemüht, aber wenn es der Präsidentenpalast will, geht es dann sehr schnell“) und dass er und sein Chefredakteur, der schließlich auch das TV-Gespräch führen durfte, sechs Stunden im Präsidentenpalast auf Erdogan warten mussten.

Besonders stolz ist Schramm auf den Umstand, dass weltweit über das Interview berichtete wurde. Aus dieser Perspektive war der Terim bei Erdogan ein voller publizistischer Erfolg. Dann äußerte sich der erfahrende Journalist auch noch einmal zu den Vorwürfen, dass man Erdogan zu einfach und widerspruchslos eine Bühne für dessen Politik-Propaganda geboten habe:

Man muss leider feststellen: Nicht alle Akteure der Weltpolitik sind lupenreine Demokraten – dennoch ist es wichtig für Journalisten außerordentlich wichtig zu erfahren, wie da gedacht, gehandelt und geplant wird. Die entscheidenden Fragen wurden vom Chefredakteur des bayerischen Fernsehens alle gestellt. Insofern kann man nicht sagen, dass hier einfach nur eine Werbeplattform geboten wurde.

Wichtige Hintergrundinfo: Laut ARD gab es für das Interview keine Vorbedingungen. So wurden keine Themen im Vorfeld ausgeschlossen und keine Fragen vorab abgesprochen.

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Alle Kommentare

  1. Die ARD und die Beitragszahler finanzieren Diktatur und Terrorismus. Die ARD und Herr Gottlieb haben dem Journalismus und der Pressefreiheit einen Bärendienst erwiesen- die Quoten waren bestimmt super. Was passierte mit Europ. Menschenrechten und den Werten des freien Journalismus???

  2. Dieser ziemlich eitle Satz, der so typisch ist und so tief blicken lässt:
    „…dennoch ist es für Journalisten außerordentlich wichtig zu erfahren, wie da gedacht, gehandelt und geplant wird.“

    Hier die Ergänzung:
    ES IST FÜR DIE BÜRGER, DIE UNS JOURNALISTEN IN TOTO FINANZIEREN, AUSSERORDENTLICH WICHTIG, ZU ERFAHREN, WIE DA GEDACHT, GEHANDELT UND GEPLANT WIRD. Denn die Bürger baden alle falschen politischen Entscheidung oder Wichtigtuer-Eitelkeiten ganz direkt aus.

    Und ganz exakt deshalb war es vollkommen richtig WIE und DASS Herr Gottlieb und auch Herr Schramm sechs Stunden auf Edogan gewartet und genau SO dieses Interview geführt haben. Der Neid und diese typisch deutsche Besserwisserei können uns am Allerwertesten vorbeigehen. In diesem Fall hat „die ganze Welt“ nach dem Putsch ein Interview mit Erdogan gesehen, in dem er sich nicht der „investigativen“ (hahahaha) Fragen eines eitlen Journalisten wehren mußte sondern man konnte zuhören und froh sein, dass der Kontkat zu diesem Mann, den wir weder „wegreden“ noch „weg kritisieren“ können, nicht vollkommen abbricht. In diesem Fall waren und wären wir den Interpretationen der gesamten Journaille richtiggehend ausgeliefert. Das braucht wirklich keiner mehr, denn DEREN Meinungen kennen wir zur Genüge auch die der öffentlich-rechtlichen Versorgungs-Anstalten, die den zahlenden Bürger gemeinhin mit den Meinungs-Manipulations-Wünschen DER DEUTSCHEN POLITIKER erschlagen. Hier hat genau diese manipulative Wichtigtuerei gefehlt. Und deshalb war es auch für den Bürger ein gutes und wichtiges Gespräch. Dieser Mann hat Einfluss auf die vielen Türken hier in Deutschland, auf unsere nicht vorhandene „Flüchtlings-Politik“, ist NATO-Partner und und und. Was soll also diese Hybris zu glauben, DER sei irgendwie beeindruckbar durch ein paar super-mega-sensations-tolle Fragen von irgendeinem Wichtig-Journalisten.

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