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Kolumnen-Duell: Thomas Fischer geht bei Spiegel Online auf Margarete Stokowski los

Ring frei für Fischer vs. Stokowski in der SpOn-Arena
Ring frei für Fischer vs. Stokowski in der SpOn-Arena

Bei Spiegel Online hat BGH-Richter Thomas Fischer, der eigentlich Kolumnist bei Zeit Online ist, eine flammende Replik auf einen Text der SpOn-Kolumnistin Margarete Stokowski veröffentlicht. Diese hatte ihn zuvor wegen seiner Haltung zur Reform des Sexualstrafrechts scharf kritisiert. Dabei zeigt sich Fischer ungewöhnlich getroffen.

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In ihrem Text „Was heißt Nein?“ hatte Margarete Stokowski Fischer wegen seiner Haltung zum reformierten Sexualstrafrecht und der „Nein heißt Nein“-Kampagne hart angegangen. So schreibt sie u.a.: „Aus welchem Körperteil diese Vermutung bei ihm kommt, sollten mal Biologinnen klären.“

Offenbar hat den wortmächtigen Fischer, der laut seinem Zeit Online Kolumnentitel stets „im Recht“ ist, der Stokowski-Text so sehr gewurmt, dass er noch einmal in die Tasten haute und eine beleidigte und beleidigende Replik veröffentlichte. Und zwar außerhalb seines angestammten Mediums bei Spiegel Online. Dort wird man sich über die Aufmerksamkeit durch den In-Fight „Fischer vs. Stokowski“ freuen, Fischer selbst tut sich mit diesem Text keinen Gefallen. Hier hätte der Richter besser einmal geschwiegen.

Wie üblich mit kunstvoll gedrechselten Sätzen, bitterböser Ironie und diesmal sogar einem Rückgriff auf rhetorische Figuren der Mark-Anton-Rede Shakespeares (aus dem „ehrenwerten Mann“ Brutus wird bei Fischer die „ehrenwerte Frau“ Stokowski) versucht er der SpOn-Kolumnistin derart offensichtlich eins auszuwischen, dass er selbst am Ende dabei als Verlierer dasteht.

Fischer mag in sachlichen, fachlichen Dingen tatsächlich recht haben. Aber dass er sich darüber echauffiert, dass Stokowski von Biologinnen schreibt statt korrekterweise von Humanmedizinerinnen oder Psychiaterinnen, dass er ihr ihr Lebensalter vorwirft und ihr Studium der Philosophie – das alles wirkt in dieser Ballung nur noch kleinkariert. Dass Fischer hier über sich selbst in der dritten Person schreibt, lässt tief blicken und macht die Sache nicht besser.

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Fischers Wortgewitter über Margarete Stokowski gipfelt in dem Absatz:

Frau Margarete Stokowski dagegen ist eine ehrenwerte Frau. Sie hat nichts gegen Würmer und Tiere und Biologinnen. Sie ist Frau und daher Expertin für Sexualstrafrecht. Expertin für Kriminologie und Statistik sowieso. Wer ihre Assoziationen und Sprachvergewaltigungen als sexistische, biologistische, totalitäre Wahnbilder kritisiert, muss im Unrecht sein. Das ergibt sich schon daraus, dass sie im Recht ist.

Stokowski schrieb in ihrem Text, Fischer scheine in seiner „Zeit Online“-Kolumne „eine gewisse Freude daraus zu schöpfen“, anderen zu erklären, dass sie keine Ahnung von seinem Fachgebiet haben. Man muss mit Frau Stokowski nicht einer Meinung sein, aber in diesem Punkt hat sie wohl recht. Das hat der BGH-Richter Fischer mit seiner Replik selbst sehr nachdrücklich unter Beweis gestellt.

(swi)

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Alle Kommentare

  1. Die Debatte scheint sich von rationalen Argumenten in der Sache völlig entfernt zu haben, aber das ist den Beteiligten (KolumnistInnen) offenbar auch nicht wichtig. So wie in den politischen Debatten auch. Es geht ums vermeintliche Gewinnen in der Rhetorik, nicht mehr um die Sache selbst und schon gar nicht darum, ein wirkliches Problem einer Lösung zuzuführen – ich sage mal, dazu sind auch weder Politiker, noch Journalisten oder Juristen die richtigen Leute, aber leider haben die bei politischen Debatten den größten Einfluss, wohl gerade deshalb, weil sie von der Sache, um die es geht, meist so gut wie gar nichts verstehen. Wenn die Sophistik überhand nimmt, dann geht die Demokratie dem Ende entgegen. Stellen wir uns also auf eine baldige Einkehr einer germanisierten Form des Putinismus, Trumpismus oder Erdoganismus ein.

