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„Niedriger einstelliger Millionenbetrag“: weiter Heimlichtuerei um Fußball-Experten-Honorare

Schweigen immer noch zu ihren Experten-Gehältern: Oliver Kahn (l.) und Mehmet Scholl
Schweigen immer noch zu ihren Experten-Gehältern: Oliver Kahn (l.) und Mehmet Scholl

Nach wie vor bestreiten ARD und ZDF kursierende Meldungen über Phantasiegehälter ihrer Fußball-Experten Mehmet Scholl (ARD) und Oliver Kahn (ZDF), ohne jedoch die tatsächlichen Summen zu nennen. Nun hat der Medien-Ausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags vom SWR erfahren, dass zwischen 2007 und 2010 – insgesamt – "jährlich niedrige einstellige Millionenbeträge" an Experten gezahlt wurden.

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„Oliver Kahn ist jeden Euro wert, den er bei uns verdient hat“, sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut und zeigte sich mit seinem Fußball-Experten sehr zufrieden. Wie viel Kahn verdient hat, wollte er allerdings nicht verraten. „Es wurden Gerüchte gestreut, die jeder Grundlage entbehren“, so Bellut. Auch Oliver Kahn hatte die Spekulation in einem Facebook-Posting entschieden zurückgewiesen und diese als eine „eklatanten Falschmeldung“ bezeichnet.

Nun bringt der Ausschuss für Medien und Netzpolitik des rheinland-pfälzischen Landtages immerhin ein klein wenig Licht ins Dunkel, nachdem sich dieser mit der Haushalts- und Wirtschaftsführung des Südwestrundfunks (SWR) nach deren Überprüfung durch die Rechnungshöfe Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz befasst hat (Drucksache 16/4942). Demnach hätten dem Sender für 2005 bis 2008 sowie 2009 bis 2012 für den Erwerb von Sportrechten insgesamt jeweils ungefähr eine Milliarde Euro zur Verfügung gestanden. Zu den Experten-Honoraren heißt es: „2007 bis 2010 hatten die Landesrundfunkanstalten auf Grundlage von Mitwirkendenvereinbarungen an ehemalige Spitzensportler und Experten aus dem journalistischen Bereich für Komoderation, Interviews und Reportagen jährlich niedrige einstellige Millionenbeträge gezahlt.“

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Die Zahlen geben damit zumindest ein bisschen Aufschluss über die Honorare von Mehmet Scholl (ARD) und Oliver Kahn (ZDF), die beide seit 2008 als Fußball-Experten für die öffentlich-rechtlichen Sender tätig sind. Aktuelle Zahlen gibt es aber offenbar nicht – ebenso wenig wie eine Erklärung, was mit „niedrige einstellige Millionenbeträge“ gemeint ist.

Die Heimlichtuerei hat angeblich viele Gründe. So erklärte SWR-Justiziar Hermann Eicher, dass es „auf diesem Markt“ Honorare gebe, die in einem Wettbewerb stünden – und Mehmet Scholl habe sich obendrein „als Volltreffer“ in diesem Berufsfeld erwiesen. Folglich könne man nicht einfach sein Honorar halbieren. Der SPD-Abgeordnete Jochen Hartloff zeigte wenig Verständnis, immerhin könnten beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk „auch Honorare öffentlich sein“. Daraufhin brach der SWR-Vertreter noch ein rechtliches Problem ins Spiel. So könne man nicht einfach das Honorar veröffentlichen, ohne die Zustimmung des Experten einzuholen. Hartloffs Frage, warum es denn keine Verträge ohne diese Klausel gebe, entgegnete Eicher vom SWR damit, dass dies ein Wettbewerbsnachteil gegenüber der privaten Konkurrenz sei. Hartloff bezweifelte allerdings, dass dieser Nachteil so gravierend sei, wie er von Senderseite dargestellt wird.

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Alle Kommentare

  1. Es ist grundsätzlich die Frage, ob das Plaudern über Fußball wirklich eine öffentlich-rechtliche Millionensumme für einen Experten wert ist. Zumal diese Experten ja im Sinne des allgemeinen Wohlfühlkonsenses dazu aufgefordert sind seichte Kritik auszuüben … Wofür das Ganze, wenn z.B. Mehmet Scholl zurückgepfiffen wird, weil er den Namen Siegenthaler „beschmutzt“. Solch ein Expertentum braucht kein Fußballmensch.

  2. Ob Mehmet Scholl sein Jahreshonorar von 1,6 Millionen Euro gerechtfertigt ist ist Ansichtssache, er macht in jedem Fall einen tollen Job. Ein wirklicher Experte, er knüpft gut an Günther Netzer an, was ich erst nicht glauben wollte.

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