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Code of Conduct: Spiegel führt verbindliche Verhaltensregeln für alle Mitarbeiter ein

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Spiegel-Verlagsgebäude in der Hamburger Hafencity

Von Axel Springer bis Bertelsmann – Deutschlands führende Medienhäuser haben für ihre Mitarbeiter einen verbindlichen Verhaltenskodex aufgestellt. Darin sind nicht nur ethische Grundsätze für Journalisten festgelegt. Auch das korrekte Verhalten gegenüber Geschäftspartnern, Kunden und staatlichen Stellen wird im Code of Conduct geregelt. Jetzt will der Hamburger Spiegel-Verlag nachziehen.

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Er wurde von Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer als „Handlanger der Regierenden“ bezeichnet: “Sport-Bild“-Chefredakteur und „Bild“-Kolumnist Alfred Draxler. Öffentlich hatte der Boulevard-Journalist vergangenes Jahr die Berichterstattung des Nachrichtenmagazins um die Machenschaften des Deutschen Fußball-Bunds DFB („Das zerstörte Sommermärchen“) scharf angegriffen und dies, obwohl er mit DFB-Entscheidern wie Wolfgang Niersbach oder Franz Beckenbauer befreudet ist.

Bei Brinkbäumer stieß dies sauer auf. Auch viele User in den Sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook rügten den Bild-Mann. Ihr Vorwurf: Draxler fehle die professionelle journalistische Distanz. Trotz des öffentlichen Shitstorms stellte sich der Berliner Springer-Konzern hinter den Bild-Mann und sah in seinem Verhalten keinen Verstoß gegen den hausintern geltenden Code of Conduct. „Wir sehen grundsätzlich kein Problem darin, dass auch Journalisten freundschaftliche Kontakte zu Personen pflegen, die Gegenstand von Berichterstattung sind. Denn dies bedeutet nicht automatisch, dass sie ihre professionelle Distanz aufgeben“, erklärte damals Springer.

Seit vielen Jahren gilt bei Axel Springer ein verbindlicher Verhaltenskodex. Er ist eine Art Leitlinie, die den Journalisten als Orientierung für ihr tägliches Handeln dient. Danach dürfen redaktionelle Veröffentlichungen in keinem Fall durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Redakteurinnen und Redakteure beeinflusst werden, heißt es dort. Zudem dürfen Journalisten grundsätzlich nicht über nahestehende Personen, insbesondere Familienangehörige, in Text und Bild berichten, „es sei denn, es liegt ein mit dem jeweiligen Vorgesetzten abgestimmter sachlicher Grund vor.“

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Jetzt will der Spiegel-Verlag nachziehen. So plant die Geschäftsführung, ein eigenes Regelwerk für die gesamte Belegschaft einzuführen. „Wir arbeiten derzeit an einem Code of Conduct“, bestätigt eine Spiegel-Sprecherin auf MEEDIA-Anfrage. In dem Verhaltenskodex dürfte es vermutlich nicht nur um die ethischen Grundsätze für die Journalisten gehen. Denn in viele Konzernen gehen die verbindlichen Regeln für die Mitarbeiter viel weiter. Ob Bestechung von Geschäftspartnern bis zur Mobbing von Mitarbeitern am Arbeitsplatz – der „Code of Conduct“ umfasst diverse Bereiche des Unternehmens.

An die Verhaltensregeln haben sich die Arbeitnehmer strikt zu halten. Wer dies nicht tut, dem drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen – im schlimmsten Fall die Kündigung. Wie MEEDIA aus Spiegel-Kreisen erfuhr, steht das Unternehmen mit dem Vorhaben noch ganz am Anfang. Denn derzeit ist das Haus an der Ericusspitze mit vielen anderen Dingen beschäftigt. So arbeitet es unter Hochdruck an weiteren Innovationen, um die rückläufigen Vermarktungsumsätze zu kompensieren. Zudem setzt es sein Sparprogramm im Rahmen der Agenda 2018 weiter um. So drohen betriebsbedingte Kündigungen.

Auch das Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr (Stern, Geo) besitzt seit Jahren einen solchen Code of Conduct, der sich an den Verhaltenskodex des G+J-Mutterkonzerns Bertelsmann anlehnt. „Korrektes Verhalten gegenüber Mitarbeitern, Kunden, Geschäftspartnern oder staatlichen Stellen hat im Wertesystem von Gruner + Jahr eine sehr entscheidende Bedeutung“, heißt es hier bei G+J. Der Verhaltenskodex umfasst Regelungen zur gesellschaftlichen Verantwortung, zum Verhalten am Arbeitsplatz, zu Finanzgeschäften und Berichtswesen sowie zum Umgang mit Medien und Technologien. Verstöße werden bei Gruner in einem Compliance-Ausschuss erörtert.

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Alle Kommentare

  1. Wahrscheinlich ist in diesen Verhaltensrichtlinien sogar noch nie politische Linie drin.
    Das würde die gleichartigen politischen Berichte der letzten Jahre erklären bzw. die inzwischen wieder ähnlichen Artikel aller Medien.

    Bei Springer war das ja schon lange klar und wurde ja seinerzeit durch Axel Springer selbst bestätigt. Beim Spiegel irgendwie auch…

  2. Der Spiegel-Verlag also möchte sich irgendwann einen Verhaltenskodex geben. Hat aber noch keinen, sondern eigentlich nicht mehr als die Idee. Bis das fertig ist, wird es noch sehr lange dauern. Viele andere haben das bereits getan.

    Wo ist jetzt eigentlich die Nachricht?

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