  2. Die gute Frau Margarete Stokowski und Ihr Geschreibe darf man eh nicht für voll nehmen.

    Ich habe mehrfach Ihre Kolumnen gelesen und festgestellt das die Dame in einer anderen Welt lebt. Komplett anderer Welt.
    Mal davon abgesehen das IMMER die Frauen die guten und Männer die bösen sind. Das zieht sich durch alle Texte.

    Ich habe aufgehört die Dame zu lesen. Lohnt sich nicht und ist Zeitverschwendung.

    1. Lieber Horst,

      ich wollte der These nachgehen, dass bei Frau Stokowski „IMMER die Frauen die guten und Männer die bösen“ seien, aber bin schon bei der oben verlinkten Kolumne hängengeblieben. Darin hat eine Brigitte.de-Journalistin „etwas Falsches geschrieben“ (Zitat Stokowski) und sie schreibt auch „Vergewaltigung als Frauenthema zu sehen, heißt Männer, die zu Opfern werden, zu verschweigen“.

      Hältst Du Deine These dennoch aufrecht?

      Viele Grüße

      Manfred

  3. Also sprach „swi“: „Fischer mag in sachlichen, fachlichen Dingen tatsächlich recht haben.“ Ja, so ist es, wie jedenfalls erfahrene Strafrechtler wissen, die ohne Professor Fischers (Standard-) Kommentar zum StGB (nur 89 € bei Beck!) nicht auskommen. Unter vernünftigen sachorientiert-aufgeklärten Zeitgenossen kann es damit sein Bewenden haben.

    Bis etwa zum 30. Lebensjahr sind verstörend-sektiererische Glaubensbekenntnisse z.B. zu Sozialismus, Feminismus oder gar Genderismus in – hier: erwiesener – Ermanglung von Sachkompetenz (manchmal) als Ausweis des Versuchs hinnehmbar, dann wenigstens von einfältiger Herzensgüte zu sein. Der „Wachtturm“ für solcherlei Gutmenschen ist bekanntlich die „TAZ“ – solange es sie noch gibt. Dort, aber hoffentlich nur dort, funktioniert die Chuzpe „Laß‘ mich durch, ich bin Frau“ für alles und jedes und sogar im Strafrecht. Demnächst sicher mehr im Frauen-Spiegel unseres Vertrauens.

    Sollte Meedia doch ein Medium für professionelle Journalisten sein, sollte freilich diskutiert werden, was die Asylgewährung für Frau St. (die ja bei der „TAZ“ vor Verfolgung sicher war) über Zustände und Aussichten beim „Spiegel“ aussagt. Dort, wo Jan Fleischhauer bereits „rechtsaußen“ ist, verbreitert man nicht etwa die (für ein „Nachrichten“-Magazin ohnehin überflüssige) Meinungsbasis um bürgerliche und prinzipiell machtkritische Journalisten bzw. „Kolumnisten“, um Leser zurückzuholen, die der quasi-religiöse „Nanny-Journalismus“ mit „Opinion overload“ vertrieben hat.

    Die wohl schwer Verzweifelten vom Merkel-Spiegel antworten auf den krachenden Misserfolg des Gesinnungs-Journalismus mit noch mehr Sektierer- und Minderheiten-Gesinnung von derselben Sorte. Wer schon unter (Jakob) Augstein, Lobo, Berg und Diez zu leiden hat, benötigt Frau St. nun wirklich nicht auch noch. „Wozu Fakten, man hat Gesinnung“ mag religiösen Traktaten aufhelfen, Rudolf Augsteins Nachrichten(!)-Magazin geht daran gerade zugrunde. Schade.

  4. Ich halte Herr Fischers Replik durchaus für angemessen. Die Replik analysiert präzise, wie Frau Stokwoski sprachliche Grenzen überschreitet. Ein scharfer Diskus in der Sache ist eine Sache. Aber kein Mensch muss sich einen solchen Versuch, als Person diffamiert und öffentlich vernichtet zu werden, unwidersprochen gefallen lassen. Ein sachbezogenes Argument habe ich in Frau Stokwokis Kommentar jedenfalls nicht gelesen, obgleich sich für ihre Position sicherlich Argumente anführen lassen. Ich halte es zudem im Hinblick auf die journalistische Ethik zumindest für fragwürdig, das Spiegel Online einen solchen Text unredigiert veröffentlicht, vermutlich um hohe Seitenaufrufe zu generieren.

    Das schreibe ich völlig unabhängig davon, wer an welcher Stelle in der Sache Recht haben mag, auch wenn ich Herr Fischers durchaus sachliche Kolumne auf Zeit Online hierzu als durchaus erhellend empfand. Hierzu hätte ich gerne einmal eine etwas fundiertere Replik auf Spiegel Online gelesen.

  5. Ach, Herr Stefan Winterbauer (swi), dass Sie als Mitglied der Chefredaktion mehr Ahnung vom Fachgebiet des Herrn Fischer haben, möchte ich stark anzweifeln.
    Dass Frau Stokowski keine Ahnung davon hat, hat sie durch ihre Artikel hinreichend bewiesen.
    Auch hat Herr Fischer sicherlich nicht verloren.
    Warum schreiben Sie hier eigentlich unter Kürzel, während die anderen Artikel unter Ihrem vollen Namen erscheinen?

  6. Wie gut das unter diesem Text nur ein Kürzel steht. Ich würde meinen Namen mit dieser jämmerlichen Entschuldigung der Damen und Herren Aktivisten, die sich hierzulande als Journalisten ausgeben dürfen, auch nicht verknüpft haben wollen.

  7. ,,Stokowski schrieb in ihrem Text, Fischer scheine in seiner „Zeit Online“-Kolumne „eine gewisse Freude daraus zu schöpfen“, anderen zu erklären, dass sie keine Ahnung von seinem Fachgebiet haben. Man muss mit Frau Stokowski nicht einer Meinung sein, aber in diesem Punkt hat sie wohl recht. Das hat der BGH-Richter Fischer mit seiner Replik selbst sehr nachdrücklich unter Beweis gestellt.“

    Das einzige, was den Fischer wurmt, ist wohl eher die Tatsache, dass jeder Vollidiot, der keine Ahnung vom Strafrecht hat, sich dazu berufen fühlt seine dümmliche Auffassung zum Sexualstrafrecht zu äußern – wohlgemerkt in der Meinung er habe selbstverständlich Recht.

    Als nächstes sollten wir Blumenhändler zum Entschärfen von Sprengkörpern einsetzen. Expertise scheint heutzutage ja nicht mehr nötig zu sein.

  8. Gut darüber, inwiefern Meedia zum Punktrichter berufen ist, lässt sich ebenso streiten wie über das Ergebnis, dass angeblich Fischer „als Verlierer dasteht“ (wobei Margarete Stokowski die eigentlichen strafrechtlichen Fragen ja bislang weitgehend erfolgreich gemieden hat). Aber an welcher Stelle, liebe Wertungsrichter von Meedia, war Fischers Replik denn bitte „beleidigend“?

  9. Ich finde es durchaus angebracht, dass Fischer auf der gleichen Plattform und mit einem überaus deutlichen Ton reagiert. Das zeigt weder Getroffen- noch Kleinkariertheit. Zum Inhalt selbst und den sich teilweise rechtswidrigen Widersprüchen, die sich aus der Reform ergeben, hat er sich nämlich in den letzten Jahren – im Gegensatz zu Frau Stokowski – ausführlich und mehrfach geäußert.
    Der Spiegelkolumnistin ging es nur darum, aus ideologischen Gründen die Gegenseite mundtot zu machen. Dabei habe ich selten so anmaßende und sachlich falsche Gedanken gelesen wie bei ihr.
    Man stelle sich mal vor, ich polemisierte als Kolumnist gegen die Chefingenieure von Daimler und ihre dringend reformbedürftigen Motoren, und ziehe meine Qualifikation lediglich aus der Tatsache, einen Führerschein in der Hosentasche zu tragen. Und selbst dann besäße ich noch mehr Berechtigung, mich zu äußern als Frau Stokowski in diesem Fall, die vom Strafrecht im Speziellen sowie dem Recht im Allgmeinen und seinen Dogmatiken rein gar nichts versteht.
    Dennoch stellt sie sich mit dem Lautsprecher aufs Dach und ruft zum Kreuzzug auf. Das ist der eigentliche Skandal, der hier völlig untergeht, denn u.a. ihr populistisches Geschrei hat nun erfolgreich die Gesetzgebung beeinflusst, die wiederum tiefe Spuren in viele Einzelschicksale ziehen wird, bis das BVerfG dem nun beschlossenen Unsinn in einigen Jahren Schranken aufzeigt.

    In der östlichen Philosophie gibt es den Dialog-Grundsatz „Versuche erst zu verstehen, dann verstanden zu werden“. Eine kleine Verhaltensregel, die nicht nur den eigenen Blutdruck schont, sondern auch vielen Journalisten im Digitalzeitalter zugute kommen würde, wollten sie weiterhin ernstgenommen werden.
    Frau Stokowski hat jede Form von Glaubwürdigkeit erfolgreich verspielt, indem sie jede Auseinandersetzung aus dem Sachzusammenhang reißt und sich auf ad-hominem-Angriffe gegen ihr unliebsame Personen beschränkt.
    Beim Schreiber des obigen Artikels ist hingegen noch nicht alles verloren, doch auch für ihn gilt: erst verstehen, dann losschreiben.
    Der Titel von Fischers Zeit-Kolumne besitzt nämlich einen doppelten Boden, der sich nur dem erschließt, der bereit ist, einen kurzen Moment nachzudenken. Es ist nicht gemeint, dass sich die Person „Fischer“ im Recht sieht, sondern dass der Inhalt der Kolumne von einem Fischer im Recht handelt – von jemandem, der im Recht fischt und so im Trüben (durch Nachdenken) nach Erhellung strebt. Und genau das tut die Person Fischer kraft ihrer Qualifikation sehr solide, ganz im Gegensatz zu der bemitleidenswerten Frau Stokowski, die bis auf sarkastische stumpfe Pfeile nichts im Köcher hat, obwohl sie sicherlich das ein oder andere zu ihren eigenen Fachgebieten beitragen könnte. Aber dazu müsste sie eben nachdenken.

    1. Frau Stokowski gehört zu dieser unsäglichen Gutmenschschickeria die uns sagen möchte was wir zu denken haben.
      Wer nicht so denken will, bekommt sofort die Leviten gelesen.
      Das ist in sehr fragwürdiger Stil und hat im Spiegel nichts zu suchen. Nachdenken und dann Schreiben hat sie noch nie gekonnt.

      1. Zeichnet es eine Gesellschaft, in der uns niemand vorschreibt, was wir zu denken haben, nicht aus, dass auch Frau Stokowski ihre Meinung frei äußern kann?

        Was im Spiegel etwas zu suchen hat, und was nicht, entscheidet der Spiegel—die »Gutmenschenschickeria« zwingt Sie ja nicht, ihn zu lesen.

    2. Das sehe ich genauso wie Sie, Ben Wanter. Ohne Fischers Kolumne in ZON hätte ich überhaupt nicht verstanden, worum es da genau geht bei dieser mittlerweile ja im BT beschlossenen Reform des Sexualstrafrechts.

      Als ich gemeinsam mit meiner Frau die Berichte im ÖRR über diese Reform sah, fand meine Frau diese zunächst mal gut – nachdem ich die „Berichterstattung“ ergänzte, fand sie diese Refom irre. Insbesondere nachdem ich mal einige Beispiele aus Fischers Kolumne auf unsere silberne Ehe und ihre Frühzeiten übertragen hatte. (Ich weiß allerdings nicht, ob es nur ein Witz ist, dass man sich an US-Tankstellen Formulare zur schriftlichen Genehmigung zum Küssen holen kann. Kann man aber auch nicht mehr ausschließen, in diesen verrückten Zeiten.)

      BTW: Bei fefe steht ja immer. „Vorsicht: Link geht zu SPON“. Hätte hier auch ganz gut gepasst.

      Herr Fischer – falls er hier mitliest: Weiter so, und zwar genauso! Halten Sie die Fahne hoch. Lassen Sie uns bitte nicht mit den ganzen Maasmänn*Innen allein!

  10. Sehr richtig! Hätte er mal geschwiegen. Auch wenn er in der Sache durchaus Recht hat und die Kolumne von Stokowski zudem selten richtig lesenswert ist(aber auch selten völlig falsch), die Mühe war es – zumal mit diesem Ergebnis – nicht im Ansatz wert.
    Ein Richter, der sich mit einer Kolumne in einer Wochenzeitung, die nicht Fachzeitschrift ist, exponiert, fordert Reaktionen von Fachfremden heraus. Darunter und dessen wird, dessen muss er sich im Klaren sein, wird es auch völlig unqualifizierte geben, solche, die seine Person angreifen und nicht seine Position und solche, die einfach nur strafrechtlich relevant sind. Nur bei letztgenannten Reaktionen sollte er künftig reagieren – allerdings nicht selbst, sondern durch die Staatsanwaltschaft und anschließend ggf. seine Kollegen.

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